Fahrgastverband PRO BAHN: Smartphonezwang der DB für die BahnCard auf dem Holzweg – Kundenorientierte digitale Lösungen sind keine Raketenwissenschaft

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Die Deutsche Bahn digitalisiert zunehmend ihre Angebote, was in vielen Punkten Vorteile bringt. Leider setzt das Unternehmen dabei den Fokus ausschließlich auf smartphoneabhängige Lösungen und schließt damit mehrere Kundengruppen vom Fahrscheinerwerb aus. Beispielsweise werden die Probe-BahnCards nur noch in der App der Deutschen Bahn angeboten. Dies entspricht dem betriebswirtschaftlichen Fokus auf circa 80 Prozent der Kunden. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die Deutsche Bahn auf, die Digitalisierung vom Kunden aus zu betrachten und somit alle Fahrgastgruppen mitzunehmen.

In den neuen Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn ist folgender Passus zu finden: „… werden Ersatzkarten für die Probe BahnCard nur noch als digitale BahnCard ausgegeben.“ Dies bedeutet, dass Personen ohne Smartphone von der Nutzung ausgeschlossen sind, da eine digitale Chipkarte nicht vorgesehen ist. Ab 1. April 2024 soll diese Regelung auch für die Ersatzkarten der BahnCard, der Senioren BahnCard und der MyBahnCard gelten. Dies betrifft die Personen, die kein Smartphone besitzen oder die es nicht bedienen können, wie Sehbeeinträchtigte, nicht volljährige Kinder und manche Senioren. Auch die digitalaffinen Geschäfts­kunden haben ihre Fahrkarten zur Sicherheit oft zusätzlich ausgedruckt dabei, für den Fall, dass der Akku mal leer und die Zugsteckdose defekt ist.
Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die Verantwortlichen der Bundespolitik und der bundeseigenen Deutschen Bahn auf, den Smartphonezwang zu stoppen und die Digitalisierung fahrgastfreundlich auszugestalten. Dazu gehören digitale Alternativen mit (plastikfreien) Chipkarten oder 2D Barcodes (zum Beispiel QR- oder Aztec-Codes) die neben einer App-Lösung flexibel und gleichberechtigt für die gleichen Fahrscheine parallel nutzbar sind.

Dr. Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN: “Die Argumentation, dass durch den Smartphonezwang tonnenweise Plastik eingespart wird, hält einem seriösen Mengenvergleich nicht stand und ist aus unserer Sicht vorgeschoben, zumal es auch plastikfreie Lösungen gibt. Wenn die Deutsche Bahn einen kundenunfreundlichen Prozess digitalisiert, bleibt es ein digitaler kundenunfreundlicher Prozess.“

Jörg Bruchertseifer, Tarifexperte des Fahrgastverbands PRO BAHN ergänzt, „Die Vorhaltung eines Ersatz-Smartphones für 250 Euro, um den öffentlichen Verkehr in Deutschland nutzen zu können geht an der Lebensrealität vieler Mitbürger vorbei und stellt für zahlreiche Kundengruppen eine zusätzliche Nutzungsbarriere dar. Ein Blick in die Nachbarländer offenbart, dass digitale fahrgastfreundliche Lösungen, die parallel mit und ohne App nutzbar sind, keine Raketenwissenschaft darstellen. Hier muss nachgebessert werden.”

1 Kommentar

  1. Mich wundert dieser Artikel nicht, auch wenn ich die geschilderten Tatsachen bisher nicht gekannt habe. Denn im Vorstand der Bahn sitzen Menschen die täglich einen vierstelligen Geldbetrag erhalten (nicht verdienen). Wohlgemerkt ohne die Boni mitzurechnen.

    Wie können solche Leutchen die finanziellen und technischen Möglichkeiten der 5-As der meisten Bahnnutzern * auch nur annähernd nachvollziehen.

    * Abgehängten – Alte – Arbeitslose – Armen – Auszubildenden