Tore für den Fußballnachwuchs

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Stephanie Orlik, bei den SWG für die Aktion „Spiel‘ Dein Spiel“ zuständig (hintere Reihe ganz links), freut sich über das Jahres-Highlight: Die JSG Hohe Warte erhielt zwei Jugendtore und 50 T-Shirts. Simon Pötter, Jugendleiter JSG Hohe Warte (zweiter von links), das Trainerteam der JSG Hohe Warte und die E-Jugend-Mannschaft nahmen die Zuwendung im Rahmen eines Trainings entgegen.

Die JSG Hohe Warte ist ein gutes Beispiel für eine außergewöhnliche, durchdachte Jugendarbeit im Fußball. Und als solches prädestiniert als Highlight-Projekt für „Spiel‘ Dein Spiel“ – die Jugendförderaktion der Stadtwerke Gießen.

 

 

Fußball ausschließlich für Kinder und Jugendliche – das bietet die JSG Hohe Warte. Das Kürzel steht für Jugend-Spielgemeinschaft. In diesem Fall kooperieren der SV 1928 Garbenteich, der SV Annerod und der TV 1864 Hausen. Die Verantwortlichen der drei benachbarten Vereine beschlossen, die Jugendarbeit in Sachen Fußball zusammenzulegen und so spürbar zu optimieren. Der Erfolg gibt ihnen recht: 2021 mit 80 Kindern gestartet, kicken heute fast 200 Mädchen und Jungen zwischen vier und 15 Jahren bei der JSG Hohe Warte.

Fußball für Kinder erfordert spezielles Material – unter anderem kleinere Tore. Genau die erhält die JSG von den Stadtwerken Gießen (SWG) im Rahmen der Aktion „Spiel‘ Dein Spiel“. „Die JSG Hohe Warte zeigt eindrücklich, was möglich ist, wenn man althergebrachte Strukturen kritisch hinterfragt und die Dinge neu denkt“, erklärt Stephanie Orlik, bei den SWG für die Aktion „Spiel‘ Dein Spiel“ zuständig, anlässlich der Übergabe der Tore. „Was hier entstanden ist, verdient höchste Anerkennung. Deshalb war für uns schnell klar, dass die JSG unser ,Spiel‘ Dein Spiel‘-Highlight 2023 wird“, begründet sie die Entscheidung. Zu den beiden Toren, die auf dem Sportplatz in Garbenteich zum Einsatz kommen, gibt es außerdem 50 T-Shirts.

 

Alle dürfen mitspielen

Die oberste Maxime bei der JSG lautet: Wir schicken niemanden weg. Buchstäblich alle Kinder dürfen mitmachen. „Sollten – was schon vorgekommen ist – zu viele Kinder in einer Gruppe zusammenkommen, kümmern wir uns um eine neue Trainerin oder einen neuen Trainer und machen eine zusätzliche Mannschaft auf“, beschreibt Simon Pötter, einer der drei Jugendleiter, das Vorgehen. Auf diese Weise bietet die JSG allen Kindern die Möglichkeit, unter der Woche zu trainieren und am Wochenende gegen andere Teams zu spielen. „Diese Erlebnisse sind von unschätzbarem Wert“, weiß Simon Pötter.

Fester Bestandteil der Grundidee ist, die Kinder auch andere positive Erfahrungen sammeln zu lassen – bisweilen unabhängig vom Fußball. „Bei allem, was wir anstoßen, liegt der Fokus auf den Bedürfnissen der Kinder. Wir fragen uns immer, was ihnen Spaß machten könnte“, bringt es Simon Pötter auf den Punkt. Das bedeutet, dass schon einmal ein Besuch im Kletterwald, in der Osthalle beim Basketball oder bei einem Frauen-Länderspiel auf dem Programm steht.

Darüber hinaus spielt bei einem so integrativen Ansatz natürlich auch das Thema Toleranz eine zentrale Rolle. „Mit den Älteren können wir uns durchaus vorstellen, auch Bildungsfahrten zu unternehmen“, erzählt Simon Pötter. Zum Beispiel nach Weimar und Buchenwald. Denn auch die Arbeit gegen Rassismus gehört als fester Bestandteil zum Konzept des jungen Vereins. Schließlich treiben hier viele Kinder aus verschiedenen Herkunftsländern Sport. Und wachsen dabei freundschaftlich zusammen.

 

Massiver ehrenamtlicher Einsatz

Das, was die JSG Hohe Warte den Nachwuchskickerinnen und -kickern bietet, wäre ohne ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und ohne engagierte Eltern nicht denkbar. Aber damit gab es bei der JSG nie ein Problem. Weil das Konzept stimmt, finden sich offenbar immer genug Menschen, die sich dafür begeistern lassen und tatkräftig anpacken. Davon profitieren nicht nur die bei der JSG aktiven jungen Leute: Ende Juni kamen knapp 60 Vereine aus den Landkreisen Gießen, Marburg, Lahn-Dill und Wetterau auf die beiden Sportplätze nach Garbenteich. Fast 700 Kinder konnten sich zwei Tage lang austoben und die Sieger in den jeweiligen Altersklassen ausspielen. „Turniere dieser Größenordnung sind heute eine echte Rarität“, weiß Simon Pötter. Denn immer mehr Vereine scheuen den Aufwand, der mit so großen Veranstaltungen einhergeht – organisatorisch wie finanziell.

Einfach nur ein Jugend-Fußballturnier zu planen und durchzuführen, reicht den Machern der JSG aber nicht. Bei der JSG muss es ein solches Event ein wichtiges Kriterium erfüllen: den Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglichst positiv in Erinnerung bleiben. Da ist es nur konsequent, dass alle – egal wie sie letztlich abgeschnitten haben – mit einer Medaille oder einem Minipokal nach Hause fahren. „Beim Fußball gibt es nun einmal Sieger und damit zwangsläufig Verlierer. Das können und möchten wir nicht verhindern. Aber weil wir für alle einen kleinen Preis haben, reduzieren wir die Frustration bei denen, die weniger erfolgreich waren. Und schaffen den Anreiz, im nächsten Jahr wieder mitzuspielen. Einfach, weil es Spaß macht und sich niemand ärgern muss“, fasst Simon Pötter zusammen. 

Stichwort nächstes Jahr: Beim Sommerturnier 2024 kommen natürlich auch die neuen Jugendtore zum Einsatz. Sie ermöglichen es, ein weiteres Feld zu nutzen und so noch mehr Mannschaften einzuladen.

 

Noch viel vor

Dank ihres besonderen Ansatzes hat die JSG Hohe Warte – anders als viele andere Vereine – nicht mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Im Gegenteil. Die Zahl der bei der JSG aktiven Kinder und Jugendlichen hat sich innerhalb der ersten beiden Jahre verzweieinhalbfacht. Und das ist erst der Anfang. „Wir wachsen sozusagen mit den Spielerinnen und Spielern“, erklärt Simon Pötter. Denn in spätestens drei Jahren werden die aktuellen C-Jugendlichen in der A-Jugend antreten. Läuft alles wie geplant, hat der Verein dann in jeder Altersstufe mindestens eine Mannschaft am Start. Zumindest bei den Jungs.

Das Team, in dem die Mädchen unter sich kicken, entstand 2022. Zwischen zehn und 15 Jahren alt bilden die rund 17 Spielerinnen eine bunte Truppe, in der alle ihren Spaß haben. Perspektivisch ist geplant, auch im Mädchenbereich Mannschaften in möglichst vielen Altersklassen zu etablieren. Die Chancen dafür stehen gut. Denn nach wie vor kommen zahlreiche Bambinis beiderlei Geschlechts dazu. Die Unterstützung der SWG hilft auf dem Weg dorthin: „Dank der beiden Tore können wir künftig noch mehr Trainingstermine anbieten“, kündigt Simon Pötter an.

 

Die Aktion in Kürze

Mit der Aktion „Spiel’ Dein Spiel“ engagieren sich die SWG schon einige Jahre für Vereine, Institutionen und Gruppen, die Kinder und Jugendliche motivieren, sich zu bewegen und Sport zu treiben. Inzwischen hat das Unternehmen schon 38 Projekte mit Spenden im Rahmen der Aktion unterstützt. Selbstverständlich führen die SWG „Spiel’ Dein Spiel“ auch 2024 weiter.

Mehr Informationen und Bewerbungen:
www.swg-spieldeinspiel.de