Buchtipp: Großes Sommertheater – Frank Goldammer

62
(c) dtv Verlag

Klappentext:

Das Familienroulette:

Einer gibt den Löffel ab!

Der alte, kranke und steinreiche Patriarch Joseph lädt die gesamte Familie in seine Villa an der Ostsee ein. Die Sonne brennt – doch die dicke Luft ist nicht nur der Hitze geschuldet. Josephs Söhne sind seit Jahren zerstritten, die Aussicht auf das Erbe lässt sie aber mit Kind und Kegel anreisen. Da trifft der biedere CDU-Mann Erwin aus Berlin auf den halbseidenen Harald aus Dresden. Uwe, das schwarze Schaf der Familie, hat – unfassbar! – eine attraktive Frau dabei. Die Gästeliste birgt also reichlich Zündstoff, die Stimmung kocht, die Ereignisse spitzen sich zu. Bis es, im wahrsten Sinne des Wortes, knallt.

Rezension:

Frank Goldammer, ist ja alleine wegen Kommissar Max Heller immer wieder ein gern
gesehener Gast auf meinem Blog. Nun nimmt er sich eine halbseidene Familie vor.
Die ganze Bagage trifft sich in der Villa von Familienoberhaupt Joseph an der
Ostsee. Es kristallisieren sich verschiedene Gruppierungen und
Interessenkonflikte heraus.

Da sind zum einen die Söhne von Joseph. Harald, einer der schon im Gefängnis war,
warum und wieso, will ich hier nicht verraten und Erwin, den zweiten Sohn, der
Senator in Berlin ist und Angst hat, dass sein politisches Leben dort bald
vorbei sein könnte. Der dritte im Bunde ist Uwe, ein rechter Harz-IV-Empfänger,
der sich so durch unseren Sozialstaat durchmogelt und gerne Halbwahrheiten über
seine Twitter und Facebook Accounts verbreitet. Er macht andere Menschen
nieder, so dass er sich schon oft neu anmelden musste.

Dazu gibt es dann noch die Frauen und Töchter von Harald und Erwin und deren Kinder.
Um das ganze abzurunden, gibt es noch die Krankenschwester Agnes und die
Freundin von Uwe.

Bei den Kindern liegt das Hauptaugenmerk auf Rocco, dem kleinen Tyrannen, und den
Teenagern Tom und Vanessa. Tom und Vanessa verhalten sich halt wie schüchterne
Teenager und schleichen umeinander rum. Jeder hofft, dass der andere den ersten
Schritt macht.

Rocco ist der verzogene und jüngste in der Familie und der macht halt, was Kleinkinder so
machen. Sie wollen Aufmerksamkeit und meinen das, was sie machen nie böse.
Durch ihn kommt es zu einigen lustigen Situationen.

Ich glaube, man merkt schon, da ist einiges an Zündstoff in der Luft und auch
einiges an rabenschwarzem Humor und politisch sicher nicht immer korrekt. Aber
muss alles immer politisch total korrekt sein? Kennt nicht jeder von uns mindestens
eine Familie, wo man das Gefühl hat, dass es in der Familie bei jeder
Familienfeierlichkeit knallt? Und sicherlich erkennt der eine oder andere sich
teilweise in den Personen des Romans wieder.

Für mich war es überraschend. Mit dieser Art von Roman habe ich bei Frank Goldammer nicht gerechnet. Es zeigte mir wieder einmal, dass in den Autoren sicher das eine oder andere Genre steckt, aber man darf sie nicht generell in eine Schublade stecken und auch die Autoren sollten sich dagegen wehren. Mich hat es sehr gefreut, dass Frank Goldammer mal etwas Neues versucht hat und auch der Verlag ihm den Raum lässt. Auch wir Leser sollten die Schubladen öffnen und auch von bekannten Autoren mal was aus einem anderen Genre lesen und neue Facetten von ihm kennenlernen.

ISBN: 978-3-423-26216-3

Verlag: dtv Verlag

https://literaturlounge.eu