Wolfgang Niedecken von BAP mit Dylan Songs bei LEICA – Kölsche Tön in Mittelhessen

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Es gibt Orte in Mittelhessen, die sind bekannt für besondere kulturelle Highlights. Der Leitz-Park Campus in Wetzlar ist ein solcher Platz. Die Leica-Welt hat sich nicht nur wegen der interessanten Kunstausstellungen und interaktiven Fotografie-Veranstaltungen einen sehr guten Ruf erarbeitet. Auch Ferienprogramme und Specials mit prominenten Künstlern runden das Programm der Leica-Welt ab.

Im letzten Jahr verknüpfte der Police-Gitarrist und Fotograf Andy Summers gekonnt eigene Bilder und Musik miteinander. In diesem Jahr verband die BAP-Ikone Wolfgang Niedecken die Sprache über und die Musik von Bob Dylan hörenswert miteinander. Begleitet wurde er dabei von dem virtuosen Pianisten Mike Herting, dessen abwechslungsreiche Arrangements die vielfältige Musik von Bob Dylan hervorragend untermalte.

Schon seit den musikalischen Anfängen als Bassist und späterer Sänger in seiner Schulband setzt sich der Musiker und Leica-Liebhaber Niedecken immer wieder mit dem vielschichtigen Werk Bob Dylans auseinander. Während des Lockdowns fand er – aus seiner Sicht endlich – die Zeit, ein Buch über seine USA-Reise 2017 zu schreiben. Zusammen mit einem Filmteam von ARTE folgten sie damals den Spuren Bob Dylans quer durch die USA. Aus diesem Buch las Niedecken gekonnt ausgewählte Passagen vor. Zwischen den Anekdoten aus seinem Buch erfreute Niedecken zusammen mit dem Pianisten Herting die Zuschauer mit Bob Dylan-Songs in den beiden musikalischen Weltsprachen Englisch und Kölsch.

Niedecken schaffte es, die Zuschauer von Anfang an in seinen Bann zu reißen. Wieviel ihm die Musik von Bob Dylan bedeutet und wie stark sie ihn geprägt hat, war mit jedem gelesenen Wort, aber auch mit jedem gespielten Ton zu hören. Besonders eindrucksvoll war seine Anekdote um den Song „Knockin’ on Heaven’s Door“, den Bob Dylan 1973 für das Album „Pat Garrett & Billy the Kid“, den Soundtrack des gleichnamigen Films, geschrieben hat. Im Mai 1998 spielte BAP zusammen mit Bob Dylan und der „bekannten Coverband Genesis“ bei Rock am Ring und Rock im Park. Während am Ring ein vorlauter Guns n´ Roses-Fan noch einen schönen Abend mit Bob Dylan verhinderte, fand Niedecken im Park einen einsamen Ort, um für sich alleine den Auftritt Dylans genießen zu können; einen Stuhl vor dem Monitormischpult am rechten Rand der Bühne, nur zehn Meter von seinem Idol entfernt. Die Zuschauer in Wetzlar hatten das Gefühl mit dabei gewesen zu sein.

Dann verwundert es auch nicht, dass beide Künstler nach diversen Zugaben mit Standing Ovations verabschiedet wurden. Sicher haben viele auf der Rückfahrt oder zuhause nochmal eine alte Dylan-Kassette eingelegt. Mein musikalischer Ausklang war das 1970er Album „Cold Fact“ von Rodriguez, den zu Unrecht viel zu unbekannten amerikanischen Singer und Songwriter.