300 m in die Tiefe: Bergaicht-Wasserfall beim Vilsalpsee

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Man findet im Netz auch verschiedentlich 400 m. Man findet auch “Bergacht” oder “Bärgacht” (bekommt wieder aktuellen Bezug: bei Hinterstein im Allgäu wurde letztens ein Bär gesichtet). Damit wird der Talkessel ein Stück hinter dem Vilsalpsee bezeichnet. Von Tannheim aus werden bis zur Vilsalpe am Ende des Sees 75 Minuten Gehminuten angegeben und von der Vilsalpe bis zum Wasserfall weitere 40 Minuten.

Tannheim ist der Hauptort des Tannheimer Tals, an der Grenze vom bayrischen Allgäu zum Tiroler Bezirk Reutte gelegen. Die Bergwelt um das Tal wird gemeinhin zu den Allgäuer Alpen gerechnet. Das Tal ist “beidseitig” geöffnet: im Norden entwässert die Vils in Richtung Pfronten/Füssen, im Süden fällt der Gaichtpaß hinab ins Lechtal bei Weißenbach.

Das Sträßchen von Tannheim  zum Vilsalpsee ist zwischen 8.00 Uhr und 17.00 Uhr in  beiden Richtungen für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Ein Fußweg durch den Wald führt parallel der Straße und ein regelmäßiger Busverkehr sowie ein Bimmelbähnchen sind auch etabliert.

Bimmelbähnchen

Reisegruppe im Vilstal
Das Seerestaurant wird gerade zu einem Hotel umgebaut  

Wir machen uns auf den Fußweg entlang der Ostseite des Vilsalpsees, der vor allem bis zur Mittagssonne einen herrlichen Blick und Fotomotive über den See in Richtung Westen bietet. Je nach Standort spiegeln sich Gaißhorn, Rauhorn, Kugelhorn und die Berge am Schrecksee im Wasser. Streckenweise ist der Weg um den See bis zur Südspitze immer wieder mal gesperrt, wegen Felsstürzen und Hangrutschen, begonnen habend im Jahr 2008. Eine Folge des Klimawandels. Eine vielfältige Flora begleitet uns in diesen Frühsommertagen: Knabenkraut, Trollblumen, Vergißmeinnicht, Löwenzahn u.a.

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Nicht beachtete Sperrschilder und ein Gedenkstein an eine Lawinenkatastrophe säumen den Weg. Inzwischen kommt auch das Rauhorn in voller Pracht zum Vorschein.

Rauhorn hinten rechts
Blick zurück nach Nordost: Der Aggenstein im Hintergrund
Hier steht: Wasserfall “Bergaicht” und nicht “Bergacht”
Felssturz
Lawinenunglück

An der Vilsalpe vorbei, die erst ab 11.00 Uhr die Gastronomie öffnete (mit Vieh war sie jetzt an Pfingsten noch nicht besetzt) führt der Rundweg zum Fuße des Bergaicht-Wasserfalls. Der ihn speisende Bach oberhalb der Felswand ist ziemlich klein, die Wassermassen halten sich in Grenzen. Die Felswand ist auch nicht direkt senkrecht, das Wasser “fließt” über die Wand. Das Schauspiel ist auch ganztägig im Schatten, auch nicht gerade ideal für Fotos. Aber wenn man davor bzw. darunter steht, ein imposanter Anblick. Nachstehend eine Reihe Variationen.

Verblühte Pestwurz

 

der erste Blick auf ihn. Rechts der Kastenkopf.

Unten wird der Wasserfall zu einem sprudelnden Gebirgsbach. Am Wendepunkt des Rundwegs war es einigermaßen schwierig, eine Stelle im Bach zu finden, wo man ihn auf glitschigen Steinen überqueren konnte. Das Erlengebüsch machte zunehmend felsdurchsetztem Wiesengelände Platz, das weitere botanische Raritäten bot.

Löwenzahn drum herum

“Schusternägele”, alias Frühlingsenzian
Habichtskraut, Vergißmeinnicht
klassischer Enzian
Primeln und Gänseblümchen
Blick zum Rauhorn
immer noch “Schneebrücken” über die Bächlein
Stetig rollen und donnern von oben Steinbrocken jeglicher Größe herab.

Vorbei an der Vilsalpe, an der inzwischen reger Betrieb herrscht, geht es am westlichen Ufer den Fahrweg von der Vilsalpe (für öffentlichen Verkehr gesperrt) immer dicht am Wasser entlang an das Nordende des Sees. Vor ein paar Wochen war der Weg an etlichen Stellen noch kniehoch überflutet. Doch jetzt ist er ohne weiteres z.B. für Rollstuhlfahrer zu bewältigen. Ohne jeglichen Höhenunterschied bleibt er immer am Uferrand des Sees. Auf der gegenüberliegenden Seeseite sieht man nun die schon heute morgen erwähnten Berg- und Hangrutsche, darüber die Gipfel von Schochenspitze, Sulzspitze, Lachenspitze u.a. Wieder geht es durch den Wald nach Tannheim, wo uns zum Abschied nochmal das Bimmelbähnchen überholt.

Vilsalpe
Felssturz
Blick zurück am Uferweg
sauberes Wasser
DIE Gastronomie am Nordufer
Wasserfall, von Menschenhand geschaffen – Wildbachverbauung
Das Bimmelbähnchen fährt nach Hause

 

 

 

Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.