Linden ‘verbaut’ sich die Zukunft

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Die Stadt Linden plant schon seit längerem einen großen Wohnkomplex auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Linden. 130 Wohneinheiten sollen dort entstehen. Der Komplex entsteht sehr nah an der Bahnstrecke der Main-Weser-Bahn.
Die Main-Weser-Bahn ist eine wichtige Bahnstrecke mit sehr großer Bedeutung für Linden, Gießen, aber auch Mittelhessen. Und im Fern- und Güterverkehr für ganz Deutschland. Die Auslastung dieser zweigleisigen Strecke ist sehr hoch! Durch den viergleisigen Ausbau von Frankfurt bis Friedberg wird die Strecke noch an Bedeutung gewinnen. Der Bereich zwischen Friedberg und Gießen wird sich zum Nadelöhr entwickeln. Ein weiterer viergleisiger Ausbau bis Gießen wird in der weiteren Zukunft zu erwarten sein.
Der geplante Wohnkomplex am Bahnhof wird diese Entwicklung aber behindern, wenn nicht sogar verhindern. Wie aus dem Architektenplan (Quelle probahn&bus) zu sehen ist, lässt der Bau bis so dicht an die Bestandsgleise in Linden faktisch einen weiteren wichtigen Ausbau der Bahnstrecke nicht zu. Selbst Vorgaben des bestehenden Regionalplans, Platz fur einen Bahnausbau zu lassen, werden nicht erfüllt. Bei einer Erweiterung auf vier Gleise würden wichtige Elemente (Oberleitungsmasten, Signale,…) bereits auf dem Privatgrundstück des neuen Wohnkomplexes stehen. Einen Sicherheitsabstand gäbe es nicht. Und in den Plänen des Architektenbüros sind Bahnsteige garnicht erst vorgesehen.

Dieses wäre eine Katastrophe für den weiter wachsenden Personen- aber auch für den wichtigen Güterverkehr. Hier werden Einzelinteressen ganz klar vor das Gemeinwohl gestellt. Die Stadt Linden würde sich selbst vom Personenverkehr abhängen, da die wenigen verfügbaren freien Trassen in der Regel an schnelle und überregionale Züge vergeben werden. Der für Linden so wichtige Nahverkehr (mit Halten in Großen-Linden) bliebe somit buchstäblich auf der Stecke. Auch in Zeiten des Klimawandels wäre ein Projekt, welches den weiteren infrastukturellen Ausbau des (umweltfreundlichen) Verkehrsmittels Schiene behindert ein ganz falsches Zeichen. Das solche Planungen heutzutage überhaupt noch möglich sind, und auch noch genehmigt werden, stößt bei vielen Bürgern auf absolutes Unverständnis. Und doch hat das Regierungspräsidium den Bau bereits genehmigt.
Das Motto von Linden lautete vor einiger Zeit: Linden lebenswert machen!! Mit diesem Vorhaben wird genau das Gegenteil getan: Für ein völlig kurzsichtig geplantes Projekt wird die Verkehrswende, und damit der Klimaschutz, mit Füßen getreten. Eine Verkehrsverlagerung auf die Schiene wird blockiert. Es wird mehr Verkehr auf die Straße verlagert und mehr klimaschädliche Abgase produziert. Und das unumkehrbar! Ob dieses Projekt noch zu stoppen bzw so zu verändern ist, dass auch die Bahnstrecke in Zukunft genug Platz für eine Erweiterung hat, ist fraglich. Die Stadt Linden hat daran anscheinend kein Interesse. Wird der Bau wie geplant umgesetzt verbaut sich Linden seine Zukunft umweltfreundlichen Verkehrs.