Ausflug der Landfrauen aus Allendorf (Lumda) nach Frankfurt

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Der „Wettergott“ hatte am Ende doch noch ein Einsehen!

Zunächst sah es so aus, als ob unsere Besichtigungstour durch die „Neue Altstadt“ verregnen würde. Die Gästeführerin der ersten Gruppe, Anja Hoffmann, lotste uns unter den berühmten Balkon am Römer, damit wir nicht allzu viel Regen abbekommen sollten. Doch nach kurzer Zeit klarte es auf und wir konnten die Führung trockenen Fußes genießen. Anja verstand es hervorragend, uns die geschichtlichen Gegebenheiten nahezubringen.

Die ursprüngliche Siedlung in der Frankfurter Innenstadt um den Römer herum verlor zum Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. Viele Bewohner zogen weg und Gebäude zerfielen. Diese Wohngegend war wenig attraktiv.

Die fast vollständige Zerstörung dieser sehr dicht bebauten Gegend erfolgte dann im Zweiten Weltkrieg. Am 22. März 1944 fielen ca. 1500 Fachwerkhäuser dem Bombenhagel zum Opfer.

Nach dem Krieg wurden zunächst historisch wichtige Gebäude restauriert, wie etwa das Rathaus der „Römer“ und die Paulskirche.

Die Fachwerkzeile gegenüber des Römer wurde erst in den Jahren 1982 bis 1984 aufgebaut. Anfangs der 2000er Jahre reifte die Überlegung, den unansehnlichen Betonkomplex hinter der Fachwerkzeile, der nach dem Krieg erbaut wurde und als „technisches Rathaus“ diente, durch eine historisch anmutende Bebauung zu ersetzen. So wurden dann nach langer Planung, bei denen zunächst 20 Architekturbüros aus ganz Europa involviert waren, in 7½ Jahren 35 Gebäude errichtet, von denen 15 historisch rekonstruiert wurden. Es entstand so eine moderne Interpretation einer historischen Altstadt, die im Jahr 2018 fertiggestellt wurde.

Die Immobilien wurden zum größten Teil verkauft. Interessierte konnten sich bewerben und wurden teilweise im Losverfahren ausgesucht. Die Stadt Frankfurt ist aber immer noch Besitzer des Baugrundes, so dass Spekulationen nahezu unmöglich sind. Die Stadt machte auch gewisse Auflagen zur Nutzung der Häuser. So sollen die Erdgeschosse öffentlich zugänglich sein und nur Inhaber-geführte Geschäfte einziehen. Filialen von Konzernen und Leuchtreklamen sind nicht erlaubt. Auch haben die Häuser keine Keller, denn darunter befinden sich Tiefgaragen und die Müllsammelstellen.

Besonders zu erwähnen ist das originalgetreu restaurierte „Rote Haus“ im alten Metzgerviertel, das im Besitz der Stadt blieb und in dem heute wieder ein Metzger seine Waren anbietet. Ein anderes Haus „Die goldene Waage“ wurde ursprünglich im Jahr 1619 von einem niederländischen Glaubensflüchtling erbaut. Es ist weitgehend originalgetreu restauriert worden, beherbergt im Erdgeschoss ein Café und im Obergeschoss einen Teil des Robert Stoltze Museums. Zum Schluss machte die Gruppe noch Halt am „Struwwelpetermuseum“, das Interessantes zum Leben und Wirken des Frankfurter Autors Heinrich Hoffmann beinhaltet.

Es war eine sehr kurzweilige und unterhaltsame sowie lehrreiche Darbietung der Geschichte der „Frankfurter Neuen Altstadt“!

Auch die zweite Gruppe war begeistert vom umfassenden Wissen und der dargebotenen Führung durch Herrn Paul Martin Lied. An dieser Stelle sei beiden Gästeführer noch einmal herzlichst gedankt.

Anschließend stand Zeit zur freien Verfügung, die einige Teilnehmerinnen genutzt haben, um im Kaffeehaus Goldene Waage den leckeren Frankfurter Kranz mit Cappuccino zu genießen. Andere haben die Kleinmarkthalle besucht oder sind im Eiscafé hängen geblieben, bevor uns der Bus zur nächsten Station in Sachsenhausen zum Apfelwein Wagner brachte, wo wir unseren Hunger und Durst auf leckeres echt „Hessisches“ stillen konnten.

Froh gelaunt, voller neuer Eindrücke und um einiges Wissen reicher traten wir danach unseren Heimweg an, sicher chauffiert von Busfahrer Wolfgang von PlusBusTours.

Vielen Dank dafür!