Mit Rad und Kinderwagen durch den Graben? ADFC kritisiert Hessen Mobil

293
Wer in Alten-Buseck vom neuen Radweg zum Wohngebiet Am Boxacker will, muss durch den Graben oder trotz Geh- und Radweg auf der stark befahrenen Landstraße laufen. Der Feldweg südlich von Kiloutou wird insbesondere gerne von Familien mit Kindern genutzt, um die stark befahrene und radweglose Landesstraße Rinnerborn zu umfahren.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Gießen vermisst am neuen Radweg zwischen Alten-Buseck und Wieseck sichere Querungsmöglichkeiten.

Als ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer Anfang November zur feierlichen Einweihung des neuen Geh- und Radwegs von Wieseck nach Alten-Buseck pedalierte, verging ihm die Feierlaune. Denn an mehreren Stellen verläuft zwischen Radweg und Fahrbahn ein Graben, wo eigentlich Querungsmöglichkeiten hingehören.
Nach wiederholten Beschwerden des ADFC hat inzwischen auch Hessen Mobil anerkannt, dass sie bei der Planung wichtige Querungen vergessen haben. Ein landwirtschaftliches Grundstück und ein asphaltierter Wirtschaftsweg werden dieser Tage noch nachträglich angebunden werden. Doch kurz vor dem Ortseingang Alten-Buseck stellt sich Hessen Mobil immer noch stur: Der Wirtschaftsweg, der südlich der Firma Kiloutou verläuft und der insbesondere zum Spazierengehen sowie zum Joggen genutzt wird, soll bisher keine Anbindung erhalten. Wer dort zu Fuß oder per Rad unterwegs ist, muss entweder durch den Graben klettern, oder – je nach Richtung – über 50 oder 90 Meter auf der stark befahrenen Landstraße unterwegs sein, um am nächsten Feldweg den Geh- und Radweg zu erreichen. 50 bis 90 Meter hören sich dabei nicht weit an, doch wer mit Kind und Kegel an dieser Stelle schon mal versucht hat zu queren, weiß wie schwer es ist, überhaupt eine Lücke im Kfz-Verkehr zu finden: Auf der Strecke sind laut Hessen Mobil täglich 10.000 Fahrzeuge unterwegs, davon 430 LKWs. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 100 km/h und vor querenden Passanten wird nicht gewarnt.
Für den ADFC Gießen ist es völlig unverständlich, dass Hessen Mobil jetzt noch mal mit Baumaschinen anrückt und an zwei Stellen eine Querung des Grabens herstellen, aber an der dritten Stelle am Ortseingang den Fuß- und Radverkehr im Regen stehen lassen will. Dabei geht es nur darum, ein zwei Meter langes Rohr im Graben zu verlegen und darüber eine Fläche von vielleicht sechs Quadratmetern zu befestigen. Da dieser Tage eh ein Bautrupp vor Ort ist, wäre die Maßnahme eine Kleinigkeit.
Das Land Hessen gibt eigentlich vor, wo Querungen herzustellen sind, denn es hat Hessen Mobil verpflichtet, Straßen nach den aktuellen, bundeseinheitlichen Straßenbaurichtlinien zu bauen. Diese sehen vor, dass „alle Fahrbeziehungen an den Knotenpunkten“ zu gewährleisten sind. Die Vorgabe gilt generell – unabhängig von der Verkehrsbedeutung. Die bisherige Verweigerungshaltung bei Hessen Mobil, sich an die Straßenbauvorgaben zu halten, würde dazu führen, dass Radfahrerinnen und Fußgänger auf der Fahrbahn unterwegs sind, wo Autofahrende sie angesichts des neu gebauten und benutzungspflichtigen Geh- und Radwegs nicht erwarten. Das wiederum kann nicht nur bei Dunkelheit zu schweren Unfällen oder gar Toten führen. Schon heute ist zu erleben, dass querende Personen dort angehupt und angebrüllt werden, wenn sie in dem Abschnitt die Fahrbahn benutzen, weil sie den Radweg nicht erreichen können. Auch das Durchqueren des Grabens ist keine sichere Lösung, denn wer sich darauf konzentriert, wie er durch den Graben kommt, kann nicht gleichzeitig den Verkehr auf der Straße im Blick behalten.
Der ADFC hofft noch auf ein Umdenken bei Hessen Mobil und schließt eine Beschwerde beim hessischen Verkehrsministerium nicht aus, wenn Hessen Mobil weiterhin die Vorgaben des Landes nicht umsetzt und so den Fuß- und Radverkehr gefährdet.

1 Kommentar

  1. Wie hieß es doch bereits 1934: “Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen ungefährdet durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.”

    Radwege werden im Autoland Deutschland immer noch für die Autofahrer gebaut, um die lästigen Radfahrer von der Straße weg zu bekommen. Das wichtigste bei einem Radweg ist immer die Benutzungspflicht – egal wie erbärmlich schmal der Verkehrsweg ist, den sich die Minderbemittelten Fußgänger und Radfahrer teilen müssen.