Mit den Lahnauer Grünen “gitt’s die Bach enabb”

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Gedränge am Lahnuferweg

Bündnis 90/Die Grünen Lahnau hatten am vergangenen Sonntag zu einer Radtour unter Führung der Gewässerökologin Dr. Cornelia Schütz entlang der Lahn eingeladen, zu der sich gut 30 Lahnauer und Lahnauerinnen einfanden. Bürgermeisterkandidat Christian Walendsius gab ein kurzes Grußwort und bekam -unter Hinweis auf den aktuellen Grundwasserstand- die Empfehlung mit auf den Weg, dass keine Flächenversiegelung mehr ohne Entsiegelung an anderer Stelle geschehen solle.

Abfluss- und Überschwemmungsgebiete in der Lahnaue

Erster Halt war der Atzbach, je nach Gewässerabschnitt auch Schwarzbach oder Schwalbenbach genannt. Obwohl die Wasserrahmenrichtlinie schon bis 2015 als Vorgabe hatte, alle Gewässer in den Zustand “gut” zu bringen, ist der Atzbach in einem schlechten Zustand. Indikator dafür sind die Gewässerbewohner, Wasserpflanzen und kleine Fische. In der Probe, die Conny Schütz nahm, fanden sich nur 3 Blutegel. In einem Gewässer in gutem Zustand sollten Kleinstlebewesen wie Flohkrebse, Fliegen- und Mückenlarven zu finden sein.

Lahnauer Gewässer in schlechtem Zustand

Fische gibt es im Atzbach nicht. Für ein Gewässer dieser Größe wäre die Groppe ein typischer Bewohner. Weil sie jedoch keine Schwimmblase wie andere Fische besitzt, sind bereits kleine Schwellen im Bach, wie sie bei einem Rohrdurchlauf bestehen, unüberwindbare und lebensgefährliche Hindernisse.

Dass dies ein grundsätzliches Problem in Fließgewässern jeglicher Größe ist, wurde auch an anderer Stelle deutlich, denn jeder Fisch wandert. Vom Lachs ist das allgemein bekannt: Er schlüpft in Flüssen verbringt sein Leben im Meer und kehrt zum Ablaichen an seine Geburtsstätte zurück. Aber nur wenige wissen, dass die Kinderstube der Aale in der Tiefsee vor Mexiko ist. Von dort ziehen sie mit dem Golfstrom bis nach Mitteleuropa auch in unsere Flüsse.

Der Fischzug ist letztlich elementar für Leben und Fortpflanzung aller Fische. Umso erschreckender, dass nur wenige der sogenannten „Fischtreppen“ wirklich ihren Zweck erfüllen. Im Verlauf der Lahn gibt es davon keine. Der Status der Lahn als Bundeswasserstraße, die durch Schleusen und Wehre schiffbar wurde und der Betrieb von Wasserkraftwerken, sind die fragwürdigen Konkurrenten. Denn häufig fließt zu wenig Wasser durch die Fischtreppen oder sie befinden sich an falscher Stelle. Die Fische nehmen die Strömung der vorgesehenen Passierstelle dann nicht wahr und schwimmen stattdessen in eine Sackgasse.

Vor 40 Jahren war auch der Storch aus Hessen verschwunden. Dank des idealen Lebensraums in der Lahnaue und einiger “Wohnungsangebote”, die offeriert wurden, ist er nun wieder fester Bestandteil der Lahnauer Tierwelt geworden. Hessenweit war 2020 ein Bestand von 1075 Brutpaaren zu verzeichnen. Wie aufs Stichwort ließ sich bei unserem Stopp auch ein Storchenpaar im Atzbacher Netz nieder.

Und sogar der Biber ist wieder da nachdem er 1864 bereits ausgerottet war. Seine Fähigkeiten als Baumfäller zeigt er nun schon seit 2018 wieder an der Lahn. Kurz erweckte ein auffälliger Schwimmer in der Lahn bei den Beteiligten die Erwartung, dass – wie zuvor der Storch – auch der Biber auf eine Stippvisite vorbei kommt. Das bestätigte sich jedoch nicht – es war ein Nutria, dass sich den Beobachtern präsentierte. Den nachtaktiven Biber bekommt man nur selten zu sehen.

Der fachliche Hintergrund kommt nicht zu kurz

Letzte Station der kleinen Radtour war die Einleitung der aufbereiteten Abwässer aus der Kläranlage in die Lahn. Hierzu war zu hören, dass die drei vorhandenen Klärstufen grundsätzlich ihre Dienste tun. Um auch verbliebene chemische Stoffe und Mikroplastik, die unter anderem durch Kosmetika, Medikamente und Funktionsbekleidung ins Abwasser gelangen, wieder herausfiltern zu können, sollte die Investition in eine vierte Klärstufe in Betracht gezogen werden.

Darüber hinaus gibt es -wie so oft- auch hier einfache aber wirkungsvolle Maßnahmen, die hohen Konzentrationen in Abwässern gar nicht erst entstehen zu lassen: indem jeder bei sich anfängt und Duft- und Zusatzstoffe, Plastik, Medikamente und Reinigungsmittel auf ein Minimum reduziert.

Ganz nebenbei wurde von den Teilnehmenden während der interessanten Veranstaltung ein Müllsack mit allerlei herumliegendem Unrat gut gefüllt, der nun der sachgemäßen Entsorgung zugeführt wird.