Zweiter „historischer“ Grenzgang in östlicher Gemarkungsrichtung war ein voller Erfolg

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Grenzstein GH, auf der Rückseite ist die Markierung KP

Der Heimat- &

Geschichtsverein Niederkleen e.V. berichtet:

Am Treffpunkt, dem Niederkleener Backhaus fanden sich 38 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein.

Hanni Langen-Röhrich gab eine kurze interessante Einführung über die Geschichte der letzten 200 Jahre  der Cleener Gemarkung und von unserem Dorf.

Beginnend am Nernschen Hof in der Burgstraße 30, einer ehemaligen Zollstation, setzte sich der große Dross Richtung Schneiderberg zur Kronewirtschen Hofreite, einer früheren Gastwirtschaft, in Bewegung. Dies war damals eine  Schmugglerwirtschaft mit zwei großen Hoftoren. (Sehr praktisch, kam die Polizei hinein, suchten die Schmuggler durch das zweite Tor das Weite).

Die Wanderung ging dann in östlicher Richtung an der Gemarkungsgrenze weiter Richtung Sportplatz ins Osterfeld, später dann über die Langgönser Straße Richtung Steinbruch und dort am Waldrand zurück.

Der Heimat- und Geschichtsverein konnte Gerd Mathes, ein sehr fachkundiger Experte für Kleindenkmale bzw. historische Grenzsteine gewinnen, der anschaulich und mit viel Fachwissen gespickt, sehr lebendig die Grenzwanderung gestaltete. Der ein oder andere Witz lockerte auf und so kam neben der Geschichte, der Spaß nicht zu kurz.
Gerd Mathes, ein Vermessungsingenieur, u.a. ein Grenzsteinobmann für den südlichen Lahn-Dill-Kreis, ist auch Verfasser eines Heftes der hessischen Landeszentrale für politische Bildung mit dem Titel: „Kleindenkmale schreiben Geschichte“.

Ein kleiner geschichtlicher Rückblick:

Unseren Vorfahren war es sehr wichtig zu wissen, wo sich die Grenzen der Gemarkung befanden.

Zu einer Zeit, als es noch keine Katasterkarten gab, wurden die Lage der Grenzsteine und der Verlauf der Grenzlinie, einmal jährlich beim sogenannten Grenzumgang abgegangen und kontrolliert. Diese regelmäßigen Visitationen dienten nicht nur der Kontrolle, sondern waren auch wichtig zum Kennenlernen und zur Einprägung für die nachfolgende Generation. Deshalb zog man neben den Gemeinderäten auch die Dorfjugend mit hinzu. Die Verantwortung trug ein vereidigter Gemeindebeamte, den man „Untergänger“ oder „Feldmesser“ nannte.

Die erste Landesvermessung begann 1818 in Württemberg und mündete in der Erstellung eines Katasterbuchs.

Trotz der nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 basierenden Landaufteilung zum Königreich Preußen (KP: Niederkleen, Oberkleen, Ebersgöns und Dornholzhausen zählen dazu) sind Not und Elend auf beiden Seiten des Grenzverlaufs  gleich groß.Überliefert steht KP für kleine Portionen und GH für großen Hunger. (Großherzugtum Hessen, d.h. in Langgöns, Kirchgöns, Pohlgöns „gabs naut“)

Der jährliche Grenzumgang war bei uns früher allgemein üblich und verschwand dann nach und nach, übrig geblieben ist eine eher feucht fröhliche Wirtshaustour.

Apropro feucht fröhlich,

damit es bei der Tour unterwegs nicht so trocken war, sorgten Mathias Höringer, Maja Körner und Doris Müller-Heinz mit Köstlichkeiten aus Ihren Rucksäcken zusätzlich für gute Laune.

Ein kleiner Imbiss mit Kaffee und Glühwein rundete den gelungenen Nachmittag ab.

„Oarg schie“ wars.