Minikreuzfahrt mit der “Frans Suell”

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Der Schiffsname wird heutzutage wohl kaum jemand etwas sagen. Es ist ein Griff zurück zu den ersten 1990-er-Jahren. Ende der 80-er nahm der Fähr- und Güterverkehr zwischen Skandinavien und Deutschland immer mehr zu. Immer neue Firmen wurden gegründet und neue Schiffe in Betrieb genommen. So bestellte auch die Reederei Euroway bei einer kroatischen Werft die “Frans Suell”. Benannt nach einem Geschäftsmann, der in Malmö 1744 geboren wurde und dafür sorgte, dass auch Schweden seinen Anteil an der Ausbeutung der Kolonien bekam. Insbesonders im Tabakhandel war er aktiv. Das Schiff sollte im Fährverkehr zwischen Lübeck und Travemünde und Malmö eingesetzt werden

Die “Frans Suell” wurde während des Baus infolge des Jugoslawienkriegs durch Beschuss mehrfach beschädigt, aber letztlich doch fertiggestellt. Bei den ersten  Planungen war natürlich noch nicht abzusehen,  dass im Zuge der “Wende” z.B. der Hafen Rostock aufblühte, der eine sehr viel kürzere Verbindung nach Malmö bot. Dennoch nahm Euroway den Verkehr von Travemünde bzw. auch direkt ab Lübeck nach Malmö auf.

Im Jahr 1992 fotografierte ich die “Frans Suell” nur mit der Beschriftung “Euroway” in  Travemünde:

In 1993 fusionierte Euroway mit Silja Line, da sich die Geschäfte nicht erwartungsgemäß entwickelten. Da wurde auch im Rahmen einer Werbekampagne in schleswig-holsteinischen Zeitungen ein Wochenendtrip von Travemünde nach Malmö und zurück in einem Preisausschreiben offeriert, wobei ein Begleitperson 50,oo DM zu zahlen hatte. Und so startete ich mit meinem 15-jährigen Sprößling an einem Samstagmittag in Travemünde.

Wir passierten die Kreidefelsen der dänischen Insel Moen, hatten auch mal  Gegenverkehr, und dann ging es durch den Öresund (die Öresundbrücke wurde erst 2000 in Betrieb genommen.Sie verbindet Kopenhagen und Malmö). Zwischen beiden Städten verkehrten seinerzeit im Linienverkehr auch Luftkissenboote mit hoher Geschwindigkeit.

Am frühen Abend machte die “Frans Suell” im Hafen von Malmö fest. Wie auf dem Bild zu sehen – nunmehr, 1993 mit der Aufschrift “Silja Line”. Ein ausgiebiger Stadtbummel füllte den Abend aus. Malmö bietet ein interessantes Gemisch aus alten historischen Bauten, viel Jugendstil und originelle moderne Gebäude. An Skulpturen findet man eine Doublette der auch in New York vor der UNO stehenden Plastik der “verknoteten” Pistole, eine berittene König-Karl-Gustav Statue und eben ein Denkmal unseres Frans Suell.

Ich glaube, so gegen 23.00 Uhr startete die “Frans Suell” wieder Richtung Lübeck. Die nächtliche Fahrt war kein wahrer Genuss, die brummenden und vibrierenden Motoren muß man wohl erst gewöhnt sein. Etwa um sechs oder sieben Uhr warenb wir wieder in Travemünde.

Von 1994 bis 1997 fuhr die “Frans Suell” dann als “Silja Scandinavia” zwischen Stockholm und Turku und seither als “Gabriella” der Viking Line zwischen Stockholm und Helsinki.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei den Gebäudeabbildungen von Malmö zwei bis drei seitenverkehrt sind. Ich konnte das bei meinen alten Dias nicht mehr genau feststellen.

 

 

Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.