Winterfreuden anno dazumal – Umweltprobleme kannte man nicht

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Aus dem Familienalbum scannte ich nachstehende Fotos aus der Zeit von 1933 bis 1943. Wintersport in den deutschen Alpen war seinerzeit außer wohlhabenden Kreisen nur denen vergönnt, die im Einzugsbereich der Eisenbahn für einen Tag oder ein Wochenende wohnten.

Man warf sich z.B. in Kempten frühmorgens in volle Montur, hängte den Rucksack um und marschierte mit Skiern und Stöcken auf der Schulter (Helme brauchte man noch nicht) zum Bahnhof, um nach Füssen, Pfronten, Immenstadt, Oberstdorf oder Oberstaufen zu fahren. Von da gings dann wieder mit allem drum und dran aus den Orten in Richtung des gewählten Ziels. Lifte gab es weit und breit nicht (obwohl der erste bereits 1908 im Schwarzwald in Betrieb genommen wurde) und die Seilbahnen waren rar (die Nebelhornbahn wurde 1928 bis 1930 gebaut) und unerschwinglich.

So zog man, wenn es dann richtig bergauf ging, die Steigfelle auf die Skier, damals noch echte Seehundfelle. Die langen Haare ermöglichten es, die Skier leicht nach vorne zu ziehen, verhinderten aber ein Zurückrutschen. Auf den viel begangenen Routen hatte man dann meistens auch das Glück, daß schon andere vorher eine Trasse “gespurt” hatten und man sich nicht durch tiefen Neuschnee quälen mußte.

Zwei und mehrtägige Touren ermöglichte man sich, indem man sich einem Verein oder einer Clique anschloß, die über den Winter eine Alm/Alpe mietete. das erforderte allerdings, daß im September/Oktober, wenn das Vieh abgezogen war, genügend Brennholz für den Winter eingefahren wurde.

Die folgenden Fotos entstanden überwiegend am Grünten im Allgäu und der dortigen Alpe Kammeregg. Diese wurde seinerzeit winters immer von (ehemaligen) Mitgliedern der Kemptener “Naturfreunde” (die 1933 von den Nazis verboten wurden) gemietet.

mein Vater im Winter 1935/36 am “Roten Kopf” bei Immenstadt
der felsige Gipfelblock des Grünten hindertam Gebrauch von Skiern. In der Mitte hinten das Grüntendenkmal der Gebirgsjäger.
im Bärgündle bei Hinterstein
die seinerzeitige Ausrüstung
hoffentlich geht alles gut!
bei der Alpe Kammeregg
Abschwung!
ein Telemarkschwung
Stockeinsatz
Ob das geplant war?
Nochmal Stockeinsatz
Fasching auf Skiern
Spezielle Skimode gabs auch schon. Links meine Mutter.
Holzmachen im September mit Musikunterstützung
Weihnachten auf der Kammeregg
Gehts jetzt los oder wars das?
Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.