Vogelsberg zeigt sich “erneuerbar”

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Vor zwei Monaten war ich mit dem Auto unterwegs von Poppenhausen in der Rhön nach Gießen. Wie schon öfter, benutzte ich nicht die Autobahn, sondern irgendeine “Genussroute” quer durch den Vogelsberg. Diesmal nicht über Grebenhain und den Hoherodskopf/Taufstein, aber keinen Kilometer dran vorbei. Ich meine, das Foto entstand in der Nähe von Rebgeshain. Aber ich war durch diverse Straßensperrungen und Umleitungen dermaßen abgelenkt, daß ich hinterher nicht mehr genau wußte, wo ich eigentlich gefahren war.

Auf jeden Fall tat sich irgendwann der fotografierte Blick auf. Mein früherer Kunsterziehungslehrer vertrat ja die These, wenn etwas technisch-naturwissenschaftlich perfekt konstruiert ist, kann es die Landschaft eigentlich nicht verschandeln. Dabei hatte er Strassen, Brücken etc. im Auge. Diese These kam mir auch hier in den Sinn. Eigentlich ist das ein sehr ästhetisches Bild. Die drei Windräder in der Bildmitte bilden einen interessanten Kontrapunkt zur Kreuzigungsgruppe auf dem Kreuzberg in der Rhön.

In bzw. auf der erdgeschichtlichen Schwester zum Vogelsberg, ebenfalls vulkanischen Ursprungs, der Rhön, sieht man weit und breit keine Windräder, wie der obige Blick von Himmelsdunkberg/Hohe Hölle, direkt auf der hessisch/bayrischen Grenze, in Richtung Wasserkuppe und Heidelstein zeigt. Es gibt zwar auf der Wasserkuppe noch die historischen Reste der früheren “Guck- und Horch”-Anlage der US-Streitkräfte und -Geheimdienste und auf dem Heidelstein den riesigen Sendemast der Telekom (wie auch einen nahezu identischen auf dem Kreuzberg), aber Windräder sieht man ganz selten.

Das mag auch daran liegen, dass die Rhön im Grenzbereich von drei Bundesländern liegt, von denen womöglich jedes andere Regeln und Gesetze hat (man denke an die bayrische 10-H-Regelung für Windräder), und dass die Rhön über weite Strecken Landschaftsschutz- und/oder Naturschutzgebiet oder Biosphärenreservat ist.

Jedenfalls kann ich mich mit Windrädern auf den Berggipfeln im Allgäu noch nicht anfreunden.

 

 

 

 

Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.