Dialog Direkt – regelmäßige Sprechstunden mit dem Bürgermeister?

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Bild: Joseph Gruber, Thomas Benz, Herbert Schmidt, und Kurt Weber

Kommunale Bürgerbeteiligung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Beteiligungs- und Gestaltungswünsche der Bürger*innen nehmen zu. Auch in Allendorf (Lumda) gibt es vielerorts ein Konsens darüber, dass ein »Weiter so« nicht ausreicht.

Im Jahr 2017 hat Bürgermeister Benz in Nordeck und Climbach seine ersten Bürger-Sprechstunden abgehalten. Seit Beginn seiner Amtszeit hat der Bürgermeister insgesamt neun Bürgersprechstunden in den Stadtteilen abgehalten.

Die Kommunikationsaktivitäten von Benz haben sich den letzten Wochen gesteigert. Ob in den Allendorfer Mitteilungen oder in den sozialen Medien versucht er sein Tun den Bürger*Innen nahezubringen.

Dies ist positiv zu bewerten, jedoch muss man sich die Frage stellen, warum erst jetzt? Es wäre sicherlich für alle Bürger*innen hilfreich gewesen, wenn Benz so klar und konsequent in der Vergangenheit von seiner Arbeit aus dem Rathaus berichtet hätte.

In der Bürgersprechstunde in Nordeck wurden teilweise vertrauliche Gespräche mit einzelnen Bürgern geführt.

Nach Beendigung dieser Gespräche war der Friedhof Nordeck ein Thema. Weiterhin wurden auf die Säuberung verschiedener Wiesengrundstücke hingewiesen.

Auch andere Themenbereiche wurden erörtert, die Gespräche fanden in einer angenehmen und gelösten Stimmung statt. Bürgermeister Benz betonte, dass sich die Bürger*innen bei Problemen auch direkt bei ihm melden können.

Zusammenfassend war  diese Bürgersprechstunde in Nordeck für den Bürgermeister und die Bürger sehr informativ.

Bürgersprechstunde, Climbach 10.08.2022

Bei der Bürgersprechstunde in Climbach hatten die Bürger*innen zahlreiche Kritikpunkte und Fragen an den Verwaltungschef.

Können neue Tore für den Sportplatz angeschafft werden? Wann werden die defekten Straßenlaternen ausgetauscht? Weiterhin wurden die Reparaturarbeiten der Straßen durch der Firma Kutter angesprochen.

Erörtert wurde auch der Rückbau des Kies Fundaments der Wohncontainer auf dem Sportplatz. Nach Ausführungen des BGM wurde der vorhandene Kies unbürokratisch verschiedenen Interessenten zur Verfügung gestellt. Der gesamte Rückbau habe die Stadt ca. 30.000 Euro gekostet, erklärte Benz.

Die Breitbandversorgung von Climbach mit Glasfaser war ein weiteres Thema, welches konträr diskutiert wurde. Benz erklärte, am 27.09.2022 würden zwei weitere Anbieter ihr Konzept in der Stadtverordnetenversammlung vorstellen. Die Firma Goetel handele keinesfalls im Auftrag der Stadt. Sollten die betroffene Bürger*innen diesbezüglich Fragen haben, könnten sie ihn unbürokratisch kontaktieren.

Eine Bürgerin erklärte, aus ihrer Sicht werden die meisten Gelder und Zuschüsse in der Kernstadt ausgegeben. Als Beispiel nannte sie die Sanierung des Nouvion Platzes.

Weiterhin führte sie aus, dass in Ebsdorf alles besser geplant und gehandhabt werde, Zitat: „Leidenhofen zu Allendorf (Lumda) ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“. Diesbezüglich sieht sie noch großen Verbesserungsbedarf in der Verwaltung.

Nach welchen Kriterien die Straßensanierung in Climbach durchgeführt wird, wollten einige Teilnehmer ebenfalls vom Bürgermeister wissen.

Die Arbeiten des Bauhofs wurden stark kritisiert, die Mitarbeiter kämen teilweise erst zur Mittagszeit, um Mäharbeiten oder Gießarbeiten durchzuführen. Wenn die Bürger*innen auf verschiedene Missständen hinweisen würden, wäre die lapidare Antwort, dafür habe ich keinen Auftrag. Auch die Vergabe von Mäh- oder sonstigen Arbeiten durch Fremdfirmen wurden diskutiert.

Benz führte aus, dass durch Krankheit und Urlaub oder sonstige Ereignisse zeitweise nur zwei Bauhof-Mitarbeiter für die Bewältigung der laufenden Arbeiten zur Verfügung stünden.

Ein Bürger berichtetet dagegen, dass die Bauhofmitarbeiter bereits morgens um 7.00 Uhr aktiv wären. Als Beispiel wurden von ihm der Wassermeister und der Bauhofs-Leiter erwähnt. Auch die andere Mitarbeiter des Bauhofs würden ihre Aufträge termingerecht erledigen.

Nach seinen Ausführungen sollten die Bürger*innen bedenken, dass die Arbeitszeiten des Bauhofs sich von morgens 7.00 Uhr, bis nachmittags 16.00 Uhr erstrecken.

Aus seiner Sicht arbeiten alle Mitarbeiter des Bauhofs routiniert und zuverlässig, leider können das die meisten Bürger*innen nicht verifizieren, da die Bauhofmitarbeiter täglich mit wechselnden Baustellen betraut sind, dass es dabei auch zu Fehlinterpretationen kommen kann, liegt in der Natur der Sache.

Um zukünftig Verbesserungen herbeizuführen, sei eine Kapazitätsplanung für den Bauhof erforderlich, demzufolge könnten die Arbeitsabläufe besser geplant werden. Bei erhöhtem Arbeitsaufkommen könnten routinierte wiederkehrende Arbeiten ausgelagert werden und an Fremdfirmen vergeben werden.

Ortsvorsteher Schäfer führte aus: Der Jugendtreff in Climbach (Jugendraum) wurde von engagierten Jugendlichen gesäubert gestrichen und nach ihren Vorstellung eingerichtet.

Der Ortsbeirat und der Jugendpfleger Klaus Dieter Gröger werden zukünftig den Jugendlichen bei Bedarf weitere Unterstützung zukommen lassen.

Die Energieversorgung, der Forstgarten, Friedhof und weitere Themen wurden ebenfalls diskutiert, gegen 19.15 Uhr wurde die Bürgersprechstunde beendet.

Anmerkungen des Autors:

Gerade in einer sich immer schneller drehenden und mehr anonymisierenden Welt muss man auch mal Danke sagen können. Danke an das Team der Gaststätte Bürgerhaus Climbach für die schnelle und freundliche Bewirtung anlässlich der Bürgersprechstunde.

Die Bürger-Sprechstunde war sicherlich für alle Beteiligten informativ. Denn klar ist: Der „Draht“ zwischen den Bürger*innen und Verwaltung muss stimmen. Nur dann können sie tatsächlich Hand in Hand wirken. Wenn die Bürger*innen mit den Antworten der Verwaltung zufrieden sind, brauchen sie keine weitere E-Mails oder Briefe zu ihrem Anliegen an die Stadtverwaltung zu schicken. Auch Rückfragen per Anruf sind dann nicht nötig.

Der Aufwand ist somit für beide Seiten eine Win-win- Situation. Daher braucht es zukünftig eine gute, bürgernahe Kommunikation, die leider in den letzten Jahren so gut wie nicht stattgefunden hat.