Grundwasserspiegel darf nicht sinken

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Ein leitender Mitarbeiter der OVAG erläutert die Entwicklung des Grundwasserpegel im Verlauf der letzten Jahrzehnte
Auf dem Bild (v.l.): OVAG Vorstandsvorsitzender Joachim Arnold, MdL Katrin Schleenbecker, Thomas Feuerstein, Sachgebietsleiter Instandhaltung und der Grünen Stadtverordnete Frank Bernshausen. (Foto: Grüne Hungen / Gerhard Weissler)

MdL Katrin Schleenbecker und OVAG Vorstand trafen sich zu Lagebesprechung

Auf ihrer Sommertour durch Gemeinden im Landkreis Gießen, besuchte Katrin Schleenbecker, Mitglied der Grünen-Fraktion im Hessischen Landtag, gemeinsam mit Frank Bernshausen, Stadtverordneter in Hungen, den Standort Inheiden des OVAG-Geschäftsbereichs Wasser. Im Gespräch kam OVAG-Vorstand Joachim Arnold schnell auf den Punkt: Die Grundwasserneubildung reiche seit Beginn der Dürrejahre – also seit 2018 – nicht mehr aus, um die derzeitige Wasserentnahme nachhaltig aufrecht zu erhalten. Gefordert seien hier die Kommunen, die die Endkunden beliefern. Sie könnten nicht nur das von der OVAG konzipierte Konzept der Wasserampel übernehmen, um ihren Einwohnern zu signalisieren, wenn Wassersparen angezeigt ist. Sie könnten auch Staffelpreise einführen, um überdurchschnittliche Verbräuche für die Kunden sichtbar zu machen.  Beeindruckend sein das Beispiel des Hungener Stadtteils Inheiden. Dort führte seinerzeit die Einführung von Abwassergebühren praktisch zu einer Halbierung des Wasserverbrauchs.

Frank Bernshausen wies auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, Niederschlagswasser in der Fläche zu halten, damit es dort versickern kann. Dazu könnten z.B. andere Formen der Waldbewirtschaftung beitragen. Die von Harvester-Maschinen verursachten tiefen Rinnen verwandeln sich bei starken Niederschlägen zu Bergbächen, die die Wälder entwässern. Das ist nicht nur schlecht für das Bodenklima im Wald sondern eben auch für den Grundwasserpegel. In den lehmigen Böden am Fuß des Vogelsbergs braucht das Niederschlagswasser viel mehr Zeit um zu versickern. Darüber hinaus sollten ausgewählte Flächen in Bachauen wieder versumpfen dürfen, die dann natürlich nur noch für spezielle landwirtschaftliche Nutzungsformen zu Verfügung stehen. Beispielhaft sei hier das Mähried bei Hof Grass zu nennen.

Arnold wies darauf hin, dass derzeit Untersuchungen laufen, um Perspektiven für eine nachhaltige Wasserentnahme bis 2050 zu entwickeln. Katrin Schleenbecker wollte wissen, ob darin auch bereits Konzepte wie das der Schwammstadt vorgesehen seien. Grundsätzlich sei das Konzept ein guter Ansatz, versicherte Arnold. Bei der Umsetzung sollten in Neubaugebieten große Zisternen zur Versorgung ganzer Viertel mit Brauchwasser angelegt werden. Das sei wesentlich effektiver, leichter zu warten und kostengünstiger, als individuelle Lösungen. Einig war man sich dabei, dass die Umsetzung solcher Konzepte mit Anschlusszwang vor Ort immer auf eine Vielzahl von Bedenkenträgern stoßen werde. Bewusstseinsbildung sei ein langer Prozess. Heute komme für die meisten Bürger das Wasser eben noch immer einfach aus dem Wasserhahn, so wie früher einmal der Strom einfach aus der Steckdose kam, kommentierte Arnold. Frau Schleenbecker bedankte sich für die vielen Informationen und Anregungen – auch dafür, dass OVAG-Vorstand Arnold sich bereit erklärte gerne den Buhmann zu spielen, wenn es in den Kommunalparlamenten mal wieder Probleme mit der Verabschiedung neuer Gebührenordnungen gebe. Sich dafür einzusetzen, dass der Grundwasserspiegel dauerhaft auf einem stabilen Niveau bleibt und die notwendigen Maßnahmen in den entsprechenden Gremien zu unterstützen, war Konsens des Treffens.

1 Kommentar

  1. Lieber Artikeleinsteller

    Soll Ihr Satz (….) “Bewusstseinsbildung sei ein langer Prozess.” (….) ernst gemeint sein?

    Seit über 30 Jahre kämpft der Vogelsberg gegen die Wasserabpumperei der Frankfurter.

    Wahrlich ein “langer Prozess”! Und mit welchem Erfolg? Die abgepumpten Mengen an Trinkwasser wurden immer größer.

    Und was hat die hier beworbene Partei in der Stadt Frankfurt bzw. im Land (dort sind sie ja seit Jahren mit am Gulaschtopf der Macht!) gegen diesen ökologischen Wahnsinn gemacht?

    So gut wie nix!!

    Und jetzt kommt so eine “Oberschlaue” von einer ehemals kämperischen Partei (seid vielen Jahren im Establishment angekommen …) und redet mit der Speerspitze der Abwasserpumper (der OVAG) anstatt diesem …… Feuer “unter dem Arsch” zu machen.

    Und im Kapitalismus sind diese selbsternannten Ökologen auch angekommen. Die Frau redet allen Ernstes davon, dass der Bürger die Zeche zahlen sollen. Oder wie ist der Satz (….) ” … dort führte seinerzeit die Einführung von Abwassergebühren praktisch zu einer Halbierung des Wasserverbrauchs” (…..) anders zu lesen?

    Diese Frau soll einmal ein Anfängerseminar an einer Wirtschaftsfakulität einer Universität besuchen. Vielleicht würde sie dann verstehen, dass nicht das letzte Glied in einer Kette entscheident ist, sondern das Erste. D.h. solange die willfährigen Teile des Establisment den Kapitalisten (hauptsächlich in den Ballungsräumen) zu billigsten Preise die Infrastruktur zum Geldscheffeln hinstellen (hier das kostbare Trinkwasser) wird sich außer ein paar kosmetische Übertünchungen (siehe oben – “Wasserampel”) Nichts ändern.

    War dies Frau eigentlich auch in Ulrichstein und hat mit dem dortigen Bürgermeister gesprochen.
    Wahrscheinlich nicht, denn da hätte jemand klipp und klar gesagt, was in Mark und Pfennig der Wasserraub eine Kommune kostet.

    Ich habe ein Vierteljahrhundert im Vogelsberg gelebt. Der Vogelsberger ist ein ruhiger Vertreter. Aber irgendwann ist auch dessen Geduld erschöpft. Dann – wenn er nur noch Wasser aus dem Tankwagen erhält – wird er mit Taktor, Frau und Kinder nach Frankfurt und Wiesbaden aufbrechen.

    In diesem Moment möchte ich nicht in Ihrer Haut, Frau Schleenbecker stecken.