Erste Hilfe beim Vogelküken!!!

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Wir haben euch ja bereits im ersten Teil die Erstversorgung für Vogelkinder erklärt, hier nun unser zweiter Teil, die Aufzucht eines Nestlings am Beispiel von Spatzen. Da es doch sehr umfangreich ist wird es noch einen dritten Teil geben.
🪹 Spatzen kommen nackt auf die Welt und verbringen die ersten zwei Wochen ausschließlich im Nest. Dort wachsen sie täglich enorm und machen täglich große Fortschritte, bis sie im Alter von ungefähr zwei Wochen bereits fliegen können und dann das Nest verlassen. Sie werden dann zwar noch von den Eltern weiter versorgt, bis sie sich vollständig selbst versorgen können aber können zu diesem Zeitpunkt eigentlich alles, was ein Spatz können muss.
⚠️ Bis es allerdings so weit ist warten viele Gefahren auf die kleinen Vögelchen. Sollten sie aus dem Nest fallen oder geworfen werden dann haben sie ohne menschliche Hilfe keine Chance zu überleben. Wir möchten euch einen kleinen Einblick in die Aufzucht geben, wenn ihr selbst einen Vogel groß ziehen wollt dann nehmt euch bitte einen erfahrenen Ansprechpartner zur Seite denn man kann enorm viel falsch machen was den Vogel letztlich dann doch sein Leben kosten kann.
🪺 Eine Rückführung sollte immer die erste Wahl sein denn keiner kann so gut Amme spielen wie die Mama selbst.
Doch es gibt vielerlei Gründe, warum Küken aus dem Nest fallen: Hitzestau, Parasiten, Krankheiten, zu wenig Nahrung…
💡 Ein unbefiedertes Küken braucht immer Hilfe und darauf gehen wir nun ein.
Die allererste Maßnahme ist das Wärmen denn Küken können, genau wie frisch geborene Säuger, ihre Temperatur noch nicht selbst halten. In der Natur sitzt die Mama die erste Woche kontinuierlich auf den Küken, dies verursacht nicht nur hohe Wärme sondern auch Luftfeuchtigkeit, die ua. zum gesunden Federwachstum nötig ist.
Deshalb müssen wir das Kleine in unserer Hand wärmen, bis wir einen Inkubator nachgebaut haben. Dieser besteht aus einem Nestchen, in den das Kleine gerade und eng gesetzt wird (man kann dafür einfach aus einer Wollsocke oder einem kleinen Handtuch ein Nest rollen und dies in eine kleine Plastikschüssel legen), darunter eine Wärmequelle (Snuggle Pad, Wärmflasche, Reptilienunterlage etc.) und ein nasser Lappen, der neben das Nest aber mit auf die Wärmequelle gelegt wird um durch Verdunstung eine hohe Luftfeuchtigkeit herzustellen. Die Temperatur dieses Nestchen sollte anfangs 38 Grad betragen und muss konstant gehalten werden, auch nachts. Wenn das Küken Federn bekommt darf die Temperatur langsam nach unten reguliert werden. Eine Infrarotlampe ist nicht geeignet da sie das Küken austrocknet! Erst wenn der Inkubator nun warm genug ist, darf das Küken herein gesetzt werden und das Wichtigste ist geschafft.
🪱 Nun geht es an die Fütterung. Auch wenn erwachsene Spatzen Körnerfresser sind ernähren sich ihre Küken ausschließlich mit Insekten. Geeignet sind Stubenfliegen und andere Insekten, die nicht gepanzert sind, schillernde, Warnwarben haben oder einen Stachel haben. Motten müssen vorher die Flügel entfernt werden. Alle Insekten müssen stets frisch sein oder eingefroren werden um sie bei Bedarf auftauen und füttern zu können. Wiesenplankton ist ebenso geeignet, einfach mit einem Kescher die blühenden Wiesen abpflügen, darin verfangen sich jede Menge kleine, geeignete Insekten. Auch Grashüpfer sind toll.
Auf Dauer wird dieses sammeln sehr aufwendig werden, im Handel gibt es aber geeignete Futterinsekten zu kaufen.
Für Spatzen gut geeignet : kleine und mittlere Heimchen, Pinkies, Buffalos, Wachsmottenlarven, Drohnenbrut, Fliegen. Keinesfalls dürfen lebende Maden verfüttert werden, die können das Küken von innen auffressen. Auch Regenwürmer etc sind oft voller Parasiten und schwächen den kleinen Vogel zusätzlich. Die Nahrung sollte zu etwa 70% aus Heimchen bestehen, den Rest aufgefüllt mit den anderen Insektenarten
Je umfangreicher die Fütterung umso besser.
Nun muss anfangs jede 20-30 Minuten gefüttert werden, dazu nimmt man das Insekt auf eine stumpfe Pinzette, die man so tief in den Schnabel führt bis der Schluckreflex ausgelöst wird. Solange der Zwerg sperrt, solange darf man füttern. Anschließend wird er sein Geschäftchen machen und seelig einschlafen.
Sehr wichtig ist auch die Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen, denn unsere Aushilfsnahrung ist nicht so gut und vitaminreich wie sie natürliche. Deshalb muss täglich ein Heimchen mit dem Zusatz Korvimin bestäubt und verfüttert werden, alle 5 Tage dasselbe Prozedere in Nekton. Das ist wichtig für feste Knochen und gute Federn. Wenn der Kleine etwa eine Woche alt ist reicht eine stündliche Fütterung, allerdings nach wie vor von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (6 Uhr bis 22 Uhr).
So vergehen die ersten Tage im Idealfall ohne Komplikationen. Übrigens nehmen Küken
all ihre benötigte Flüssigkeit über die Nahrung auf, es muss und darf kein Wasser zugeführt in den Schnabel zugeführt bekommen! Später trinkt es bei Bedarf alleine.