RMV, Stadtwerke Gießen und MIT.BUS bringen Echtzeit-Auslastungsanzeige an den Start

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Von links: Die SWG-Vorstände Jens Schmidt und Matthias Funk präsentierten zusammen mit Mathias Carl (Geschäftsführer MIT.BUS), RMV-Projektleiter Markus Huber, RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai sowie Marc Lammerding von Brodtmann Counsulting die Ergebnisse des Forschungsprojekts NV-ProVi.

Die Stadtwerke Gießen stellten gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund einen weiteren Entwicklungsschritt der RMV-Auslastungssteuerung vor. Die Echtzeitdaten, die über ein intelligentes System der Stadtwerke Gießen zur Verfügung gestellt werden, erhalten verbundweit erstmalig Informationen zur Belegung in den Bussen, zu deren Position und zur Fahrplantreue.

 

 

Wissen, wie voll der Bus ist und wo er sich befindet – dank des Förderprojekts „NV-ProVi“ ist das für die Gießener Linien mit nur wenigen Klicks möglich. Die Fahrzeuge der Stadtwerke Gießen liefern die entsprechenden Echtzeit-Informationen zu Standort und Auslastung. Diese werden dann in der mobilen RMV-Auskunft mit nur wenigen Klicks zur Anzeige gebracht. Die Umsetzung einer Echtzeit-Auslastung erfolgt erstmalig in Gießen und kann als Blaupause für das Verbundgebiet dienen. Dr. André Kavai, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), sowie die beiden Vorstände der Stadtwerke Gießen (SWG), Matthias Funk und Jens Schmidt, stellten die neuen Funktionalitäten im Rahmen einer Pressekonferenz vor. Für die Fahrgäste stehen die Funktionen in der RMV-App und über die mobile RMV-Website unter m.rmv.de zur Verfügung.

 

„Seit August 2020 bieten wir als einer der ersten in Deutschland überhaupt eine Auslastungsprognose in unserer App. Während diese aus vorhandenen Daten die Auslastungsprognose berechnet, können die Fahrgäste in Gießen nun sogar die Auslastung in Echtzeit am heimischen Rechner oder auf dem Smartphone nachschauen, wie stark ein Bus belegt ist und entsprechend planen. Das ist eine spannende Weiterentwicklung unserer Auslastungsprognose. Wir erhoffen uns vom Gießener Modellprojekt wichtige Erkenntnisse für einen flächendeckenden Einsatz einer Echtzeit-Auslastungsbelegung“, erklärt Dr. André Kavai, Geschäftsführer des RMV.

 

Wirklich live

Die Informationen der Livemap basieren auf Echtzeitdaten aus den Gießener Bussen und auf 23,4 Millionen historischen Datensätzen. Neu dabei ist, dass sich die Informationen für viele Gießener Linien sowohl in der RMV-Verbindungsauskunft als auch auf der RMV-Livemap in Echtzeit anzeigen lassen. Dass nicht alle Busse der SWG-Verkehrstochter MIT.BUS mit einem Automatischen Fahrgastzählsystem ausgestattet sind, spielt dabei keine Rolle. Denn im Hintergrund arbeitet eine künstliche Intelligenz (KI). Deren Algorithmus ist in der Lage, die Fahrgastzahlen mithilfe der vorhandenen Werte zu berechnen und relativ exakt zu prognostizieren. „Weil die KI permanent lernt, werden die schon sehr genauen Ergebnisse immer besser“, führt Matthias Funk, Technischer Vorstand der SWG, aus.

 

Die Anzeige von Echtzeitdaten im Gießener Stadtgebiet ist die logische Weiterentwicklung der bereits verfügbaren Auslastungsprognose, die der RMV seinen Fahrgästen schon seit August 2020 zur Verfügung stellt. Der RMV war einer der ersten Verkehrsverbünde, der seinen Fahrgästen einen solchen Service anbieten konnte. „In der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig es für unsere Fahrgäste ist, sich über das Fahrgastaufkommen zu informieren“, erläutert Dr. André Kavai. „Fahrgäste können so entscheiden, ob sie eine der in der App vorgeschlagenen Alternativverbindungen mit geringerer Belegung nutzen und so die Auslastung des Fahrtenangebots insgesamt gleichmäßiger gestalten.“

 

Der Beitrag der SWG

Praktisch parallel zu den Bemühungen des RMV starteten die SWG zusammen mit dem Beratungshaus Brodtmann Consulting ein wegweisendes Projekt. Ursprüngliches Ziel war es, die bereits vorhandenen, enormen Datenmengen nicht nur zu speichern, sondern sinnvoll zu nutzen. „Aus dieser Kooperation entstand ein extrem nützliches Analysetool, das uns objektive, relevante und belastbare Fakten zu unseren Bussen liefert. Und damit die Basis für die richtigen Entscheidungen“, erklärt Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der SWG.

 

Schon bei der Arbeit am Prototyp des Analysetools zeichnete sich ab, dass künstliche Intelligenz das Nahverkehrsangebot auch an anderer Stelle entscheidend verbessern kann. „Als uns klar wurde, was möglich ist, haben wir Kontakt mit dem RMV aufgenommen. Denn um das ganze Potenzial zu nutzen, brauchten wir einen starken Partner“, erinnert sich Jens Schmidt.

In der Folge starteten SWG und Brodtmann Consulting „NV-ProVi“, ein vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördertes Forschungsprojekt, – mit dem RMV als assoziiertem Partner. Von den Ergebnissen dieses Projekts profitieren jetzt die Fahrgäste in Gießen. Denn mit seinen von der KI aufbereiteten Daten bildet es die Grundlage für die Auskunftssysteme des RMV. Und das ist erst der Anfang. Tatsächlich gibt es schon Ideen für künftige Anwendungen, mit denen sich das Nahverkehrsangebot noch weiter optimieren lässt. Im nächsten Schritt soll die Sensorik in den Bussen so modifiziert werden, dass sie auch Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen erkennt. Stehen diese Daten zur Verfügung, fließen sie als zusätzliche Informationen in die Livemap und folglich in die Prognosen ein.

 

Zudem ist geplant, dass Städteplaner künftig auf die in den Bussen gesammelten und aufbereiteten Daten zugreifen können. Mit deren Hilfe sollte es gelingen, die anstehenden Verkehrssimulationen aussagekräftiger zu machen. „Wir sind hier bereits mit den Spezialisten der Technischen Hochschule Mittelhessen im Gespräch“, erklärt Jens Schmidt. Damit wirkt sich „NV-ProVi“ auch positiv auf den Green-City-Plan in Gießen aus.

 

Nicht zuletzt sind RMV und Brodtmann Consulting Teil der Brancheninitiative Auslastungsprognose, kurz BRAIN. Ziel dieser von der DB Regio AG ins Leben gerufenen Plattform ist es, bundesweit einheitliche Auslastungsinformationen zu entwickeln. Und so das Reisen im öffentlichen Personennahverkehr angenehmer und damit attraktiver zu gestalten.

 

Funktionsweise der Auslastungsanzeige

Die bestehende Auslastungsprognose des RMV zeigt in der RMV-Auskunft (App und mobile Website) bei Bus- und Bahnverbindungen eine geringe (unter 30 Prozent), mittlere (30 bis 60 Prozent) oder hohe Belegung (über 60 Prozent) an. Fahrzeuge, die über Echtzeitdaten verfügen, werden jetzt mit einem erweiterten Symbol gekennzeichnet. Zudem lässt sich ablesen, wie voll ein Bus an einer bestimmten Haltestelle und zu einem bestimmten Zeitpunkt sein wird. Dazu gilt es lediglich, die gewünschte Verbindung einzugeben. Nach einem Klick darauf kann die zu erwartende Auslastung an jeder Haltestelle im Linienverlauf angezeigt werden. Das funktioniert natürlich auch für Verbindungen, die weiter in der Zukunft liegen.