Fehlende Fahrdienstleiter in Lollar und Marburg führen zu phasenweiser Sperrung der Main-Weser-Bahn seit dem 06.07.2022. Personalpolitik bei dem sensiblen Thema Mobilität seit Jahrzehnten ein Skandal

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Die Auswirkungen sind deutschlandweit spürbar und treffen Mittelhessen aktuell hart. Unerwartete Stellwerksschließungen auf eine der wichtigsten Hauptstrecken im Bundesland Hessen.

Als wenn nicht die Sperrung die baustellenbedingte Sperrung der südlichen Main-Weser-Bahn zwischen Bad Vilbel und Frankfurt mit dem misslungenen Baustellenfahrplan genug Belastung für die Fahrgäste wäre. Nun kommt noch fehlendes Personal hinzu. Seit Frühjahr 2022 fallen auf dem Mittelhessen-Express-Netz der Linien RB40/RB41 aber insbesondere auf der RB49 immer wieder Umläufe aus.

Am Mittwoch, dem 06.07.2022 war die Strecke im mittleren Abschnitt zwischen Marburg und Gießen dicht, dann folgten jeweils die Nächte zwischen 20:00 Uhr und 5:30 Uhr. Aktuell hält die Situation an.

Grund ist, das Stellwerk in Lollar kann nicht besetzt werden, nun kam auch noch das Stellwerk Marburg hinzu.

Der PRO BAHN Landesverband Hessen und der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen sind absolut solidarisch mit den Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleitern, mit dem Personal welches den Betrieb der Bahn sicherstellt. Die Verfehlungen liegen in Jahrzehnten der politischen und unternehmerischen Fehlentscheidungen, im gesamtgesellschaftlichen Versagen, für welches jedoch eine überschaubare Anzahl von Personen in entsprechenden Funktionen die falschen Weichen gestellt haben. Man hat eine auch im humanen Sinne bedeutende nationale Aufgabe den radikalen Zügen des Marktes geopfert, obwohl stets hätte klar sein müssen, dass dies sich öffentliche Personenbeförderung nie marktwirtschaftlich aufstellen lässt.

Nun müssen die Fahrgäste schon komplette Streckensperrungen ausbaden, aktuell eben zwischen den größeren Universitätsstädten Gießen und Marburg mit 90.000 bzw. 75.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Vor einigen Jahren hat dies mit dem Stellwerk in Mainz angefangen, nun scheint dies seitens von DB-Konzern und Politik schon im Bereich der Alltagsmeldung angekommen zu sein. Anders ist die zögerliche Bereitstellung der Fahrgastinformation und der Text der Presseinformation nicht zu deuten.

Auch dem Fahrgastverband PRO BAHN ist bekannt, dass Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleiter nicht einfach mal so auf jedem Stellwerk eingesetzt werden können. Jedes Stellwerk ist anders, es bedarf einer individuellen umfassenden Einarbeitung, selbst für erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir als Fahrgastverband sind dankbar, dass hierzu entsprechend hohe Sicherheitsstandards gelten. Keine Frage, der am 06.07. vormittags eingesetzte Mitarbeiter hätte nicht länger arbeiten dürfen.

Der PRO BAHN Landesverband Hessen und der PRO BAHN Regionalverband Mittelhessen hoffen nun in der 28. Kalenderwoche auf Entspannung in Marburg und Lollar, so dass die Züge wieder 24 Stunden zwischen den Universitätsstädten auf der Main-Weser-Bahn rollen können. Danach muss endlich ein Ruck durch Politik und Verkehrswirtschaft gehen, es bedarf einer umfassenden finanziellen Kraftanstrengung, um die öffentliche Mobilität personell und infrastrukturell in Zukunft absolut störungsfrei und in deutlichen Schritten kapazitätssteigernd aufzustellen. Unvorhergesehene Stellwerksschließungen müssen alsbald für immer der Vergangenheit angehören.