Oben wohnen, unten einkaufen

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ALDI SÜD baut in Waldbronn (Baden-Württemberg)
Ähnlich könnte es nach Willen der FREIE WÄHLER in Pohlheims “Neuer Mitte” zukünftig aussehen: Oben wohnen, unten einkaufen. ALDI SÜD verwirklicht dies derzeit in Waldbronn in Baden-Württemberg (Bild: ©ALDI SÜD)

Jüngst war in der Gießener Lokalpresse (Gießener Allgemeine vom 10. März 2022) ein Bild mit kurzem Text zum Abriss des ALDI SÜD Marktes am Standort “Neue Mitte” in Pohlheim veröffentlicht. Mit Verwunderung haben Stadtverordnete der FREIE WÄHLER den auf dem Bild abgebildeten Trümmerhaufen wahrgenommen. Beim Betrachten des Bildes in der Zeitung erinnerten sich die FREIE WÄHLER an die im Jahr 2019 gefassten Beschlüsse des Pohlheimer Ausschusses für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) vom 12.08.2019 sowie den der Stadtverordnetenversammlung vom 22.08.2019.

Die damalige Beschlussvorlage der Pohlheimer Verwaltung titelte unter dem Namen “2. Änderungsplan zum Bebauungsplan Nr. 32 “Erbacher Wäldchen” im Stadtteil-Watzenborn-Steinberg – Aufstellungsbeschluss gemäß § 2 Abs. 1 BauGB”.

In der Begründung zur Beschlussvorlage (STV-338/2016-2021) steht: “Seitens der Firma Aldi Süd ist im Stadtteil Watzenborn-Steinberg am Standort Neue Mitte zur langfristigen Standortsicherung im Zuge eines Anbaus an das bestehende Gebäude die Erweiterung der bestehenden Verkaufsstelle auf künftig maximal 1.250 m² Verkaufsfläche vorgesehen.” Diesen Vorgang haben die Stadtverordneten der FREIE WÄHLER analog zu der Anfrage des Mitbewerbers Lidl im Jahr 2013 gesehen. Lidl bat damals um die Schaffung der rechtlichen Möglichkeiten für die Erweiterung der Verkaufsfläche.

In vorgenanntem Bericht der Gießener Lokalzeitung wird eine Pressesprecherin von ALDI SÜD zitiert, dass die ALDI Filiale “nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein zeitgemäßes Einkaufen” entsprochen habe.

Hier kommt für die FREIE WÄHLER der Eindruck auf, dass Verantwortliche der Firma ALDI SÜD bewusst von einem Anbau und nicht von einem geplanten Abriss gesprochen haben. Das Kommunikationsverhalten der Firma ALDI SÜD hätte hinsichtlich deren Vorhaben transparenter und ehrlicher sein müssen, denn für die Stadtverordneten der FREIE WÄHLER ist es durchaus ein qualitativer Unterschied, ob es sich lediglich, wie in der Begründung verdeutlicht, um einen Anbau oder um einen kompletten Abriss und wahrscheinlich nur einstöckigen Wiederaufbau handelt.

Andreas Schuch, Fraktionsvorsitzender der FREIE WÄHLER“Hätten wir von dem geplanten Abriss gewusst, so hätten wir uns für eine Änderung des Baurechts samt eines Vertrags zwischen der Stadt Pohlheim und ALDI SÜD eingesetzt, der dem Bauherrn ALDI SÜD am Standort “Neue Mitte” eine mehrstöckige Bauweise erlaubt und darauf hingewirkt, dass über dem Einkaufsmarkt zwei Stockwerke mit barrierefreien Wohnungen entstehen sollen.”, führt Andreas Schuch, Fraktionsvorsitzender der FREIE WÄHLER Pohlheim aus.

Ein ähnliches Projekt wird gerade von ALDI SÜD in Waldbronn (Landkreis Karlsruhe) umgesetzt und schafft neben der Versorgung der Kommune mit Gütern des täglichen Bedarfs zusätzlich Wohnraum. Bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind, zieht die Waldbronner Filiale vorübergehend in die nahegelegene Festhalle um.

“Ähnliches Vorgehen wäre auch am Standort Pohlheim eine gute Lösung gewesen, die die bereits versiegelte Fläche optimal ausnutzt und “Flächenfraß” minimiert. Leider ist diese gute Chance scheinbar nun vertan.” schließt Schuch ab.

1 Kommentar

  1. Ich erlaube mir eine inhaltliche Ergänzung des informativen Beitrags.

    Warum ist eine mehrgeschossige barrieregerechte Bebauung (anstatt Abriss des Bestandes und
    Neuaufbau auf mehr Fläche) so wichtig?

    Aus zwingend notwendig zu beachtenden Umweltgründen.

    Keine weitere Bodenversiegelung in der BRD, sondern konsequente Entsiegelungspolitik.
    (Kurzfassung)

    – Wir brauchen mehr Naturräume für heimische Tiere und den Menschen. Keine weitere Zersiedelung der Landschaft.

    – Wir brauchen Flächen zu Regenwasserversickerung damit der Grundwasserspiegel-Absturz
    zumindest gebremst wird.

    – Wir müssen landwirtschaftlich nutzbare Flächen vor der Überbauung schützen und zur
    regionalen Nahrungsproduktion heranziehen (drastische Verminderung der Lebensmitteltransporte)

    Meines Erachtens gilt heutzutage: Konsequent handeln, auch wenn es “nur” um kleinere Flächen geht. Denn täglich verschwindet in der BRD die Fläche von mehreren Fussballplätzen unter Beton. Da zählt jeder Quadratmeter.