“Mein Grand Prix” im TIPI am Kanzleramt – TV-Star Pasquale Aleardi präsentiert souverän eine musikalische Zeitreise durch Europa

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Seit 66 Jahren findet jährlich der Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute ESC) statt. Für viele Fans ist das der musikalische Höhepunkt des Jahres und ein großes Fest mit Familie und Freunden. Der gebürtige Schweizer Pasquale Aleardi bringt das Publikum durch die Erzählungen über dieses 40-köpfige Fest in seinem griechisch-italienischem Elternhaus gleich in die richtige Mitfeierstimmung. Die Anekdote von seiner fest im griechisch-orthodoxen Glauben verwurzelten Mutter, die mit Weihrauch die drei Fernseher segnete, um damit einen griechischen Sieg sicherzustellen, bricht das letzte Eis: “Mein italienischer Vater war für Italien, meine Mutter war für Griechenland” und wir Kinder komplett schizophren.”

Das Publikum ist auch dank der von Aleardi aus der ersten Reihe erwählten Laura von Anfang an fester Bestandteil der Show. Gerade in diesen schwierigen Zeiten schaffen es Aleardi und seine musikalischen Mitstreiter sofort, den europäischen Gedanken dieses Wettbewerbes und diese Show zu unterstreichen. Mit „Insieme: 1992“ (unite, unite, Europe), dem Siegertitel von Tuto Cutugno aus dem Jahr 1990, wird gleich ein musikalisches Ausrufezeichen gesetzt.

Der Sprachvirtuose Aleardi schafft es immer wieder, Anekdoten mit Schwyzerdütsch oder Deutschgriechisch zu garnieren, um dann im nächsten Moment gefühls- aber auch stimmungsvoll Songs aus Spanien, Portugal oder Israel zu singen. Für diese Vielfalt von Titeln aus 66 Jahren Grand Prix wie z. B. der nur Insidern bekannte, türkische Beitrag „Bana Bana“ aus 1989 bedarf es aber auch einer herausragenden siebenköpfigen Band unter Leitung von Damian Omansen, die es immer schafft, einen vollen Sound in das Zelt zu bringen; und es braucht herausragende Sänger und Sängerinnen, die an verschiedenen, renommierten Bühnen ihr Können schon bewiesen haben und an dem Abend die Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes verzaubern: Sigalit Feig, Anke Fiedler, Martin Mulders und Andreas Bieber. Aus diesen Vieren einen besonders herauszuheben, hieße an sich Majestätsbeleidigung an den anderen drei, aber Martin Mulders Interpretation von „Rise Like a Phoenix“ von Conchita Wurst aus dem Jahr 2014 ist auch eine optische Augenweide.

Jeder Zuschauer hatte bis zur Pause die Gelegenheit, seinen Favoriten mittels einer Stimmkarte(!) für das Finale zu wählen. Im finalen Medley bringt das Ensemble u. a. mit Songs wie Waterloo aus 1974 das Zelt zum Kochen. Wer jetzt noch nicht tanzt und singt, ist selbst schuld. Und apropos Tanzen; dank einer 800er Ibu tanzt auch der am Meniskus verletzte Aleardi fast wie sonst. Auch hier zeigt sich die ganze Professionalität dieses Ausnahmekünstlers, der mit dem gefühlvollen portugiesischen Song „Amar pelos dois“ ayus 2017 einen wunderbaren Abend abschließt.

Für drei Stunden konnten wir die schrecklichen Bilder des Tages vergessen und eine Zeitreise durch die musikalische Vielfalt Europas genießen. Berlin ist immer eine Reise wert und ab Spätherbst 2022 wird die Show aufgrund des großen Erfolges wieder neu aufgelegt.