„Das hündische Herz“: Unterhaltsame Aufführung wirft Fragen auf

120
V.l.: Dr. Bormenthal (Pascal Thomas), Sina (Anne-Elise Minetti), Darja Petrowna (Tom Wild), Prof. Preobraschenski (Roman Kurtz) und Lumpi (Lukas Goldbach) in einer Szene. Foto: Rolf K. Wegst / Stadttheater Gießen
Prof. Preobraschenski (Roman Kurtz) diskutiert mit Lumpikow (Lukas Goldbach). Foto: Rolf K. Wegst / Stadttheater Gießen
Im Vordergrund: Die Hausverwaltung (v.l.: Carolin Weber, Paula Schrötter, Vanessa Wirth). Hinten: Sina (Anne-Elise Minetti) und Prof. Preobraschenski (Roman Kurtz). Foto: Rolf K. Wegst / Stadttheater Gießen

Das Schauspiel „Das hündische Herz“, das am 15. Januar 2022 im Großen Haus des Stadttheaters Gießen Premiere feierte, wurde bereits dreimal aufgeführt und applaudiert. Das Stück basiert auf der Erzählung des russischen Autors Michail Bulgakow in der Neuübersetzung und Bühnenfassung von Alexander Nitzberg und wurde von Wolfgang Hofmann inszeniert.

An einem kalten Dezembertag wird ein verletzter Straßenköter, von allen Lumpi genannt, vom Arzt Professor Preobraschenski in seiner Praxis gerettet. Der ahnungslose Hund freut sich über Essen und Wärme, wird aber später als Versuchstier für ein Experiment benutzt: In ihn werden die Hypophyse und die Hoden eines Bettlers transplantiert. Die Operation gelingt und der Hund wird zu einem Menschen, Herr Lumpikow. Er ist aber ein sehr vulgärer Typ, ein Hundemensch, der sich unerträglich benimmt und für peinliche und chaotische Zustände in der Praxis des Professors sorgt. Dem Arzt bleibt am Ende nur eine extreme Lösung übrig, um die Situation zu retten.

Die Geschichte ist eine Satire der russischen Gesellschaft der zwanziger Jahre, deswegen wurde das Werk 1925 sofort verboten und konnte erst 1987 in der Sowjetunion erscheinen. Auf der Bühne steht aber nicht diese Gesellschaftskritik im Vordergrund, sondern eine fantastische Handlung mit vielen lebhaften Momenten, die durch die meisterhafte Verkörperung des Hundes (und später des Hundemenschens) durch Lukas Goldbach im Pelzmantel und die überzeugende Darstellung des Professors Preobraschenski (Roman Kurtz), seines Assistenten Dr. Bormen-
thal (Pascal Thomas), seines Hausmädchens Sina (Anne-Elise Minetti), seiner Köchin Darja Petrowna (Tom Wild) und der Hausverwaltung (Carolin Weber, Vanessa Wirth und Paula Schrötter, die als eine Einheit in Aussehen, Wort und Bewegungen genial auftreten) zum Lachen und zum Nachdenken bringen.
Das sich drehende Bühnenbild von Lars Peter erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen draußen und drinnen sowie zwischen den verschiedenen Räumen der Wohnung von Professor Preobraschenski. Das Publikum kann fast unmittelbar miterleben, was auf der Straße passiert und was die Hauptfiguren in der Praxis auf dem Seziertisch oder im Esszimmer machen. Das schnelle Tempo der Aufführung wird also nicht unterbrochen.
In der Praxis, vor deren Tür im Schnee immer eine Schlange von Patienten steht, werden teure Optimierungsoperationen verschiedener Art durchgeführt. Wie weit darf man gehen? Und was bringt der Schöpfungswahn in der Naturwissenschaft? Die Ergebnisse dieser Eingriffe sind fraglich, so wie die Verwandlung vom Hund in Menschen nicht so ist, wie man sie sich vorgestellt hat.

» Theaterfreunde, die demnächst Lust haben, in den Genuss der hervorragenden Schauspielkunst dieser unterhaltsamen Aufführung zu kommen, die aber auch wichtige Fragen stellt, können „Das hündische Herz“ noch am Sonntag, 20. Februar, am Samstag, 12. März, und am Donnerstag, 14. April, jeweils um 19.30 Uhr (Dauer: circa eine Stunde 30 Minuten, ohne Pause) besuchen.
Für einen Theaterbesuch gilt die 2G- Plus-Regel und Maskenpflicht. Die Informationen diesbezüglich werden auf der Webseite vom Stadttheater Gießen www.stadttheater-giessen.de immer aktualisiert.