Bündnis ÖPNV-Wende Mittelhessen fordert ein zentrales Verkehrswendeprojekt – zusätzlicher Bahnsteig mit Gleis 7 und 8 in Gießen muss entstehen

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Am vergangenen Wochenende tagte das Bündnis ÖPNV-Wende Mittelhessen im Bahnhof Lollar, wegen der Pandemiesituation teils vor Ort und teils online. Zusammengekommen waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland VCD, des Fahrgastverbandes PRO BAHN/ Regionalverband Mittelhessen, des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus im Deutschen Bahnkundenverband, des Vereins Lumdatalbahn e.V. und des AStA der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Die Aktiven des Bündnisses stellten fest, dass es sehr viele Absichtserklärungen zur Verkehrswende, aber gerade in Mittelhessen nur äußerst wenige konkrete Projekte gibt. Daher kommt von den Verkehrsverbänden und der Studierendenvertretung der dringende Wunsch, den Bahnhof Gießen als zentralen Verkehrsknoten der Region zukunftsfähig zu machen – als Basiselement für weitere Verbesserungen auf den angrenzenden Strecken.

Sechs Streckenäste laufen in Gießen bzw. Wetzlar zusammen, darunter die hochfrequentierte Main-Weser-Bahn. Mehr als 300 Zugfahrten pro Tag berühren Gießen oder beginnen bzw. enden dort. Mit der Lumdatalbahn wird in absehbarer Zeit eine weitere Zuggruppe von und nach Gießen verkehren.

Für die rund 28.000 Reisenden täglich stehen 11 Bahnsteiggleise zur Verfügung. Das klingt viel, allerdings eignen sich nicht alle Gleise für alle Arten von Zügen. So kann Gleis 9 fast nur die kürzeren Züge der Lahntalbahn aufnehmen. Und auch für das regelmäßige „Flügeln“, also das Ankoppeln bzw. Trennen zweier Züge vor beziehungsweise nach der gemeinsamen Fahrt zwischen Gießen und Frankfurt, kann nur ein kleiner Teil der Gleise genutzt werden. Denn das „Flügeln“ erfordert eine spezielle Signalausstattung, die nicht überall vorhanden ist.

Gründe genug für das Bündnis ÖPNV-Wende Mittelhessen, den Bau eines weiteren Bahnsteigs mit zwei Bahnsteigkanten (Gleis 7+8) zu fordern. Das ist nach Sicht des Bündnisses die Grundvoraussetzung, um den Halbstundentakt als Regelangebot auf allen von Gießen ausgehenden Strecken einzuführen. Platz dafür gibt es zwischen dem Bahnsteig 4/5 und der Bebauung auf der Bahnhofs-Westseite. Der Bahnsteig soll so ins Gleisnetz integriert werden, dass direkte Fahrten von und nach Wetzlar und Siegen bzw. Limburg möglich sind, ohne die stark befahrene Main-Weser-Bahn zu kreuzen.

Gerhard Born, Sprecher des VCD Gießen und Initiator des Treffens in Lollar, sagte an die Adresse von Deutscher Bahn, RMV und Land Hessen: „Die Verkehrswende ist in Mittelhessen besonders weit entfernt. Wir haben noch keine RegioTram, wie in Nordhessen, und keine S-Bahn, wie im Rhein-Main-Gebiet. Wir fangen ganz unten an und brauchen den verbesserten Bahnhof Gießen als Grundbaustein für mehr Züge auf vorhandenen Gleisen. Die Züge müssen fahrplanstabil und in guter Qualität verkehren“. Und insbesondere an die Handelnden in der Politik richtete Born die Botschaft: „Es ist besser, eine überschaubare Zahl an Projekten ganz gezielt voranzubringen, als ewig über die Verkehrswende zu diskutieren. Schaffen Sie Angebote an die Menschen, die Lust auf einen Umstieg machen. Und warten Sie nicht, bis der Klimawandel zum überstürzten Handeln zwingt“.