“In Lauterbach hab` ich mein` Strumpf verlor`n” – Kurztripp ins oberhessische Lauterbach – Anfang Oktober.

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Unser eigentliches Vorhaben war – eine Lauterbacher Töpferei zubesuchen um bestellte Töpferwaren abzuholen.  Ein kurzer Stadtbummel bei schönem Oktober- Wetter schloss sich an.  Gleich nahmen wir eine besondere Aktion der Stadt in Augenschein:  KRAWATTEN – soweit das Auge reicht!  Eine bunte Vielfalt an Krawatten an Leinen hängend und einer aufgebauten Pyramide vor dem Löwendenkmal waren zu bestaunen.

Wissenswertes über besondere Aktionen, aus der Vogelberger Kreisstadt:

Rund 2.000 Krawatten sind an einer Pyramide am Marktplatz befestigt.  Zu dieser Aktion hatte schon im April die Soroptimist International (SI) Lauterbach-Vogelsberg aufgerufen.  Seit 2018 schmücken die Aktivisten das Löwendenkmal. Nach Strick-, Luftballon- und Blumenkleid – ist 2021 das vierte Jahr – mit einer Vielzahl von Krawatten an der Reihe.  Viele Familien kamen und spendeten Krawatten, welche auch durch nasse Witterung in diesem Jahre nicht an Schönheit verloren.  Auch Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller trug zur bunten Vielfalt bei und spendete selbst auch Krawatten.

Zum Glück, konnten wir das farbenfrohe Deko noch mit bewundern.  Diese sollte nämlich kurz danach beendetet werden.  Diese Aktion wurde durch das Bundesprogramm ” Demokratie leben!” gefördert.  Da weit über 5.000 zusammenkamen  und diese keinen Platz am Löwendenkmal hatten, hängte man die restlichen Schlipse (auch eine Bezeichnung – früherer Zeit) im Stadtkern auf.

Das Wort “Krawatte” geht auf französisch  a`la cravate “nach kroatischer Art zurück.  Der Ausdruck Schlips bezog sich ursprünglich nur auf die Enden der Krawatte und wurde erst im 20. Jahrhundert zu einem Synonym.  Die Krawatte verdankt ihrer Beliebtheit einer Legende zufolge einer Truppenparade im Jahr 1663 vor dem noch im Bau befindlichen Schloss Versailles für den französischen König Ludwig XIV.

Was hat es mit dem ” Lauterbacher Strumpf” auf sich – eine Historie, die bis ins Jahr 1596 zurück geht.

Ein wandernder Strupfmachergeselle zog auf Schusters Rappen durch die Welt.  Auf seiner Wanderschaft kam er just nach Lauterbach, wo diese Zunft seit eh und jeh ansässig war.  Im schönen Lauterbach zu bleiben, hatte er sich vorgenommen, nachdem er bei einer respektablen Meisterin Aufnahme gefunden hatte.  Die Meisterin fand den Gesellen recht tüchtig und auch sonst recht ansehnlich.  Im Winter kamen sie sich auch menschlich näher und die Meisterin hegte die Hoffnung, dass sich der Geselle in Lauterbach sesshaft machen würde und erhoffte sich eine feste Bindung – die wohl nicht aufgehen sollte.  Als der herannahende Frühling sich zeigte und die Vögel anfingen zu zwitschern, da hielt es der junge Bursche nicht mehr aus, sodass es ihn wieder in die Ferne trieb.  Das war der Meisterin zu viel.  Alles überstürzte sich und die Meisterin beförderte IHN mit seinen wenigen Habseligkeiten etwas unsanft durch die Tür.  Am Stadtrand angekommen, ordnete der Handwerksgeselle seine Habseligkeiten. Dabei stellte er fest, dass ein Strumpf fehlte.  Er hatte ihn beim überstürzten Aufbruch verloren.  Der Handwerksgeselle wanderte wieder von Herberge zu Herberge, und erinnerte sich immer stärker an die schöne Zeit bei der Meisterin in Lauterbach.

So entstand auch die Volksweise des Lauterbacher Strumpflieds, deren Herkunft jedoch im Dunkeln liegt.

Hier die besagte Liedstrophe:                                                                                       

In Lauterbach hab`ich mein` Strumpf verlor`n,  und ohne Strumpf geh` ich net heim.  So geh`ich halt wieder nach Lauterbach hin,  und hol` mir mein` Strumpf an mein Bein.

Das wars mal wieder – dann bis zum nächsten Mal.

Grüße aus dem Schwedendorf `Grimmichs`.

Bilder  aus  der  historischen  Altstadt  Lauterbach.

Hier die Schrittsteine und das Strolchendenkmal. Wahrscheinlich stammten die ersten Schrittsteine, die über die Lauter führen, bereits aus dem 12. Jahrhundert. Hier wurde dem Lauterbacher Strolch ein Denkmal gesetzt.

Interessantes Wohnhaus mit sehr! spitzen Winkel.
Geschmückte Altstadtgassen mit ansehnlichem Fachwerk

Das Löwendenkmal am Marktplatz von Lauterbach -`verkleidet´ mit Schlipse “ohn Mass”!
… im Hintergrund zu sehen, das spätbarocke >Bürgerhaus< – 1765 erbaut.
… eine schöner wie die Andere. “Wenn diese alle sprechen könnten!” – Oh weiha!