Theodor-Litt-Schule: Zwei große Klassen – das Zimmererhandwerk wächst.

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(rs) Von ihren MitschülerInnen kannten die Schüler des zweiten Lehrjahres der Zimmerer der Theodor-Litt-Schule auch nach den ersten beiden Schultagen des neu gestarteten Schuljahres nicht viel: abgesehen von Augenpaaren oberhalb der Maske und Namen von Namenslisten ließen die pandemiebedingten Maßnahmen wenig Möglichkeit zum Kennenlernen.

Umso besser, dass die beiden Klassenlehrer zum dritten Mal die Erlaubnis der Schulleitung bekamen, die angehenden Zimmerer und eine Zimmerin zu einer ganz besonderen Erfahrung einzuladen: eine Klassenfahrt in der ersten Schulwoche auf den Campingplatz ‚Spitzer Stein‘ im benachbarten Grünberg.

Bei vielen war die Freude noch gedämpft, als es hieß, man gehe zelten. Die vielen unbekannten Menschen, schlechtes Wetter der vorherigen Tage und sicherlich auch gruselige Geschichten ehemaliger Zimmererschüler aus den Betrieben über diesen Trip der besonderen Art trugen dazu bei.

Nach einer intensiven klassenübergreifenden Planung am zweiten Schultag mit einigen Telefonaten zum Besorgen der vielen benötigten Materialien, traf man sich am Mittwochmorgen bei bestem Wetter auf dem besagten Zeltplatz. Ein großes Treiben: Zeltaufbau, Mannschaftszelt errichten, Kirmesbankgarnituren für alle, ein Kühlwagen – es gab gleich viel zu tun.

Nachdem dann auch die ersten Autos aus dem Schlamm gezogen und die Arbeitsschuhe angezogen waren, kamen die zukünftigen ZimmererInnen das erste Mal in Berührung mit ihrem bevorzugten Werkstoff. Damit am Abend das erste große Grillfest wie geplant stattfinden konnte, besorgte ein großer Teil des Teams im anliegenden Wald Feuerholz. Der andere Teil bereitete unter fachmännischer Anleitung eines Kochs und gleichzeitig angehenden Zimmerers die erste Warmspeise zu – große Mengen Erbsensuppe mit Würsten.

Danach und nach dem ersten Kaffee des Tages riefen die Lehrer zur großen Kennenlern- und Teambuilding-Maßnahme. Wie bereits in den Vorjahren durften sich die Schüler gruppenweise an der Errichtung ihres ersten Holzhauses versuchen und im Team auf vorgegebenen Grundmaßen ein Fachwerkhaus aus selbst geschlagenen Ästen errichten. Der Kreativität waren hier keine Grenzen gesetzt, nach Ablauf der Zeit konnten sogar Gauben, Türen, ein eingedecktes Dach und natürlich – ganz in Zimmerertradition – Richtbäume begutachtet werden. Die Lehrenden nutzten die errichteten Bauwerke, um der mittlerweile zu einem richtigen Team zusammengewachsenen Schülerschaft eine erste Lehrstunde im Themengebiet Statik zu erteilen.

Im Anschluss ging der Tag mit Grillgelage und großem Lagerfeuer bis in den späten Abend hinein zu Ende.

Am Donnerstag ging es nach einem deftigen Mett-Frühstück in den Grünberger Stadtwald zum Treffen mit Revierförster Hr. Wollmerstätt. Bei einer Waldbegehung und in Begleitung eines Praktikanten klärte er die Wissbegierigen über den Lebenszyklus des Waldes, die Forstwirtschaft im Allgemeinen und zukünftige Probleme und Chancen von Wald und Holzwirtschaft auf. Dies war hochinteressant – der Wald liefert schließlich das Holz, aus dem neben den vielen Balken die verschiedenen Werkstoffe hergestellt werden, die der Zimmerer im Alltag nutzt.

Nach einer kurzen Abkühlung im anliegenden Freibad ging es für die Lehrlinge aus ganz Mittelhessen auf den zur Tradition gewordenen Stadtgang in die historische Altstadt Grünberg.

In Zunft und mit Verstärkung eines ehemaligen Schülers, mittlerweile angehender Meister und zukünftige Lehrkraft der Theodor-Litt-Schule, erlangten die SchülerInnen erste Kenntnisse im Bereich der Schadenserkennung, Sanierung und Ausführung von Fachwerkbauten anhand der vielseitigen Fachwerklandschaft der Altstadt. Abgerundet von einer Begehung des Grünberger Diebsturms und einer kurzen Erfrischung im angrenzenden Biergarten ließen die Klassen den Donnerstag erneut am Lagerfeuer bei Gesang, Steak und guten Gesprächen enden. Romantik, Geselligkeit, Kennenlernen und Abenteuerpädagogik pur.

Ein Weißwurstfrühstück am Freitag leitete das Ende der Veranstaltung ein. Nach einem kollektiven Abbau, einer peniblen Säuberung des Platzes und ausgiebiger Nachbesprechung trat die gesamte Gruppe die Heimreise an – erschöpft, mit einigem neu Gelernten. Im Gepäck viele neue Bekannte und vielleicht die Hoffnung, dass daraus nicht nur Wegbegleiter, sondern Freunde werden.

Die darauffolgende Woche verlief traumhaft gut, so die Lehrkräfte. Die Stimmung in den Klassen zeigt – diese Tage waren ganz Besondere.

Die gute Basis für die folgenden zwei Jahre Berufsschulunterricht ist gelegt.