Kochen mit Volldampf – Zentralküche der Lebenshilfe Gießen: Alle Mitarbeiter*innen wieder an Bord

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Ist mit fast allen Arbeitsabläufen in der Zentralküche der LiLo-Küchenbetriebe vertraut und Team-Mitglied der ersten Stunde: Gisela Knecht. Für das Foto durfte sie die Maske abnehmen.

Pohlheim (-). Die Zentralküche der Lebenshilfe Gießen in Garbenteich kann wieder voll durchstarten: Alle zehn Werkstatt-Mitarbeiter*innen sowie vier Praktikant*innen aus dem Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe sind seit einigen Wochen wieder im Dienst und mit voller Motivation dabei. Wegen der Corona-Pandemie konnten viele von ihnen für mehrere Monate nicht zur Arbeit kommen. „Während des zurückliegenden Jahres konnten wir nur auf Halbmast fahren und haben unter schwierigen Bedingungen gearbeitet“, berichtet Susanne Weißbecker, die seit August 2020 die LiLo-Küchenbetriebe leitet, bilanziert aber auch: „Mittlerweile haben wir fast wieder die Auslastung wie vor der Pandemie. Die Ausstattung der Küche nach modernstem Produktionsstandard bietet Potenzial für Kunden aus den Bereichen Schule, Kitas und Firmen. Wir freuen uns auf neue Kunden mit Interesse an gesunder und schonend zubereiteter Kost!“

Die LiLo-Küchenbetriebe der Lebenshilfe Gießen bestehen aus der 2019 eröffneten Zentralküche auf dem Gelände der Limeswerkstatt in Garbenteich, der Limesküche, der WeLo-Küche auf dem Gelände der Werkstatt Lollar und der Gärtnerei Biolandhof Buseck. Insgesamt sind an den vier Standorten 49 Mitarbeiter*innen und 9 Praktikant*innen mit Behinderung beschäftigt, darunter auch Gisela Knecht, die bereits seit 2013 für die Lebenshilfe tätig ist und vor über zwei Jahren zu den ersten Zentralküchen-Teammitgliedern gehörte. Die engagierte und aufgeschlossene 52-jährige Mitarbeiterin mit psychischem Handicap ist von den vielfältigen Tätigkeiten in dem modernen Küchenkomplex begeistert: „Ich habe mich hier langsam reingearbeitet, wobei mir meine Erfahrungen aus anderen Küchen geholfen haben. Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich bin stolz zum Team der Zentralküche zu gehören und stolz auf das, was ich dort schon alles gelernt habe.“

Gisela Knecht und die gesamte Zentralküchenbelegschaft bereiten in der bio-zertifizierten Zentralküche täglich bis zu 2.000 Mahlzeiten im Cook-and-Chill-Verfahren zu. Das bedeutet, dass das Essen nicht warmgehalten, sondern nach der Zubereitung innerhalb von 90 Minuten auf unter vier Grad gekühlt wird. Anschließend können die Speisen 72 Stunden ohne Qualitätsverlust gelagert werden, ehe sie unmittelbar vor der Ausgabe wieder auf Verzehrtemperatur regeneriert werden. „Dieses Verfahren bietet den großen Vorteil, dass das Essen keine Qualitätseinbußen durch lange Warmhaltezeiten erfährt“, erläutert Susanne Weißbecker. Das Gemüse komme so knackig und vitaminreich auf den Tisch wie es die Zentralküche verlassen hat. „Außerdem eignet sich dieses Produktionsverfahren besonders gut für Arbeitsstätten, in denen Menschen mit Behinderung beschäftigt sind. In der Gemeinschaftsverpflegung haben wir es normalerweise mit einem immensen Zeitdruck in kurzen Zeitfenstern zu tun. Mit dem Cook-and-Chill-Verfahren produzieren wir das Essen für den Folgetag einen Tag vorher. Das reduziert den Stress – gerade für Menschen mit Behinderung – immens“, skizziert Alex Herrmann, Betriebsleiter der Zentralküche, einen wesentlichen Vorteil, der sich auch positiv auf die Stimmung im Team auswirke. Gisela Knecht bestätigt das und hält fest: „Ich benötige aktuell immer mal wieder Pausen, die ich hier auch bekomme – woanders bekäme ich das gesundheitsbedingt wohl nicht so hin. Wenn es weiterhin so gut läuft, wie bis jetzt, würde ich gerne bis zur Rente in der Zentralküche bleiben.“

Die Zentralküche bietet für ihre Mitarbeiter*innen mit Handicap ein abwechslungsreiches Arbeitsgebiet in den Bereichen kalte Küche, warme Küche, Abfüllung und Konfektionierung für die Auslieferung, Lagerhaltung inklusive Warenein- und -ausgang und Spülküche: „Unsere Mitarbeiter*innen werden in allen Bereichen eingesetzt. Die gut dokumentierten Prozessabläufe helfen dabei, dass jeder sich in allen Bereichen zurechtfindet“, so Herrmann. Durch die Mischung aus anspruchsvollen Tätigkeiten und genügend wiederkehrenden Abläufen bietet die Zentralküche eine optimale Brücke zum ersten Arbeitsmarkt.

Kontakt:
LiLo-Küchenbetriebe: Susanne Weißbecker, Tel.: 06404 804-510,
E-Mail: s.weissbecker@lilo-kuechen.de

Lebenshilfe Gießen
Die Lebenshilfe Gießen e.V. ist ein gemeinnütziges Unternehmen und begleitet über 2800 Menschen mit und ohne Behinderung in ein selbstbestimmtes Leben.