Initiative zur Rettung der Roos gegründet

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eine klare Aussage der Initiative vor Ort

Widerstände gegen die Bebauung des Rödgener Gebietes „In der Roos“ bestehen schon so lange, wie die Bebauungspläne selbst. Bei früheren Anläufen überwog letztendlich der Widerstand gegen das städtische Vorhaben. Auch zu den aktuellen Plänen, deren Wurzeln ungefähr im Jahr 2014 liegen, gab und gibt es Widerstand. Nur scheint der Wille der Stadt diesmal stärker, ihren Plan trotz allem durchzusetzen.

Eine Zerstörung der Biotope „In der Roos“ rückt bedrohlich näher und wird durch vorbereitende Mäharbeiten auf der zukünftigen Straßentrasse greifbar. Da wundert es nicht, wenn auch der Widerstand gegen die Zerstörung wächst und sich neu organisiert: Seit einem Monat kreist ein offener Brief, der an die Verantwortlichen appelliert, die Pläne der Bebauung aufzugeben.

siehe GZ vom 20.07.  →  Wiese in Not

und auf OpenPetition.de  →  Die ‘Roos’ soll für immer blühen !

Vor drei Wochen nahmen 60 Interessierte, darunter Stadtpolitiker, an einer Infoveranstaltung vor Ort teil. In der Folge ist die „Bürger*inneninitiative für die Roos“, aus neuen und bereits länger Aktiven, zusammengewachsen. Sie trifft sich seit zwei Wochen jeden Samstag um 11 Uhr in dem Gebiet „In der Roos“. Für die kommenden Samstage und insbesondere für diesen Samstag, den 21. August, lädt die Initiative groß ein sich ab 11 Uhr dem Widerstand anzuschließen und ein deutliches Zeichen zu setzen die Zerstörung der wertvollen Wiesen und Gärten nicht hinzunehmen.

Der Bebauungsplan und das Vorgehen der Stadt, welche bereits in diesem Herbst damit beginnen möchte die Straßentrasse zu bauen, sind aus vielen Gründen zu kritisieren: Der Plan sei weder mit den Zielen des Klimaschutzes vereinbar, noch gäbe es irgendwelche Bestimmungen für eine an die Klimakrise angepasste Bebauung. Dass es ein städtebauliches Umdenken brauche sei seit Jahren bekannt. Doch spätestens seit den neuesten Erkenntnissen des Weltklimaberichts und den Bildern aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Mittelmeerraum, sei das nicht mehr abzustreiten, so Monika Lux aus der BI. Eine politische Neubewertung des Bebauungsplans brauche es jedoch schon alleine aus artenschutzrechtlicher Perspektive, meint Finn Becker. Und weiter: „Bei den Abfangmaßnamen im vergangenen Jahr hat sich herausgestellt, dass die Population des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings weitaus größer ist als zuvor angenommen. Neue Erkenntnisse belegen auch, dass die Population im Austausch zu den Populationen im FFH-Gebiet steht, was eine FFH-Verträglichkeitsprüfung zwingend notwendig macht.“ Bei Sabine Weigand – Eigentümerin eines betroffenen Gartengrundstücks – sorgt insbesondere der hohe Druck, den die Stadt auf die Eigentümer*innen ausübt, für Ärger. Die Stadt würde alle paar Tage anrufen, um Sie zum Verkauf zu drängen. Dabei wollten sie nicht verkaufen, schon gar nicht bevor über den beim Verwaltungsgerichtshof anhängigen Normenkontrollantrag entschieden sei. Dieser könne noch den gesamten Bebauungsplan für unwirksam erklären. In diesem Fall müsste dann all das, was die Stadt bis zu diesem Zeitpunkt schon unternommen hätte, rückgängig gemacht werden.

Vergangene Woche war die Gruppe vor dem Rathaus aktiv. Als die bundesweite Klimawette in Gießen gastierte, verdeutlichte die BI mit Transparenten und Wortbeiträgen, dass es zwar natürlich wichtig sei, beim Klimaschutz sein eigenes Verhalten umzustellen, aber in Fällen wie „In der Roos“ die Möglichkeiten der Einzelnen begrenzt seien. „Der entscheidende Hebel liegt hier wie so oft bei der Stadt,” betont Becker.
Für vergangenen Samstag wurde die Ortsvorsteherin zum Gespräch eingeladen. Gekommen war sie nicht und eine Absage erfolgte auch nicht, so Uta Spamer, die die Einladung zugestellt hatte.

„Was der Widerstand bewirkt wird sich zeigen. Eins lässt sich jedoch der Stadt in Aussicht stellen: aufhören werden wir so bald nicht.
Und wo uns Erderwärmung und Artensterben hinführen ist mittlerweile deutlich prognostizierbar,” sind sie sich in der BI sicher.

Artikel basierend auf der Pressemitteilung von Finn Becker

So üppig wie auf diesem Foto kommt der Große Wiesenknopf – unerlässlich für Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling – in der Roos vor. Sonst eher seltener.
Bild: Loki-Schmidt-Stiftung, aus “Blume des Jahres 2021”

1 Kommentar

  1. Richtig, liebe Bürgerinitiative. Macht Druck auf die neue Giessener Stadtregierung.

    Entgegen deren (alle beteiligten Parteien und Fraktionen) entsprechenden Wahlversprechen in den Kommunalwahlprogrammen ist seit dem Frühjahr nirgends zu erkennen, dass die “Neuen” irgendetwas gegen die Kapitalisten (hier Bodenspekulanten und Immobilienbetreibern) unternimmt.

    In meinen Augen ist das genau der springende Punkt.

    Grossmäulige Versprechen machen, in der Art so und so viele neuen (bezahlbaren) Wohnraum zu schaffen, aber nicht klipp und klar dazu zu sagen, dass das in den Zeiten der Klimakatastrophe nur einigermassen zukunftsfähig durch Enteignung von Spekulationsbauflächen in den Innenstädten (und nicht an den Stadträndern) erfolgen kann ist der äußerst durchsichtige Versuch die Mitbürger zu verar……!

    Kleiner Tipp: Falls es in Eurem Kreis mehrheitsfähig ist, ergänzt Eure zu recht sehr stark auf der Klimakatastrophe aufbauende Argumentation / Begründungen mit dieser auf der Ebene der Kommunen durchsetzbaren Forderung.