Politik muss handeln – bevor das Wasser kommt

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Hochwasser am Inheiden/Trais-Horloffer See
Überschwemmung im Seegebiet von Inheiden / Trais-Horloff (© Bündnis90 / Die Grünen / Bild: Gerhard Weissler)

Hungener Grüne fordern höhere Priorität für Maßnahmen zum Hochwasserschutz und zur Klimaanpassung

 

Drei Jahre Rekorddürre in Deutschland und danach Überflutungen ungeahnten Ausmaßes in Teilen der Republik. Die Bilder aus der Eifel machen alle fassungslos. Auch in Hungen sei es, so die Grünen, in der Vergangenheit immer wieder zu Überschwemmungen gekommen. Zum Glück mit weit geringeren Schäden. Nach den Vorhersagen von Wissenschaftlern könnten solche Ereignisse in Zukunft häufiger und zugleich heftiger auftreten. Entsprechend sei es allerhöchste Zeit, das Thema Wasser mit den Extremen Überschwemmung oder Dürre auf allen Ebenen politischer Entscheidungen nach vorne zu bringen.

Probleme mit Hochwässern kenne man in Hungen nicht nur in dem in schöner Regelmäßigkeit überfluteten Seegebiet von Inheiden und Trais-Horloff. So zeige das Sommerhochwasser 1981 auf, dass neben dem Seegebiet auch Teile der Kernstadt und Ortsteile wie Langd, Rodheim und Villingen erheblichen Gefahren durch Überflutungen ausgesetzt seien. Beobachtungen der Grünen zeigen, dass sich das Gefahrenpotential deutlich gesteigert habe. Während in den sechs Monaten, die der Überschwemmung von 1981 vorausgingen, in Hungen ca. 550 mm Niederschlag fielen, reichten im Jahr 2021 im gleichen Zeitraum schon etwa 330 mm aus, um nahezu das gleiche Bedrohungsszenario herbeizuführen. Dies zeige mehr als deutlich, in welchem Maße das Wasserrückhaltevermögen der Landschaft abgenommen habe. Die zunehmende Flächenversiegelung, die nach wie vor erfolgende Entwässerung von großen Teilen landwirtschaftlich genutzter Flächen sowie eine Forstwirtschaft, die durch Rückegassen und immer intensivere Holznutzung, Niederschlagswasser in kürzester Zeit aus den Wäldern abfließen lasse (wo es dann den hitzegeplagten Bäumen fehlt), begünstigten schwere Überschwemmungen. Auch die Folgen von lokalen Starkregenereignissen, wie im Mai 2018 im Ortsteil Bellersheim, würden durch einen solchen Umgang mit Flächen potenziert.

Es sei klar die Aufgabe der Politik, so die Hungener Grünen, hier Vorsorge zu treffen.  Dabei werde es nicht reichen, zwischen Villingen und Hungen ein Rückhaltebecken zu bauen und sich dann in falscher Sicherheit zu wiegen. Überlaufende und zu brechen drohende Speicher hätten in der Eifel vor Augen geführt, dass dies keinen ausreichenden Schutz biete. Vielmehr müssten, so Frank Bernshausen, große Wassermengen möglichst lange in der Fläche gehalten werden, um die Spitzen der Hochwasserwellen in Flüssen und Bächen zu brechen. Gleichermaßen sei auch ein anderer Umgang mit Niederschlagswasser in den Siedlungen von Nöten. Hierzu gebe es Konzepte, die unter dem Stichwort „Schwammstadt“ innovative Lösungen aufzeigen. Es werde höchste Zeit, dass solche Ideen in die Bauleitplanung einfließen, meint Bernshausen, selbst Mitglied im Bau- und Planungsausschuss der Stadt.

Um die jetzt notwendigen Schritte zu beschleunigen, wollen die Hungener Grünen in der nächsten Sitzungsrunde der städtischen Gremien einen Antrag einbringen. Neben der zügigen Weiterbeplanung des Rückhaltebeckens, gehe es um die Erstellung eines Konzepts für die Rückhaltung des Wassers in der Fläche und dessen Umsetzung. Allgemein solle bei der Stadtplanung das Thema Wasser und Klimaanpassung in Zukunft an vorderer Stelle stehen. Darüber hinaus sei zu prüfen, wie die Hungener Feuerwehren für potenziell immer stärkere Schadereignisse als Folge der Klimakrise gerüstet werden könnten. Dass ein „Weiter so“ völlig verantwortungslos sei, hätten die schrecklichen Eindrücke aus dem Ahrtal und in Berchtesgaden mehr als deutlich vor Augen geführt. Die Grünen verbinden damit gleich einen Appell an die anderen Fraktionen im Stadtparlament hier gemeinsam zum Wohle der Bevölkerung an einem Strang zu ziehen.