Mit dem Hausboot auf dem Canal du Midi (Südfrankreich)

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Die einwöchige Hausboottour fand zwei Jahre vor Corona statt. Ich fotografierte da auch noch auf Dias, die ich nun wieder einmal – mit Qualitätsverlust – eingescannt habe.

Mit Sohn und Enkel und einem Bekannten hatten wir ein möglichst billiges Boot gebucht. Zuerst planten wir auch nur drei Personen, dann wurden es vier. Das Boot war als optimal im Katalog für 2 Erwachsene plus 1 Kind angeboten. Es gab auch den Hinweis, daß es sich um schon ein etwas älteres Boot der Flotte handele. Es trug den stolzen Namen “Iron Man” und hatte einen Steuerstand auf dem Dach und einen im Salon.

Abends und morgens waren also Umbauten im Salon erforderlich, um da zwei Schlafgelegenheiten zu schaffen. Wir konnten auch nicht wie geplant am Nachmittag nach Übernahme starten: Der Motor streikte und die Mechaniker arbeiteten bis zum Abend. Am Morgen fand dann die vorgeschriebene Einweisung statt – da streikte der Motor wieder. Aber er wurde auch da wieder flott gemacht und uns wurden die Kosten für den Treibstoff der Tour erlassen. Es ging dann auch ohne größere Probleme, man durfte nur nicht Vollgas geben.

Start und Ziel war der Hafen Colombiers, südwestlich von Beziers gelegen. Zuerst fuhren wir noch ein Stück nach Nordwesten, um den Tunnel von Malpas zu durchfahren: Hier wurde der Kanal durch einen Hügel gegraben. Dann wurde gewendet, wieder durch den Tunnel, am Hafen Colombiers vorbei zur Schleusentreppe von Fonserannes. Sechs aneinandergereihte Schleusen überwinden hier 13,6 Höhenmeter. Weiter geht es in sanftem Bogen im Süden um Beziers herum, mit weiteren 2 Schleusen. Dann wird der Kanal in einem Viadukt über den Fluß Orb geführt. Nach Nachtruhe (bei Dunkelheit darf der Kanal nicht befahren werden) in Villeneuve Les Beziers tuckerten wir weiter bis Port Cassafieres. Da war es von unserem Liegeplatz nur 3 km bis zum Mittelmeerstrand, den wir dann spätnachmittags/abends auch aufsuchten. Am nächsten Morgen weiter nach Agde. Hier zweigt ein Kanal in einer Rundschleuse ab zum Mittelmeer. Man würde da zu einem Zentrum der französischen FKK-Kultur gelangen. Aber wir wollten weiter. Am Rückweg plazierte der Schleusenwärter übrigens in der Rundschleuse insgesamt 11 Schiffe, darunter ein größeres Ausflugsboot. Mit siegesbewußtem Lächeln fotografierte er seine Meisterleistung. Weiter führte uns der Kanal unserem geplanten Wendepunkt entgegen: Marseillan Plage. Auch hier hatten wir nicht weit zum Strandleben am Mittelmeer. Hotelburgen, Restaurants, Imbißbuden prägten das Geschehen. Aber an unserem Liegeplatz für die Nacht, kurz vor dem Leuchtturm von Les Onglous war es absolut ruhig. Der Leuchtturm markiert die Einfahrt vom Canal du Midi in den Etang de Thau. Das wollten wir denn doch mit unserem anfälligen Motor nicht riskieren (ab Windstärke 4 ist das Befahren des Etang de Thau für die führerscheinfreien Hausboote verboten) und es war auch Zeit zum Umkehren.

Auch für eine halbtägige Stadtbesichtigung von Beziers nahmen wir uns Zeit: Die Kathedrale ganz oben auf dem Berg, auf dem die Stadt liegt, die Stierkampfarena: Beziers ist schon stark spanisch bzw. katalanisch geprägt. Die Straßenschilder sind zweisprachig:katalanisch und französisch. Man findet hier auch das Denkmal des Erbauers des Canal du Midi, Pierre-Paul Riquet. Und eines an die führende Persönlichkeit des französischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung: Jean Moulin. Er starb an seinen Verletzungen durch die Gestapo auf dem Transport nach Deutschland in ein Konzentrationslager.

Man kann an dem Kanal überall vor Anker gehen, wo es möglich ist. Baden im Kanal ist verboten, was auch jedem schnell einleuchtet: Die Fäkalien der (billigeren) Boote werden einfach in den Kanal gepumpt und auch sonst landen da viele Abwässer. Ein Problem unseres Bootes war der Wassertank, der 200 l faßte. Fast alle Boote haben mindestens 400 l Fassungsvermögen. Zum Kochen und Trinken verwendeten wir zwar ohnehin Mineralwasser aus dem Supermarkt, aber wenn zwei von uns ausgiebig geduscht haben, war nicht mehr viel übrig. Und die Wasserzapfmöglichkeiten in den Häfen waren ziemlich rar und manchmal schwer zu finden.

Aber alles in allem eine sehr interessante, fordernde und lehrreiche Reise.

Im Hafen von Colombiers
Bei Colombiers – Warten auf den Mechanhiker wegen Motorschaden
Bei Colombiers
Einfahrt in den Tunnel von Malpas
Westlich vom Tunnel von Malpas
Warten vor der Schleuse
Die berühmten Platanen säumen die Kanalufer – eine Pilzkrankheit ließ sie über weite Strecken absterben.
Platanen am Kanal
Mit der FC-St.Pauli-Flagge unterwegs
Überquerung des Flusses Orb
Kanalviadukt über den Fluß Orb
Denkmal für Jean Moulin, führende Persönlichkeit der französischen Resistance gegen die deutsche Besatzung.
Denkmal für Pierre-Paul Riquet, Erbauer des Canal du Midi
Regenschirmgasse in Beziers
Stierkampfarena in Beziers
Kathedrale von Beziers
Kreuzgang an der Kathedrale
Keine Burg – die Kathedrale
Liegeplatz für unseren Stadtrundgang in Beziers
Schleusentreppe von Fonserannes
Schleusentreppe von Fonserannes
Schleusentreppe von Fonserannes

 

 

 

 

 

Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.