TÜV bescheinigt effizienten Umgang mit Energie

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Die Stadtwerke Gießen erfüllen alle Anforderungen des Energiemanagements nach DIN EN ISO 50001. Ein Zertifikat, ausgestellt und kürzlich übergeben vom TÜV Rheinland, bestätigt dies.

Nie war es wichtiger als heute, Energie effizient einzusetzen. Deshalb verpflichtet der Staat große Unternehmen wie die Stadtwerke Gießen (SWG), ein Energiemanagementsystem (EnMS) nach DIN EN ISO 50001 einzuführen und zu betreiben. Die Verantwortlichen bei den SWG entschieden sich schon 2013 – also noch ohne diesen gesetzlichen Druck – für die Einführung eines EnMS, das seit 2014 greift. Schließlich ist der verantwortungsbewusste Umgang mit Ressourcen seit jeher ein zentraler Baustein der Unternehmensstrategie. Weil der Prüfzyklus drei Jahre beträgt, stand 2020 die zweite Rezertifizierung an. „Wir freuen uns sehr, dass uns die Prüfer das Dokument auch diesmal wieder ausgestellt haben“, erklärt Martin Zielke, der Energiemanagement-Beauftragte bei den SWG.

Mehr als bislang üblich

Die Prüfung, die Ende 2020 stattfand, unterschied sich deutlich von der ersten Rezertifizierung 2017. Denn seit 2018 gilt eine neue Norm. Folgerichtig müssen die SWG jetzt zahlreiche andere, bisweilen deutlich anspruchsvollere Kriterien erfüllen, um das Zertifikat zu erhalten. So zum Beispiel gilt für die novellierte Norm die sogenannte High Level Structure und damit eine Vereinheitlichung. „Das hat diesmal zwar den Aufwand erhöht und macht die Sache auch in Zukunft nicht wirklich leichter, vereinfacht aber die Zusammenführung mit anderen Normen und Managementsystemen – etwa im Bereich IT-Sicherheit – enorm“, unterstreicht Martin Zielke.

Eine weitere wichtige Neuerung: Die Prüfer haben länger Zeit für ihren verantwortungsvollen Auftrag. Oder anders ausgedrückt – sie können noch genauer hinschauen. Außerdem nimmt die neue Norm die Unternehmensführung stärker in die Pflicht. Es gilt, das EnMS in die Strategie und die Geschäftsprozesse zu integrieren, seine Bedeutung zu vermitteln sowie das gesamte Personal anzuleiten, zu involvieren und für die Sache zu gewinnen.

Dazu braucht es natürlich auch Anpassungen in der Organisation. Ebendie haben die SWG vorgenommen. So gibt es neben Martin Zielke inzwischen eine weitere Person, die sich um das EnMS kümmert, und das Energieteam. Letzteres rekrutiert sich aus Experten verschiedener Bereiche, die regelmäßig zusammenkommen und energierelevante Fragen erörtern sowie Maßnahmen und Pläne entwickeln. Die Zusammensetzung dieser Runde variiert mit der jeweiligen Fragestellung.

Neben den normbedingten Unterschieden kam es bei der aktuellen Prüfung zu einer weiteren massiven Abweichung: Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Vor-Ort-Termine in Gießen deutlich reduziert. Sie beschränkten sich im Wesentlichen auf die Begehungen verschiedener Anlagen. Die Dokumentationen, wichtige Kennzahlen und die relevanten Organigramme ließen sich die Prüfer in Videokonferenzen am Bildschirm zeigen und bis ins Detail erklären.

Aus voller Überzeugung

Anders als bei vielen anderen Unternehmen, die im Energiemanagement eigentlich nur ein lästiges Übel sehen, genießt es bei den SWG einen hohen Stellenwert. Und das gleich aus mehreren Gründen. Zunächst einmal bildet ein Zertifikat nach DIN EN ISO 50001 die Basis für das Geschäft. Denn Kommunen fordern in ihren Ausschreibungen inzwischen immer einen solchen Nachweis. Mittlerweile legen sogar einige große Kunden Wert darauf. Darüber hinaus profitieren die SWG aber auch von den Verbesserungsvorschlägen, die die Prüfer in ihrem Bericht unterbreiten. „Die haben es wirklich in sich“, weiß Matthias Funk, Technischer Vorstand der SWG. Tatsächlich kommen die TÜV-Experten extrem viel herum und haben einen entsprechend großen Überblick, was andere machen, um ihre energetische Effizienz zu steigern. Speziell das Team, das für die SWG zuständig ist, zertifiziert auch jede Menge andere Energieversorger. „Die Hinweise und Ratschläge kommen aus der Praxis und haben sich bewährt“, präzisiert Matthias Funk. „Folglich sind wir für jeden Vorschlag dankbar. Schließlich helfen sie uns unter Umständen, immer noch ein bisschen besser zu werden.“ Genau diese permanente Optimierung, also die Reduktion des Energieeinsatzes, ist nicht nur der bereits erwähnte zentrale Bestandteil der SWG-Strategie, sondern auch ein Kriterium für eine erfolgreiche Rezertifizierung. Und nicht zuletzt ist ein EnMS nach DIN EN ISO 50001 die zwingende Voraussetzung dafür, dass spezielle Steuervorteile bei der Strom- und Energiesteuer geltend gemacht werden können.

Nach der Prüfung ist vor der Prüfung

Obwohl der nächste große Check erst im Herbst 2023 ansteht, halten die SWG die Spannung in Sachen EnMS. Denn auch 2021 und 2022 folgen Kontrollen in Form von jährlichen Überwachungsaudits. Die sind natürlich nicht annähernd so umfangreich wie eine Rezertifizierung, zeigen aber immer schon auf, ob die Richtung stimmt. Was üblicherweise der Fall ist. „Obwohl wir bei den SWG Energieeffizienz leben, bereiten wir uns akribisch auf diese Prüfungen vor. Nicht nur um die Prüfer zu überzeugen, sondern weil es in unserem ureigenen Interesse liegt“, formuliert es Martin Zielke. Denn es gibt immer Dinge, die sich verbessern lassen. Und eben die gilt es, nach und nach aufzuspüren und anzugehen.