Zum Umgang mit “Luftpiraten”

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Die Aufregung kann größer kaum sein über die Landung der Ryanair-Maschine in Minsk. Unisono fordert und verhängt der Westen Sanktionen gegen Weißrussland, unbenommen davon, dass eine Bombendrohung – egal ob echt oder gefaket – vorausgegangen war, die jeden Piloten auf der Welt veranlasst hätte, sofort zu landen. Ein Passagier, Roman Protassewitsch, per Haftbefehl gesucht, wurde verhaftet. Der hat den Sturz der belorussischen Regierung zu seiner Lebensaufgabe erklärt und schon seit vielen Jahren engen Kontakt zu faschistischen Söldnertruppen in der Ukraine.

Die derzeitige Riesenempörung lässt annehmen, dies sei ein einmaliger Fall von “Luftpiraterie”. Dem ist jedoch keineswegs so. Ein Beispiel: Im Sommer 2013 wurde ein Regierungsflugzeug mit dem bolivarischen Präsidenten Evo Morales an Bord von den USA (unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama) und seinen Verbündeten zur Landung in Wien gezwungen, um den – vermuteten – Passagier Edwards Snowden zu kidnappen, der die unglaublichen, weltweiten Abhörmethoden der USA (A. Merkel: „Ausspähen unter Freunden das geht gar nicht.“) publik gemacht hatte. Dieser Luftpiraterie war bekanntlich kein Erfolg beschieden – und die westliche Wertegemeinschaft hat geschwiegen…

2 KOMMENTARE

  1. Gerne veröffentliche ich diese Zuschrift:

    Danke!
    Wäre ich bei der GZ nicht seit 2013 aus politischen Gründen gesperrt,
    hätte ich noch an die Staatsimmunität des präsidialen Flugzeugs von
    Morales erinnert: Es war Gewalt nicht gegen ein Flugzeug, sondern gegen
    einen Staatspräsidenten.
    Diese Zeilen könnt Ihr gerne mit meinem Namen unter Eurem Account eingeben.
    Aris Christides