Lebenshilfe Gießen bietet seit 30 Jahren spezifische Wohnangebote für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung an

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Die ehemalige Wohnstätte in Dorf-Güll. Hier lagen die Anfänge der spezifische Wohnangebote für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung von Seiten der Lebenshilfe Gießen.

Pohlheim/Giessen (-). Für die Lebenshilfe Gießen steht das Jahr 2021 unter einem besonderen Stern, was die Begleitung von und mit Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung betrifft. Christine Hasenauer (Bereichsleitung Wohnen) erklärt: „Wir freuen uns, dass die Lebenshilfe Gießen seit nunmehr exakt 30 Jahren spezifische Wohnangebote für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung anbietet und diese noch dieses Jahr weiter ausbaut.“

Im Jahr 1991 liegen die Anfänge. Damals zogen die ersten von später insgesamt sechs Bewohnern mit stark ausgeprägten Formen der Autismus-Spektrum-Störung in die Wohnstätte Dorf-Güll ein. „Für diesen Personenkreis gab es damals eigentlich noch gar keine oder nur sehr wenige Einrichtungen – die Bedarfe kamen aber langsam auf. Dorf-Güll war die erste Wohnstätte dieser Art in ganz Hessen“, sagt Jan Hillgärtner (Stellvertretende Bereichsleitung Wohnen), der selbst ab 2001 in der Wohnstätte tätig war, ab 2002 in leitender Funktion.

“Es war Learning by Doing, für alle neu”

Christine Hasenauer erinnert sich: „Bei manchen Bewohnern war die Betreuung in den elterlichen Wohnungen nicht mehr möglich, mancher verfügte zu diesem Zeitpunkt auch schon über Psychiatrie-Erfahrung. Die Eltern der Klienten, insbesondere damals Frau Gephard, engagierten sich schon lange stark für ihre Söhne, etwa beim Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) und im Rahmen von Elternvereinen. Irgendwann erhielt schließlich die Lebenshilfe Gießen eine Anfrage vom LWV – und gemeinsam erfolgte der Beschluss: Wir machen das.“

Binnen circa zwei Jahre zogen die Bewohner – darunter auch der später als Künstler überregional bekannt gewordene und 2014 verstorbene Matias Völksch – nach Dorf-Güll. „Es war Learning by Doing, für alle neu – für die Bewohner, aber auch für die Betreuer. Es hat einen Moment gedauert, aber irgendwann waren alle gut aufeinander eingestellt“, so Hasenauer, die in diesem Kontext die unterstützende Arbeit, die Ratschläge und die fachärztliche Begleitung von Dr. Barbara Jünger hervorhebt.

Die Wohnstätte in Dorf-Güll bestand bis 2006, die Bewohner zogen in der Folge als Gruppe in die damals neugegründete Wohnstätte „Grüninger Weg“ nach Garbenteich. „Unter anderem die vor Ort vorhandenen Unterstützungsangebote, aber auch der verkürzte Weg zur Tagesförderstätte boten wesentliche Vorteile“, sagt Jan Hillgärtner.

Hier, in der Rödgener Straße 68 in Gießen, entsteht aktuell die neueste Lebenshilfe-Wohnstätte für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung.

Im Grüninger Weg befindet sich die besagte Gruppe noch heute. Im Jahr 2004 gründete die Lebenshilfe Gießen außerdem eine Wohngemeinschaft für vier nicht-sprechende Autisten, zunächst in der Ludwigstraße, jedoch seit 2005 im Aulweg ansässig. Voraussichtlich Mitte 2021 zieht die Aulweg-WG dann in die neu errichtete und moderne Wohnstätte in die Rödgener Straße 66, die bis zu 15 Personen in drei Gruppen Platz bieten wird.

“Wohnanfragen erreichen uns mittlerweile sogar aus anderen Bundesländern und Ländern”

„Ich denke, dass unsere bisherigen und neuen Wohnangebote für Menschen mit Autismus zeigen: Die Lebenshilfe hat ein klares Profil im professionellen, würdevollen und individuell ausgerichteten Umgang mit Personen mit Autismus-Spektrum-Störung. Wohnanfragen erreichen uns mittlerweile sogar aus anderen Bundesländern und Ländern – man schätzt die binnen 30 Jahren erworbene Expertise unserer Kolleg*innen aus dem Bereich Wohnen“, unterstreicht Dirk Oßwald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen.