“Tanz in den Mai” – Zu den europäischen Wurzeln des Christentums

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Der keltische Jahreskreis bestimmt auch heute noch immer unser Leben
Der keltische Jahreskreis bestimmt auch heute noch immer unser Leben

Von Thomas Ransbach (Der vollständige Text ist online abrufbar über die Homepage www.kulturkirche-giessen.de)

Die Feste des Jahreszyklus unserer europäischen Kulturen sind für moderne Menschen wie für aufgeklärte christliche Kirchen mit Wissen um Geschichte, Kulturphasen des Menschen und Fakten zum Thema Entwicklung des Juden- und Christentums von tiefer symbolischer Bedeutung für ein fruchtbares gesellschaftlich-geistiges Leben im Europa des 21. Jahrhunderts.

Die Wahrnehmung unserer heutigen Kultur sollte daher mindestens bei der europäischen Jungsteinzeit – so um “Stonehenge” (Südengland; bei Salisbury; Baubeginn 3000 v.Chr.) herum beginnen und die lange vorchristliche und kulturell hochproduktive Epoche des europäischen Keltentums aufmerksam beachten.

Sie pflegten eine wunderbare, beeindruckend spirituelle Mystik mit großer Sensibilität für die menschliche Seele und haben zu unserer heutigen religiösen Kultur als unsere direkten Vorfahren hier auf europäischem Boden sehr viel religiöse Aspekte beigetragen.

Vitale Lebenskraft gewinnt das Christentum aus meiner Sicht dann wieder, wenn es sich seiner tatsächlichen Wurzeln und Entwicklungsphasen voll bewußt wird.

Feste wie Walpurgis, das keltische Beltaine oder der jahreszeitliche Gegensatz Halloween (All hallows eve;  „Allerheiligen“) – keltisch Samhain, wurden seit Jahrtausenden hier in unseren Regionen gefeiert als Übergangsfeste, in deren Nächte sich der Wechsel auf neue zeitliche Abschnitte von Licht und Dunkel, Wachstum oder Rückzug in „die Wurzeln“, von Leben, Lieben und Warten auf einen neuen Sommer vollzog. Denn so mancher Winter war auch hart, lang und bedrohlich in früherer Zeit.

Der keltische Jahreskreis bildet somit zum Christlichen gar keinen Gegensatz. Es handelt sich um den selben Jahreszyklus, der letztlich in den Rhythmen der europäischen Natur und ihren astronomischen Zyklen wie denen des Lebens von Aussaat, Wachstum, Ernte und Winterruhe begründet ist.

Zu einer theologisch-künstlichen Aufspaltung und Polarisierung der historischen Abläufe – Christentum versus Heidentum – und der Symbolik gibt es keinerlei sinnvollen Anlaß. Dies ist eher schädlich und schwächend auch für das Christentum, weil wir Christen damit unsere eigenen Wurzeln durchtrennen und zur reinen „Kopfgeburt“  mit emotionaler Blindheit und Taubheit werden.