Zuhause Entdecken- Die Geschichte der Einbauküche

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Zuhause sein ist gerade jetzt angesagt. Zuhause sein ist langweilig?! Das muss nicht sein. Zuhause kann man auch etwas entdecken. Zum Beispiel die Geschichte der Einbauküche. Warum haben wir eigentlich eine Einbauküche? Was ist eine Einbauküche? Die Küche war und ist für uns Menschen ein zentraler Mittelpunkt in unseren Wohnräumen. Bereits in der Steinzeit versammelten sich die Familien rund um die Feuerstelle. Zu dieser Zeit war die Feuerstelle von besonderer Wichtigkeit, denn das gezähmte Feuer spendete Licht und Wärme. Licht erleichterte das Handwerk, die Wärme konnte über Leben und Tod entscheiden. Das Feuer wurde bewacht und durfte nicht ausgehen. Die Feuerstelle war die erste Küche. Man konservierte Fleisch im Rauch, man konnte auf den heißen Steinen ein Brot backen und kochte viele verschiedene Speisen. Am Feuer wurden Kultische Handlungen vollzogen, es war heilig. Im Laufe der Geschichte änderte sich der Platz um das Feuer. Die Töpfe wurden erfunden und die mussten ja irgendwo aufbewahrt werden. Im Mittelalter standen diese bereits in Regalen oder hingen von der Decke herunter, natürlich nahe der offenen Feuerstelle. Noch immer war der Raum, indem die Feuerstelle war, der einzige warme Raum. Noch immer versammelte man sich gerne in diesem Raum, was keine große Kunst war. Die kleinen Häuser bestanden meist aus nur einem maximal drei Räumen. Oft war die Küche und der Stall im Erdgeschoss und nur die Schlafräume befanden sich im Obergeschoss. So wurde sogar die Wärme der Tiere genutzt. Ein Wohnzimmer suchte man oft vergebens. Das Fleisch wurde noch immer im Rauch gelagert. In manchen Hütten gab es sogar eine Art Kühlschrank. Im Boden der Küche konnte man oft ein Erdloch finden. In diesem Erdkeller wurde Gemüse gelagert. Die Küche konnte man bei weitem noch nicht mit der heutigen Einbauküche vergleichen. Sie war Wohnzimmer, Esszimmer, Küche und Badezimmer zugleich. Wer es sich leisten konnte, hatte eine Wanne aus Holz, später auch aus Zink, in die einmal in der Woche heißes Wasser geschüttet wurde. Badetag war meist der Samstag, damit die Familie beim Kirchgang am Sonntag nicht so müffelt. In der gleichen Wanne wurde auch die Wäsche gewaschen. Noch immer wurden Schüsseln und Tassen auf Regalen gestapelt. Teller sucht man oft vergebens. Die waren nur für besondere Anlässe. Im täglichen Gebrauch aß die Familie aus einer Schüssel und jeder hatte seinen Löffel. Der Löffel wurde erst abgegeben, wenn man seinen letzten Atemzug getan hatte. Das Messer nutzte man um Fleisch und Brot zu zerteilen und war am Tisch oft nur dem Hausherren zur Nutzung bestimmt. Die Gabel war verpönt, nutzte sie doch bekanntlich der Teufel. Niemand wollte mit diesem etwas zu tun haben. Gabel am Küchentisch war undenkbar. Man nutzte Hände und Messer zum Zerkleinern und aß mit dem Löffel. Das war bis Anfang des 18. Jahrhunderts so. Zuerst begann man vorsichtig die Gabel zu nutzen. Anfang des 19. Jahrhunderts begann man mit den Tischmanieren wie wir sie heute kennen. Nur langsam hielt der Herd Einzug in die Küche. Jedoch noch lange nicht der Elektroherd. Man feuerte mit Holz. Der Herd bestand aus Gusseisen. Unten wurde angefeuert, meist war ein kleiner aber feiner Backofen an der Seite und oben gab es die Herdplatte. Herdplatte ist hier wörtlich zu nehmen. Sie bestand aus Gusseisen und konnte auch abgenommen werden. Man konnte dort wunderbar ein Waffeleisen einhängen. Auch der Kaffee wurde auf dem Herd warmgehalten. Der Herd versorgte auch das Bügeleisen mit Wärme. Nur wer es sich leisten konnte hatte Bügeleisen, die ihre Hitze durch Kohle bekamen. Der Normalo hatte ein einfaches Eisen, welches auf dem Herd erhitzt werden musste. In dieser Zeit gab es dann auch die ersten richtigen Küchenschränke. Hier wurden dann auch das Geschirr und Töpfe hinter den Türen der Schränke versteckt. In diesen Küchenschränken gab es Platz für Schütten, in denen Gewürze gelagert wurden und auch ein eigenes Brotfach konnte man finden. Einen Kühlschrank oder Hängeschränke sucht man in dieser Küche vergebens. Lebensmittel Haltbarmachen war zu jeder Zeit ein wichtiges Thema. Erst Ende des 19. Jahrhunderts hielt der Eisschrank Einzug in unsere Küche. Der Eisschrank war ein Schrank, der aus zwei Fächern bestand. Einmal das Fach, indem die Lebensmittel gelagert wurden und ein Fach, indem ein Block Eis gelegt wurde. Das Eis wurde im Winter aus den zugefrorenen Seen geschnitten und in sogenannten Eiskellern gelagert. Der Eismann brachte die Blöcke im Sommer in die Geschäfte, Brauereien und in die Haushalte die über den Eisschrank verfügten. Der erste Kühlschrank war ein echtes Luxusgut. Erst im Zeitalter der Industrialisierung wurde auch unsere Küche modern. 1926 erfanden Margarete Schütte-Lihotzky und Ernst Mey die Frankfurter Küche. Der Küchenarbeitsplatz wurde nach ergonomischen und praktischen Erwägungen gestaltete. Auf nur acht Quadratmetern sollte die moderne Hausfrau alle Hausarbeiten schnell erledigen können. Selbst an ein eingebautes Bügelbrett wurde gedacht. Die Küche konnte man im Katalog bestellen. Es gab Anfangs zwei Varianten. Das war eine Revolution in der Möbelindustrie. Heute kann man die erste Einbauküche im Historischen Museum Frankfurt bestaunen, wenn es denn mal wieder geöffnet wird. Der Essbereich wurde deutlich von der Küche getrennt. Ein kleines Fenster in der Wand verband Küche und Speisezimmer. Man nannte es Durchreiche. Heute würde Frau eine so kleine Küche als Beleidigung ansehen. Die moderne Einbauküche ist hell, offen und individuell gestaltet. Sie ist wieder Treffpunkt der Familie und nicht selten ein Prestigeobjekt in der Wohnung. Entdecken Sie ihr Zuhause, die Einbauküche.

Im Heimatmuseum Heuchelheim