Marburg verpasst Überraschung

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Theresa Simon (am Ball) vom BC Pharmaserv Marburg war im Halbfinalspiel gegen die Rutronik Stars Keltern erfolgreichste Punktesammlerin. Foto: Christoph Luchs Photography

0:2? Brust raus, Kopf hoch!

Toyota 1. Damen-Basketball-Bundesliga:
Playoff-Halbfinale, Spiel 2: 
BC Pharmaserv Marburg – Rutronik Stars Keltern 63:71 (Serie 0:2).

Die Überraschung ist ausgeblieben. Der BC Pharmaserv Marburg ist im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft an den Rutronik Stars gescheitert. Nach der Auswärtsniederlage im ersten Spiel der Serie im Modus „Best of three“ unterlagen die Hessinnen nun auch in eigener Halle, diesmal allerdings in einem ausgeglichenen Spiel.

Damit spielen sie um die Bronzemedaille gegen den Herner TC, der ebenfalls mit 0:2 gegen die Giro-Live-Panthers Osnabrück unterlag. Marburgs erfolgreichste Korbschützin in der zweiten Partie gegen Keltern war Theresa Simon (20 Punkte, 6 Rebounds).

Nach Tiefs zurückgekommen

Und am Ende gewinnt Keltern. Immer wenn es im Halbfinale gegen Marburg geht. Zum vierten Mal in Folge. Langweilig, aber verdient. Und langweilig war dieses Spiel nun nicht. Nicht wie fünf Tage zuvor, als die Marburgerinnen als Tabellenvierter nach dem ersten Viertel schon mit 15 Punkten zurücklagen und diesem Rückstand gegen den Spitzenreiter und Pokalsieger bis zum Schluss hinterherliefen.

In eigener Halle hielt Hessens einziger Erstligist im Damen-Basketball von Beginn an dagegen, lag zu Beginn ein paar Mal vorne, kämpfte sich nach einer Schwächephase zurück, ging im letzten Viertel nochmal in Führung und hätte, wenn und aber …

Gegner gratuliert

„Marburg hat einen riesen Job gemacht. Respekt“, gratulierte Gäste-Coach Christian Hergenröther. „Gegen Ende hat man gesehen, dass irgendwann eine Siebener-Rotation [bei Marburg] dann auch mal an den Kräften zehrt. Aber es war konditionell ähnlich unserem Level. Es war für mich schon eine spannende Serie.“ Seine Mannschaft habe auch ein bisschen Glück gehabt, Marburg einige Chancen nicht genutzt. Marburgs Co-Trainer Frank Arnold sprach von einer „Riesenleistung, wie sie sich nochmal dagegengestemmt haben“.

Trotz des guten Marburger Starts waren es nach sechs Minuten dann doch schon zwölf Punkte Rückstand (14:26). Doch diesmal fand das Pharmaserv-Team gleich zurück ins Spiel. Umstellungen in der Verteidigung und viel höhere Intensität brachten Ballgewinne und Tempo nach vorne. In der 12. Minute war der BC auf 26:30 dran und ließ sich auch nicht vom 32:41 (18.) schocken.

Am Schluss ohne Kapitänin

Kurz nach dem Seitenwechsel der Ausgleich (43:43). Und von da an blieb Marburg dran. Was die Spielerinnen beider Teams trotz der vielen Ballverluste (Marburg 23, Keltern 28) an Einsatz aufs Parkett brachten, war stark. Allein, was zu richtiger Playoff-Atmosphäre fehlte, waren die Zuschauer. Was wäre in einer mit 900 Leuten besetzten Georg-Gaßmann-Halle losgewesen, als Hanna Crymble sechseinhalb Minuten vor Schluss mit 62:61 die Führung für Marburg zurückholte…

Es blieb ihre letzte Führung. Denn nur wenige Sekunden darauf wurde Marie Bertholdt ihr fünftes Foul angehängt. Nun ohne Kapitänin, konnten die Gastgeberinnen das Tempo nicht mehr halten. Ihnen gelang nur noch ein Pünktchen. Der Favorit zog vorbei und brachte die Partie und seinen vierten Finaleinzug nach Hause.

Christoph Wysocki (Marburg, Trainer):
„Wir haben im ersten Viertel 30 Punkte zugelassen, aber Keltern hat auch alles getroffen. Aber wir haben hart gearbeitet und gekämpft, viele Chancen gut rausgespielt, nur leider einfache Dinge nicht reingemacht. Aber wir können alle stolz sein, dass wir dem Bayern München des Damen-Basketballs Paroli geboten haben. Meine Mannschaft hat einen tollen Job gemacht und Keltern alles abverlangt. Aber die hatten immer die passende Antwort. Unsere Rotation ist am Ende auch so klein, dass es gegen Keltern nicht reicht. Aber was unsere Mannschaft in den drei Monaten, seit ich dabei bin, geleistet hat, ist einmalig. Wir gehen heute mit Brust raus und dem Kopf ganz hoch nach Hause. Und es ist noch eine Medaille drin, die wollen wir holen.“

Statistik:
Viertel: 22:30, 16:13, 14:12, 11:16.
Marburg: Arthur 3 Punkte, Baker 2, Bertholdt 16 (3 Steals), Crymble 6, Kiefer 2, Klug 2, Lukow (n.e.), Lückenotte (n.e.), Simon 20 (6 Rebounds), Sola, Wagner, Wilke 12/2 Dreier.
Keltern: Cvitkovic 4, Belobi-Nawezhi (n.e.), Deura, Kiss-Rusk 10 (10 Reb., 6 Assists, 3 St., 3 Blocks), Mandic (3 Ass.), Mayombo 18/2, Mingo 5 (3 St.), Pavic (n.e.), Pokk 3, Pulk (n.e.), Thomas 13 (6 Reb.), Vaughn 18 (3 Bl.).
SR: D.Rey, K.Kammann; Z: 0 (Corona).

Fun Facts: Marburg dreht binnen 28:28 Minuten einen 18:30-Rückstand in eine 62:61-Führung. / Theresa Simon stellt mit 20 Punkten einen persönlichen Bundesliga-Rekord (im Marburger Trikot) auf. / Zum ersten Mal seit 2010 enden alle Playoff-Serien vor dem Finale mit 2:0. / Keltern erreicht zum vierten Mal (in Folge) das Playoff-Finale. / Osnabrück erreicht das Playoff-Finale zum ersten Mal seit 1998 (0:3 gegen Wuppertal). Damals wurde Marburg am Ende Dritter. / Marburg spielt zum fünften Mal in Folge um Platz 3, insgesamt zum dritten Mal gegen Herne.

Fail Facts: Marburgs achte Niederlage gegen Keltern in Folge (letzter Sieg: 06.01.2019 auswärts), das ist die längste aktive Niederlagenserie gegen ein aktuelles Erstliga-Team. / Marburg scheitert auch im vierten Anlauf – zudem hintereinander – im Playoff-Halbfinale gegen Keltern. / Marburg lässt im ersten Viertel zum ersten Mal 30 oder mehr Punkte zu seit 28.11.2009 (24:31; 94:87-Auswärtssieg bei Rhein-Main Baskets) und zu Hause erst zum dritten Mal überhaupt – zuletzt am 26.10.2002 (25:31; 107:79-Heimsieg gegen NB Oberhausen).

 

Halbfinale:
Spiel 1: Keltern – Marburg 82:65 (Serie 1:0)
Spiel 2: Marburg – Keltern 63:71 (Serie 0:2).

Spiel 1: Herne – Osnabrück 59:60 (0:1)
Spiel 2: Osnabrück – Herne 66:62 (2:0).

So geht’s weiter:
Duell um Platz 3:
Hinspiel: Donnerstag, 22.04., 19 Uhr: Marburg – Herne
Rückspiel: Samstag, 24.04., 18 Uhr: Herne – Marburg.

Finale (Best of five): 
21.04., 23.04., 25.04., (falls nötig): 28.04., 02.05.:
Keltern – Osnabrück.

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(von Marcus Richter)