Bürgermeister Ruck und Pfarrer Stabel überraschen “Eier-Talkrunde”

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Eine Momentaufnahme des Screenshots. In der unteren Reihe Mitte Bürgermeister Andreas Ruck.

Runter vom Sofa und raus aus dem Pandemie-Nebel lautete die Überschrift, um sich endlich wieder in gemeinsamer Runde bei leckeren Gerichten und Getränken „rund ums Ei“ zu treffen.

Dazu hatte das Kreativteam von GV Eintracht 1869 Watzenborn-Steinberg e.V. aufgerufen und über 30 Vereinsmitglieder und Bürger waren dem Aufruf gefolgt und genossen sichtlich die etwas andere Heiterkeit nach den vergangenen Ostertagen.

Denn einen zweiten Osterdienstag ohne das traditionelle „Eier sammeln“, verhindert durch das Corona Virus sollte es auf keinen Fall geben. Nach grübel hin und grübel her, früher auch als „Querdenken“ bekannt, kamen die Kreativköpfe zum Schluss, wir drehen die wichtigsten Stellschrauben der Veranstaltung nur in die machbare Richtung.

So kam es, dass dieses Mal die Eier nicht bei den Bürgern und Mitgliedern abgeholt und abends im Grünen Baum verzehrt wurden, sondern Eier und Bier ins traute Heim geliefert wurde. So fand der abendliche Eierverzehr dieses Mal in der heimischen Küche statt und der gesellschaftliche Treff bei Bier und Gebabbel ab 20:00 Uhr abends vor den Monitoren in der „Eier-Talkrunde“ auf dem Zoomkanal.

Dank ausgetüftelter Vorplanungen war dazu einiges angerichtet, wie: 300 frische Bio Eier vom Hof Obersteinberg, 240 Flaschen Bier von der Licher Brauerei, Rezeptflyer und der Zugangslink für die abendliche „Eier-Talkrunde“.

Damit alles rechtzeitig angerichtet werden konnte, hatten Kerstin und Frank Westbrock mit umweltfreundlichem „Bringservice“ (Fahrrad mir Anhänger) die Eier- und Bierpack den Haushalten zugestellt. Damit bei der Übergabe die aktuellen Hygieneregeln eingehalten wurden, war Abstand und FFP2-Maske selbstverständlich und der Gemeinschaftsruf „Hot de Hoass geloacht“ erschallte Aerosolfrei aus der Lautsprecherbox vom Radanhänger.

Eine gelungene Überraschung, die an jeder Haustür für große Heiterkeit sorgte, selbst wenn Paket und Musik aus dem Pkw von Philipp Herbert kamen, der die Randbezirke beliefert hatte. Aber auch im Vereinslokal „Grüner Baum“ standen bei Vereinswirt Nubar Temelci einige Pakete zur Abholung bereit.

Bei der abendlichen „Eier-Talkrunde“ staunten die Vereinsmitglieder nicht schlecht, als auf dem Monitor Pohlheims Bürgermeister Andreas Ruck und Pfarrer Markus Stabel von der katholischen Kirchengemeinde St. Martin zu sehen waren. Spätestens jetzt war jedem „Eingeborenen“ der Eintracht klar, hey – es ist ja tatsächlich wie im Grünen Baum, denn da betreten ständig neue Gäste den Raum.

Und wieder machte es „blub“ und Chorleiter Dieter Schäfer trat ein und hatte gar seine Gitarre im Gepäck. Mit dieser versprühte er musikalische Stimmung aus seinem neuen Buch „Hanfelepp Rieloudid“, indem er auf 130 Seiten Bilder, Lebensgeschichten und Lieder in Steinberger Mundart veröffentlicht hat. Auch Pohlheims Ehrenbürger Walter Damasky war dabei und informierte über die Herkunft der „Eier-Sammelaktion“. Denn bis 1854 mussten die Konfirmanden alljährlich für ihren Pfarrer nach Ostern diese Sammelaktion durchführen. Erst durch einen Ablösevertrag im Jahr 1855 übernahm die Gemeindekasse diese Verpflichtung an den Pfarrer. Jedoch die Konfirmanden und späteren Burschenschaften blieben der örtlichen Sammelaktion an Osterdienstag treu, jedoch mit dem kleinen Unterschied, dass sie die Eier selbst im Gasthaus verspeisten.

Die ebenfalls in der Talkrunde anwesende Catja Fay, vom Hof Obersteinberg präsentierte ihren neuen Hofladen und gab Einblicke in die Betriebsabläufe ihres Traditionshofes.

Vorsitzender Jörg Haas äußere sich hoch erfreut, dass diese Aktion an solch großes Echo gefunden hat und dankte allen Teilnehmerinnen, Teilnehmern, Spendern und ganz besonders den Überraschungsgästen Pfarrer Stabel und Bürgermeister Ruck.

Von den leider an dieser Talkshow verhinderten Pfarrerinnen, Jutta Hofmann-Weiß und Marisa Mann, Kantorin Cordula Scobel (alle evangelische Kirche), Katharina Hilberg (Leiterin Limesschule) und Frank Happel (Licher Brauerei) übermittelte Haas herzliche Grüße.

Bürgermeister Ruck unterstrich im Grußwort seine Anwesenheit mit der Wertschätzung für das Engagement der Vereine in der Stadt Pohlheim, welches heute mit dieser Aktion charmant verkörpert würde. Da ihm der Chorgesang in Pohlheim besonders am Herzen liegt, werde er demnächst deren Vereinsvorstände zu einer ersten Runde einladen.

Pfarrer Stabel lobte diese Initiative und unterstrich die Wichtigkeit des aktiven Vereinslebens wodurch die so wichtige soziale Vernetzung hier vor Ort gestärkt würde. Der heute nur noch oft bei unseren Nachbarn mit Migrationshintergrund sichtbaren Familienzusammenhalt funktioniere auch nur bei steter Pflege, auch in unserem gesamten Lebenskreis.

Margita Mohr, Abteilungsleiterin der Chorifeen richtete ihren Blick schon wieder in die Zukunft und präsentierte die zwei Schnupperstunden, in denen Chorleiterin Karina Kardaschewa Einblicke und Informationen gibt, wie Singen und Kommunikation auch in der Coronazeit auf dem digitalen Weg funktionieren kann. Wer es also nicht mehr aushält ohne: Singstunde, Gruppentreff, Austausch, Teamspirit… sollte den kostenlosen Einblick in die Zoomtechnik am 15. und 29. April abends ab 19:30 Uhr nutzen. Auch für interessierte Sängerinnen und Sänger, ob mit oder ohne Vereinsanbindung ist die Tür geöffnet.

Bei allen Sach- und Fachinformation über Pohlheim, Schäfers Mundart-Storys und -Gesang und Wortbeiträgen, war nach 50 Minuten die Sehnsucht nach Heiterkeit und Witz derart angestaut, dass mutige „Talk-Frauen“ den Moderator Günther Dickel aufforderten, endlich die Witzerunde zu eröffnen. Mit einem Seufzer, „Oh, und Prosit“ mit dem herzhaften „Benediktiner hell“, wurde die heitere Schlussrunde eingeläutet, bei der zu Witzen und Geschichten herzhaft gelacht wurde, als säße man am Runden Tisch, zu später Stund im Grünen Baum.

Mit dem Dankes- und Schlusswort vom Vereinsvorsitzenden Jörg Haas klang um 21:30 Uhr eine auf den Kopf gestellte Veranstaltung aus. An deren Ende war jedoch klar, hier wurde nichts auf den Kopf gestellt, sondern eine Lösung gesucht, kreiert und umgesetzt. Getreu dem Motto: „Tun muss mer Tun“.

Der bei dieser Aktion erzielte Überschuss wird der musikalisch- und pädagogischen Arbeit der Limesschule zugutekommen.

Man darf gespannt sein, was die kreativen Köpfe des GV-Eintracht als nächstes ausbrüten und uns präsentieren.

Nähere Infos unter: www.eintracht-steinberg.de

Kerstin Westbrock bei ihrem umweltfreundlichen Lieferdienst
Eine Momentaufnahme des Screenshots. In der unteren Reihe Mitte Bürgermeister Andreas Ruck.
Überreichung der Eier von Günther Dickel (rechts) an Dieter Schäfer (links)