Zu wenige Schwimmkurse sind nur ein Teil des Problems, dass viele Kinder nicht mehr schwimmen können.

Zu wenige Schwimmkurse sind nur ein Teil des Problems, dass viele Kinder nicht mehr schwimmen können. Immer wieder wird beklagt, dass es zu wenige Schwimmkurse für Kinder gibt. Diese Kritik ist zweifellos berechtigt, doch sie greift zu kurz. Denn bei der Diskussion gerät ein wichtiger Aspekt zunehmend aus dem Blick: die Verantwortung der Familie.

Schwimmenlernen war oft Familiensache

Vor etwa 50 Jahren war es durchaus üblich, dass Kinder das Schwimmen von ihren Eltern oder älteren Geschwistern lernten. Auch ich habe auf diese Weise schwimmen gelernt. Natürlich gab es schon damals Schwimmunterricht in Schulen und Vereinen. Doch das Schwimmenlernen war vielfach eine Selbstverständlichkeit innerhalb der Familie.

Heute scheint sich diese Verantwortung zunehmend zu verschieben. Viele Familien verlassen sich offenbar darauf, dass Schulen, Vereine oder private Anbieter ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Dabei stehen ihnen heute sogar mehr Hilfsmittel zur Verfügung als früher. Im Internet finden sich zahlreiche verständliche Anleitungen, Videos und Übungsvorschläge, mit denen Familien ihre Kinder spielerisch und Schritt für Schritt an das Schwimmen heranführen können.

Natürlich gibt es auch Hindernisse. Vielerorts wurden Schwimmbäder geschlossen, die Wege sind länger geworden und Eintrittspreise können Familien belasten. Auch können nicht alle Eltern selbst sicher schwimmen. Diese Probleme dürfen keinesfalls kleingeredet werden.

Eine Frage der Eigenverantwortung

Dennoch sollte sich die Diskussion nicht allein um fehlende Schwimmkurse drehen. Wir sollten uns zunächst fragen, ob die Bereitschaft innerhalb der Familien, Kindern selbst das Schwimmen beizubringen, im Laufe der Zeit abgenommen hat.

Darüber hinaus stellt sich eine grundsätzliche Frage: Überlassen wir heute nicht zunehmend auch die Vermittlung anderer alltäglicher Fähigkeiten und Erfahrungen den Kindergärten, Schulen und Vereinen? Dabei war und ist es eine wichtige Aufgabe der Familie, Kindern Wissen, praktische Fertigkeiten und Selbstständigkeit mit auf den Weg zu geben.

Schwimmen zu können ist schließlich weit mehr als eine schöne Freizeitbeschäftigung. Es ist eine lebenswichtige Fähigkeit, die im Ernstfall Leben retten kann.

Deshalb brauchen wir nicht nur mehr Schwimmkurse, sondern auch wieder mehr familiäre Eigeninitiative.