
Die MIT.BIO Biogasanlage Großen-Buseck GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Gießen, errichtete auf ihrem Gelände eine Freiflächen PV-Anlage.
Seit 2011 entsteht auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Marco Klos in Großen-Buseck Biogas aus Gras, Mais und Gülle. Die beiden ebenfalls zur Anlage gehörenden Blockheizkraftwerke verwandelten den permanent entstehenden, natürlichen Brennstoff bislang schon in rund 36.400 Megawattstunden Wärme und in zirka 29.400 Megawattstunden Strom. Um diese Erfolgsgeschichte auch in Zukunft weiterzuschreiben, entschieden die Verantwortlichen, eine Photovoltaikanlage zu errichten. „Für den Betrieb der Anlage benötigen wir jährlich rund 325.000 Kilowattstunden Strom – zum Beispiel, um die kräftigen Rührwerke anzutreiben. Zirka 50 Prozent davon stellen wir jetzt mit der Kraft der Sonne selbst her“, begründet Matthias Funk das Vorgehen. Der Vorstand der Stadtwerke Gießen (SWG) ist einer der Geschäftsführer der MIT.BIO Biogasanlage Großen-Buseck GmbH (MIT.BIO).
Längerer Vorlauf
Bereits im September 2026 ging das Sonnenkraftwerk nach einem etwa einmonatigen Testlauf in den Regelbetrieb. Die Planungen für das innovative Projekt begannen schon vor rund vier Jahren. „Anfang 2022 führten wir die ersten Gespräche dazu“, erinnert sich Besim Krasnici. Als Mitgesellschafter der MIT.BIO hat der Diplom-Bauingenieur ebenfalls einen Platz in der Geschäftsführung. Ende 2023 startete das Verfahren für die Erstellung des Bebauungsplans, das schon im September 2024 abgeschlossen wurde. „An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Buseck bedanken. Die verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus waren immer für uns ansprechbar und haben sofort auf unsere Fragen reagiert“, ergänzt Besim Kransnici. Dank der engen Kooperation gelang es, die Planungen bis Ende 2025 fertigzustellen, die Bauleistungen auszuschreiben und zu vergeben. Die Bauarbeiten gingen im Januar dieses Jahres los.
Die Freiflächen-PV-Anlage mit ihren 570 Modulen und einer Leistung von 340 Kilowatt Peak produziert jährlich rund 300.000 Kilowattstunden Strom. Rein rechnerisch also fast genug für den Betrieb der Biogasanlage. Doch trotz der klassischen Ausrichtung der Module in einem kleinen Winkel nach Osten und Westen entsteht der Strom natürlich nicht immer dann, wenn er zur Herstellung des Biogases gebraucht wird. Deshalb verfügt das Gesamtsystem über einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 215 Kilowattstunden. „Damit können wir die Biogasanlage fünf bis sechs Stunden lang mit Strom versorgen“, rechnet Matthias Funk vor und kündigt gleich einen weiteren Schritt an: „Das Gehäuse, in dem das Batteriemodul steht, haben wir so dimensioniert, dass wir noch weitere zubauen und die Speicherkapazität verdreifachen können.“
Noch weiter gedacht
Zusätzliche Batteriespeicher sind aber nicht die einzige Erweiterungsoption, die die Verantwortlichen erwägen. Denn die für die Bebauung vorgesehenen zwei Hektar bieten noch Platz für weitere Solarmodule. Bislang belegt die PV-Anlage etwa ein Drittel der verfügbaren Fläche. „Etwa ein Viertel haben wir als Ausgleichsfläche ausgewiesen. Hier entsteht ein Biotop“, erklärt Besim Krasnici. Bleiben noch gut 8.000 Quadratmeter, um die bestehende PV-Anlage zu vergrößern – theoretisch auf mehr als die doppelte Leistung.
Dass die Experten nicht von Beginn an die ganze verfügbare Fläche nutzen wollten, hat verschiedene Gründe. Einer liegt in der vergleichsweise langen Zeit von der ersten Planung bis zum Bau. Denn 2022 waren Stromspeicher noch viel teurer als heute. „Ausgehend von den damals anzusetzenden Kosten, erwies es sich als sinnvoller, die PV-Anlage deutlich kleiner zu dimensionieren und damit auf den Strombedarf der Biogasanlage abzustimmen“, erklärt Matthias Funk das Vorgehen. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Einspeisung von PV-Strom nicht mehr der treibende Faktor ist. „Der wirtschaftliche Nutzen liegt in einem möglichst hohen Eigenverbrauch“, weiß Matthias Funk.
Darüber hinaus bietet es sich bei einem derart gelagerten Projekt an, zunächst einmal kleiner anzufangen, Erfahrungen zu sammeln und die Anlage sukzessive auszubauen. Genau das haben die Verantwortlichen vor: „Wir werden genau beobachten, wie sich die Stromproduktion entwickelt und wie sich die aktuelle Konstellation wirtschaftlich darstellt. Diese dann gesicherten Werte sind die ideale Basis, um weiter zu planen“, bringt es Besim Krasnici auf den Punkt.


