In der Geriatrischen Tagesklinik geht es bei den Begegnungen mit dem Vierbeiner vom DRK Kreisverband Marburg – Gießen um weit mehr als Streicheln
„Ach, da ist ja der Hund!“ Wenn Dave alle zwei Wochen gemeinsam mit seinem Frauchen Frau Geisel die Geriatrische Tagesklinik des St. Josefs Krankenhauses Balserische Stiftung besucht, ist die Freude meist sofort spürbar. Ein Lächeln, leuchtende Augen und oft auch eine spontane Kontaktaufnahme mit dem Vierbeiner gehören zu den ersten Reaktionen. Doch hinter den regelmäßigen Besuchen steckt mehr als eine willkommene Abwechslung im Klinikalltag: Dave wird gezielt in die Therapie und Aktivierung der Patienten einbezogen.
In der Geriatrischen Tagesklinik werden ältere Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei gesundheitlichen Einschränkungen gezielt dabei unterstützt, ihre Selbstständigkeit zu erhalten oder wiederzugewinnen. Bewegung, Konzentration, Gedächtnis und Kommunikation spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Begegnungen mit Dave schaffen dafür einen besonderen Zugang.
„Bei fast allen älteren Menschen sieht man ein Strahlen oder zumindest ein Lächeln, wenn sie Dave sehen“, berichtet Frau Geisel. Diese unmittelbare Reaktion ist ein schöner Ausgangspunkt für die gemeinsamen Übungen. Denn wenn Dave da ist, fällt es vielen Patienten leichter, sich auf eine Aktivität einzulassen, miteinander ins Gespräch zu kommen oder sich zu bewegen.
Therapie mit vier Pfoten
Dabei wird Dave auf ganz unterschiedliche Weise in die Einheiten eingebunden. In einer Vorstellungsrunde erzählen die Patienten beispielsweise aus ihrem Leben – eine Gelegenheit für Biografiearbeit und persönlichen Austausch. Beim „Flaschendrehen“ werden Grob- und Feinmotorik angesprochen, beim gemeinsamen Wäscheaufhängen steht die Feinmotorik im Mittelpunkt. Das Gedächtnis wird etwa
beim Spiel „Ich packe meinen Koffer“ gefordert. Auch Hundesprüche bieten einen Anlass, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen abzurufen.
Hinzu kommen die unmittelbaren Aktivitäten mit Dave: ihn streicheln, ihm ein Leckerli geben oder kleine Bewegungsübungen gemeinsam mit ihm durchführen. So können Bewegung, Koordination, Konzentration und Kommunikation miteinander verbunden werden.
„Ich versuche, die Menschen im Hier und Jetzt abzuholen und ihnen eine Stunde Spaß und Freude mit dem Hund zu geben“, beschreibt Frau Geisel ihren Ansatz. Für das Team der Geriatrischen Tagesklinik ist gerade diese Verbindung wertvoll: Dave schafft einen emotionalen Zugang und motiviert auf seine ganz eigene Art zur Teilnahme. Aus einer Begegnung mit dem Hund kann so eine Übung entstehen, aus
einer Übung ein Gespräch und aus einem Gespräch eine persönliche Erinnerung.
Dave nimmt die Menschen, wie sie sind
Eine besondere Qualität der Begegnungen liegt dabei in Daves unkomplizierter Art. „Dave behandelt alle Menschen gleich. Ob jemand besonders gesprächig ist, sich zunächst zurückhaltend zeigt oder körperlich nur eingeschränkt mitmachen kann – Dave begegnet jedem Menschen offen und ohne Vorbehalte.
Manchmal werden durch ihn auch Erinnerungen an eigene Haustiere wach. Das kann Freude auslösen, aber auch einen Moment der Trauer, wenn ein früherer tierischer Begleiter bereits verstorben ist. Auch für solche Situationen ist Raum. Dave kann dann Nähe und Trost vermitteln, während Frau Geisel die Situation aufmerksam begleitet.
Dabei achtet sie nicht nur auf die Patienten, sondern ebenso auf ihren Hund. In der Ausbildung hat sie gelernt, Stresssignale wie Kratzen, Gähnen oder Lecken zu erkennen. Zeigt Dave, dass er eine Pause braucht, bekommt er diese auch. „Dann mache ich in dieser Zeit kognitive Übungen mit den Patienten“, erklärt Frau Geisel.
Ein speziell ausgebildetes Team
Damit Dave als Therapiebegleithund in der Geriatrischen Tagesklinik eingesetzt werden kann, musste Dave und sein Frauchen Ulrike Geisel gemeinsam einen Eignungstest absolvieren. Es folgten theoretische und praktische Ausbildungseinheiten, Hospitationen mit erfahrenen Ausbildern und schließlich eine Abschlussprüfung beim DRK Landesverband Hessen.
Für Frau Geisel ist die Arbeit mit älteren Menschen und ihrem Hund eine besondere Verbindung: „Ich arbeite gerne mit älteren Menschen und mit meinem Hund. In diesem Ehrenamt habe ich das perfekte Zusammenspiel aus beidem.“
Wie nachhaltig die Begegnungen sein können, zeigt eine Geschichte, die ihr besonders in Erinnerung geblieben ist. Eine Bekannte erzählte ihr von einer Nachbarin, die ein Foto von Frau Geisels früherem Hund Ray stolz zu ihren Familienfotos gestellt hatte. Wann immer sie später den Nachbarshund sah, erzählte sie von Ray und davon, wie toll er gewesen sei.
Auch Dave hinterlässt seine Spuren. Nicht nur während seines Besuchs in der Tagesklinik, sondern manchmal auch noch lange danach. Für die Geriatrische Tagesklinik ist er damit ein besonderer Begleiter, der Menschen erreicht – über Bewegung und Aktivierung, vor allem aber über Nähe, Freude und persönliche Erinnerungen.





