Stimme und Klang

“Stimme und Klang”,

ein inklusives Musik- und Videoprojekt, welches Menschen mit und ohne Hörbehinderungen zusammenbringt und in dem Alltagssprache, Chormusik und Gebärdensprache zu einer gemeinsamen künstlerischen Form verschmelzen.  Jedes Mitglied des Projekts kann auf schriftliche, mündliche oder gebärdensprachliche Weise einen Satz beitragen, der das alltägliche Leben, Denken und Empfinden beschreibt. Diese individuellen Alltagsphrasen bilden das Ausgangsmaterial für eine neue musikalische Komposition mit dem Titel “Alltag”.  Projektleiter und Komponist sowie  Dolmetschende für Deutsche Gebärdensprache, setzen die Phrasen in Gebärde und Sprache und der Komponist vertont diesen zur Komposition „Alltag“. In enger Zusammenarbeit aller Beteiligten wird das Stück in Proben, langsam, gemeinsam erarbeitet. Die Verbindung von Stimme, Körper und Gebärde. Die Gleichwertigkeit der Ausdrucksformen liegt hierbei im Fokus. Aus Sprache entsteht Musik. Aus Vielfalt entsteht Harmonie. Aus Teilhabe ensteht Sichtbarkeit.

In der Musik ist die Stille genauso wichtig wie der Klang. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist John Cages Werk 4′33″. Während des ganzen Stückes spielt der Musiker keine einzige geschriebene Note. Und trotzdem existiert das Werk. Wir beginnen, die Stille, den Raum und das wahrzunehmen, was wir normalerweise nicht beachten. In unserem Projekt bekommt dieser Gedanke eine neue Bedeutung. Aus künstlerischer Sicht begegnen sich hier Stille und Klang. Die Stimme begegnet der Gebärde. Das, was man hören kann, trifft auf das, was man sehen und fühlen kann. Aus dieser Begegnung entsteht eine neue gemeinsame Form von Musik. Aber für uns ist das nicht nur ein künstlerisches Experiment. Aus sozialer Sicht möchten wir die Grenzen unserer Empathie erweitern. Für hörende Musiker öffnen wir eine neue Dimension der lautlosen Kommunikation – die Möglichkeit, Musik nicht nur mit der Stimme, sondern auch mit dem Körper, mit Gesten und mit dem Blick auszudrücken. Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung öffnen wir auf der anderen Seite die Erfahrung des gemeinsamen Musizierens in einem Chor – auch dort, wo der Klang nicht das wichtigste Mittel der Kommunikation ist. Wir möchten zeigen, dass die Grenzen von gegenseitigem Verständnis viel weiter gehen als verschiedene Sprachen oder verschiedene Nationalitäten. Menschen können sogar die Welt auf unterschiedliche Weise wahrnehmen – und trotzdem eine gemeinsame Sprache finden. Kunst in den Händen von Menschen guten Willens kann sogar Dinge miteinander verbinden, die auf den ersten Blick Gegensätze sind: Klang und Stille, Stimme und Gebärde, Hören und Sehen. Und vielleicht beginnt gerade dort, wo unsere gewohnten Möglichkeiten der Kommunikation enden, der wirkliche Wunsch, einen anderen Menschen zu verstehen. Das Projekt wurde von Ivan Bohdanov, dem Chorleiter des Kulturchores Alis Canticum, erstellt und durch den Teamvorstand des Gesangvereins Harmonie Münster e.V. umgesetzt.

Die Teilnahme ist kostenfrei und ein Förderprojekt des BMCO.

Wir möchten Menschen mit und ohne Hörbehinderung für dieses Projekt begeistern können. Weitere Infos gerne unter 01746642203

Der Teamvorstand der Harmonie Münster e.V.

https://harmonie-muenster.jimdofree.com/downloads

Andrea Eller, Markus Lang