Am 15. September 2026 veröffentlichte der Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) das neue Zivilgesellschaftliche Lagebild Antidiskriminierung 2025. Grundlage sind die dokumentierten Diskriminierungsfälle der beteiligten Antidiskriminierungsberatungsstellen im advd, zu denen auch die Beratungsstelle von Antidiskriminierung Mittelhessen gehört.
Wir als Mitgliedsorganisation des advd haben an der Erhebung mitgewirkt und beraten Menschen, die Diskriminierung erfahren. Dadurch können wir die bundesweiten Ergebnisse auch aus der Perspektive unserer Arbeit und der Situation vor Ort einordnen und bestätigen.
advd veröffentlicht neues Lagebild: Beratungsanfragen in der Arbeitswelt deutlich gestiegen
Zivilgesellschaftliches Lagebild Antidiskriminierung 2025: 4.106 neue Fälle dokumentiert / Fälle pro Beratungsstelle im Arbeitskontext seit 2023 um 54,2 Prozent gestiegen
Berlin, 15. September 2026 – Der Beratungsbedarf bei Diskriminierung steigt weiter: Im Jahr 2025 wurden bei den teilnehmenden Antidiskriminierungsberatungsstellen im Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) 4.106 neue Diskriminierungsfälle erfasst. Das entspricht durchschnittlich 142 Fällen pro Beratungsstelle – 19,0 Prozent mehr als 2024 und 35,9 Prozent mehr als 2023.
Diskriminierung in der Arbeitswelt im Fokus
Erstmals widmet das Zivilgesellschaftliche Lagebild Antidiskriminierung einen Themenschwerpunkt der Arbeitswelt. Die Arbeitswelt ist der Bereich, in dem die meisten Diskriminierungsfälle gemeldet wurden. 2025 machen sie mehr als ein Viertel aller erfassten Fälle aus. Gegenüber 2023 ist die Zahl der Fälle pro Beratungsstelle um 54,2 Prozent gestiegen.
Knapp die Hälfte der Fälle betrifft rassistische Diskriminierung. Überdurchschnittlich häufig werden im Arbeitskontext insbesondere Diskriminierungen anhand des Geschlechts, von Behinderung oder chronischer Erkrankung sowie des Lebensalters gemeldet.
Die Ergebnisse erscheinen zu einer Zeit, in der die Bedingungen von Arbeit und die Rechte von Beschäftigten verstärkt politisch verhandelt werden. Gleichzeitig zeigt die Auswertung der Beratungsfälle, dass Diskriminierung in der Arbeitswelt ernst genommen werden muss.
„Die hohe Zahl der Beratungsanfragen zeigt, dass Diskriminierung im Arbeitsleben kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Herausforderung ist. Betroffene brauchen wirksame und vertrauenswürdige innerbetriebliche Beschwerdestrukturen [sowie zugängliche und dauerhaft abgesicherte zivilgesellschaftliche Antidiskriminierungsberatungsstellen], um Diskriminierung ohne Angst vor Nachteilen ansprechen zu können“, sagt Eva Maria Andrades, Geschäftsführerin des advd.
Wirksamer Diskriminierungsschutz braucht starke Strukturen
Die insgesamt 4.106 neu erfassten Fälle entsprechen mehr als elf Fällen pro Tag – und bilden dennoch nur einen Ausschnitt der Diskriminierungserfahrungen in Deutschland ab. An der Erhebung beteiligten sich 29 der 40 Mitgliedsorganisationen des advd.
Gleichzeitig trifft der steigende Beratungsbedarf auf vielerorts stark ausgelastete Beratungsstellen. Umso wichtiger sind dauerhaft abgesicherte zivilgesellschaftliche Beratungsangebote, wirksame innerbetriebliche Beschwerdestrukturen und starke Schutzrechte für Beschäftigte.
„Steigende Diskriminierungszahlen sind ein Warnsignal. Gerade jetzt müssen wir den Schutz vor Diskriminierung stärken. Die Arbeitswelt muss ein Ort sein, an dem alle Menschen die gleichen Chancen haben und denselben Respekt erfahren“, sagt Anja Piel, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Gewerkschaften und Betriebsräte leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Rechte der Beschäftigten: Sie beugen Diskriminierung vor, unterstützen Betroffene und setzen sich für Gleichbehandlung ein.“
Auch rechtlich sieht der advd Reformbedarf. Andrades fordert: „Es braucht eine deutliche Verlängerung der Frist zur Geltendmachung von Ansprüchen nach dem AGG. Die zweimonatige Frist setzt Betroffene [und Beratungsstrukturen] unter enormen Zeitdruck und erschwert innerbetriebliche oder außergerichtliche Lösungen.“
Das Zivilgesellschaftliche Lagebild Antidiskriminierung 2025 verbindet die Auswertung der Beratungsfälle mit Erfahrungen aus der Beratungspraxis und Perspektiven aus Gewerkschaften, Rechtspraxis und Organisationsentwicklung.
Das vollständige Lagebild finden Sie auf der Website des advd: https://www.antidiskriminierung.org/pressemitteilungen-advd
Über den advd
Der Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) ist ein Dachverband unabhängiger Antidiskriminierungsberatungsstellen mit aktuell 40 Mitgliedsorganisationen.




