Der Ausbau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen im Landkreis Gießen kommt deutlich langsamer voran als geplant. Das zeigen aktuelle Angaben des Landes Hessen, die der ADFC Gießen ausgewertet hat.
Bei 75 Prozent der Radwegeprojekte hat sich die geplante Fertigstellung gegenüber dem Vorjahr nach hinten verschoben.
Von den zwölf Projekten im Landkreis Gießen mit einem konkreten Fertigstellungstermin sollen neun später fertig werden als noch 2025 vorgesehen. Das entspricht 75 Prozent. Die Verschiebungen betragen bei diesen zwölf Projekten insgesamt 11 Jahre. Im Durchschnitt beträgt die Verzögerung innerhalb des letzten Jahres also 0,94 Jahre.
Besonders deutlich sind die Verzögerungen beim Radweg zwischen Alten-Buseck und Großen-Buseck. Hier wurde der geplante Fertigstellungstermin von 2027 auf 2029 verschoben. Auch der Radweg zwischen Großen-Linden und Hörnsheim wurde von 2027 auf 2029 verschoben. Für die Radwege zwischen Reiskirchen und Burkhardsfelden sowie Reiskirchen und Hattenrod verschiebt sich die Fertigstellung jeweils von „nach 2030“ auf „nach 2033“.
„Die Zahlen zeigen, dass der Radwegebau im Landkreis Gießen ins Stocken geraten ist“, erklärt der Vorsitzende des ADFC Gießen Walter Lenz. „Viele dieser Projekte sind seit Jahren geplant. Wenn sich die Fertigstellung dann immer weiter nach hinten verschiebt, ist das ein falsches Signal. Erforderlich ist vielmehr im gesamten Verkehr eine Kontinuität in der Finanzierung, um die Kapazität für Planungen und Bau zu sichern und die notwendigen Infrastrukturen langfristig und zuverlässig zu sichern. “
– Menschen im Landkreis warten seit Jahren auf sichere Radwege –
Betroffen sind wichtige Verbindungen im gesamten Landkreis. Dazu gehören unter anderem die Radwege zwischen Grünberg und Mücke, zwischen Dutenhofen und Allendorf sowie zwischen Gießen und Buseck-Oppenrod, die sich alle um ein weiteres Jahr verzögert haben.
Gerade für Alltagswege sind diese Verbindungen von großer Bedeutung. Viele Menschen würden gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen fahren. Fehlende oder unsichere Radwege verhindern jedoch häufig, dass das Fahrrad eine echte Alternative zum Auto wird.
– Nicht nur einzelne Projekte stocken – die Rahmenbedingungen verschlechtern sich –
Aus Sicht des ADFC Gießen sind die Verzögerungen nicht allein ein Problem einzelner Bauvorhaben. Sie müssen auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in der hessischen Verkehrspolitik betrachtet werden. Der ADFC kritisiert, dass wichtige Strukturen für die Förderung und Planung des Fuß- und Radverkehrs geschwächt oder abgeschafft wurden.
Dazu gehört insbesondere die Auflösung des Fachreferats für Nahmobilität im Verkehrsministerium. Auch die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen, die Kommunen bei der Planung und Umsetzung von Projekten unterstützt, wurde deutlich zurückgefahren. Gerade angesichts des ohnehin bestehenden Planungsstaus ist es aus Sicht des Fahrradclubs das falsche Signal, Fachkompetenz und Unterstützungsstrukturen für den Rad- und Fußverkehr abzubauen.
– Sondervermögen muss auch beim Radverkehr ankommen –
Auch bei den zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur sieht der ADFC Gießen Handlungsbedarf. Das Land hat angekündigt, bis 2028 insgesamt 140 Millionen Euro aus dem Sondervermögen zusätzlich in die Landesstraßen zu investieren. Nach dem Hessischen Nahmobilitätsgesetz sollen 10 Prozent der Mittel für den Landesstraßenbau für Geh- und Radwege eingesetzt werden. Bisher zeigt die Landesregierung aber keine Bereitschaft, die Gelder auch für Radwege zu investieren.
– Radwegebau braucht politische Priorität –
Für den ADFC Gießen zeigen die Zahlen aus dem Landkreis deutlich, dass der Radwegebau eine höhere Priorität bekommen muss. Der ADFC fordert daher von Land und Hessen Mobil:
• bereits geplante Radwegeprojekte konsequent zu beschleunigen,
• ausreichend Personal und Fachkompetenz für die Radverkehrsplanung bereitzustellen,
• zusätzliche Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen für Geh- und Radwege einzusetzen und
• die vorhandenen Mittel für den Radwegebau tatsächlich zeitnah in konkrete Projekte umzusetzen.
– Die Projekte im Landkreis Gießen –
Die Auswertung des ADFC Gießen basiert auf den Angaben von Hessen Mobil aus den Jahren 2025 und 2026. Von den zwölf Projekten mit konkretem Fertigstellungstermin verschiebt sich der geplante Termin bei neun Projekten nach hinten.
Zu den betroffenen Projekten gehören unter anderem:
• L3007: Radweg Hessenbrückenhammer – von 2026 auf 2027
• L3128: Radweg zwischen Alten-Buseck und Großen-Buseck – von 2027 auf 2029
• L3129: Radweg zwischen Großen-Linden und Hörnsheim – von 2027 auf 2029
• L3132: Verbreiterung Radweg zwischen Watzenborn-Steinberg und Gießen – von 2028 auf 2029
• L3451: Radweg zwischen Allendorf und Kleinlinden – von 2028 auf 2029
• L3451: Radweg zwischen Dutenhofen und Allendorf – von 2029 auf 2030
• B457: Radweg zwischen Hungen und Hof Graß – von 2029 auf 2030
• B49: Radweg zwischen Gießen und Oppenrod – von 2030 auf 2031
• B49: Radweg zwischen Grünberg und Mücke – von 2031 auf 2032
• L3129: Radweg zwischen Reiskirchen und Burkhardsfelden – von „nach 2030“ auf „nach 2033“
• L3355: Radweg zwischen Reiskirchen und Hattenrod – von „nach 2030“ auf „nach 2033“
Die Zahlen basieren auf der Gegenüberstellung der Projektangaben von Hessen Mobil aus den Jahren 2025 und 2026. Grundlage der landesweiten Auswertung sind die Antworten der Hessischen Landesregierung auf Kleine Anfragen der Landtagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN.
Die Daten stammen aus diesen Tabellen:
https://starweb.hessen.de/cache/DRS/21/9/04089.pdf
https://starweb.hessen.de/cache/DRS/21/5/01535.pdf





