Wer würde eigentlich die kompletten Rentenbeiträge für Beamte zahlen, wenn das System dahingehend geändert würde dass Beamte in die Rentenkasse zahlen? Der Staat selbst.
Und damit zur entscheidenden Frage: Für wen entstünde hier eigentlich ein „Gewinn“, wenn der Staat Geld in eine eigene Körperschaft einzahlt?
Viele Kritiker verbeißen sich aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Statt reflexartig Kürzungen bei den Pensionen zu fordern, müsste die Debatte längst anders geführt werden: Warum reden wir nicht darüber, die Renten endlich um min. 20 Prozent anzuheben?
Natürlich kommt sofort der Einwand: Wer soll das bezahlen? Schließlich steuern wir auf ein demografisches Problem zu.
Das stimmt, aber nur, wenn wir weiterhin stur an alten Finanzierungsmodellen festhalten. Denn während die Bevölkerung altert, passiert gleichzeitig etwas anderes: Die Produktivität pro Erwerbstätigem steigt seit über 100 Jahren kontinuierlich. Und mit Automatisierung und Künstlicher Intelligenz wird sich diese Entwicklung noch einmal deutlich beschleunigen.
Die eigentliche Schieflage liegt also woanders: Wir belasten weiterhin primär menschliche Arbeit mit Steuern und Sozialabgaben, während die stetig wachsende Produktivität kaum systematisch zur Finanzierung des Gemeinwesens herangezogen wird. Warum also nicht genau dort ansetzen? Eine generelle Besteuerung von Produktivität statt von Arbeit könnte nicht nur die Sozialkassen stabilisieren, sondern auch das demografische Problem deutlich abfedern. Ja, das wäre ein radikaler Schritt, eine extreme finanzpolitische Zeitenwende. Aber wer ehrlich ist, erkennt: An einem solchen Umdenken führt mittelfristig kein Weg vorbei. Und es könnte genau der Schlüssel sein, um die Altersvorsorge endlich nachhaltig zu sichern.
Denken wir die aktuellen Entwicklungen konsequent weiter: Fabrikhallen, in denen heute schon kaum noch Menschen arbeiten, werden zur Regel, und der Personalbedarf wird weiter sinken.
Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend Aufgaben, für die bislang viele Arbeitskräfte nötig waren. Gleichzeitig entstehen Technologien, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen: Die ersten Häuser werden bereits heute von Robotern gedruckt. Was nach Zukunft klingt, ist längst Realität.
Auch außerhalb der Industrie holen Roboter auf. In den kommenden zehn Jahren ist mit einem regelrechten Entwicklungssprung zu rechnen. Die Folge ist absehbar: Der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft wird deutlich zurückgehen.
Wie also darauf reagieren? Eine simple „Robotersteuer“ greift zu kurz und verkennt das eigentliche Problem. Die unbequeme Wahrheit lautet: Unser gesamtes Abgaben- und Finanzierungssystem passt nicht mehr zu dieser Entwicklung. Wenn immer weniger Menschen klassische Erwerbsarbeit leisten, kann genau diese Arbeit auch nicht länger die Hauptlast der Staats- und Sozialfinanzierung tragen.
Das führt zu einer klaren Konsequenz: Pensionen sind fair, Renten sind es nicht. Deshalb müssen Renten deutlich angehoben und in Richtung 70 bis 80 Prozent angeglichen werden, wenn wir gesellschaftliche Stabilität erhalten wollen.
Die Finanzierung dafür wird gelingen, wenn wir unser Abgabensystem grundlegend neu denken: Weg von der einseitigen Belastung menschlicher Arbeit, hin zu einer konsequenten Besteuerung von Produktivität. Und zwar nicht irgendwann, sondern absehbar. Diese Debatte ist unausweichlich.
Doch kaum jemand denkt zwei Schritte weiter, wenn es um diese komischen Beamten wie mich geht….




