Bei der Gießener Pfingstregatta wird erstmals über Satellit gestartet

Das Rennen im Frauen-Doppelvierer A in Höhe des Christoph-Rübsamen-Stegs (Foto: Frank Beck)

Die Gießener Traditionsregatta geht mit der Zeit – es profitieren die Sportlerinnen und Sportler

(nb) Bei der 114. Auflage der Gießener Pfingstregatta haben Vereine von Konstanz bis Kiel gemeldet. Die meisten Meldungen gingen von der Rudergesellschaft Heidelberg ein, gefolgt vom Gießener Ruderclub Hassia 1906 und der Gießener Rudergesellschaft 1877 (GRG), der RG Bad Kreuznach und dem RV Nürtingen. Insgesamt über 550 Sportlerinnen und Sportlern werden an den drei Pfingsttagen in 340 Läufen über die Strecke gehen. Die einmalige Stimmung im Zielbereich, die Siegerehrungen mit Fanfare und Pokalübergaben durch Prominente sind für viele Ruderinnen und Ruderer Anreiz, die Pfingsttage in Gießen bei der traditionsreichen Regatta zu verbringen.

Die nicht nur aufgrund ihrer historischen Bedeutung beeindruckenden Siegerpokale werden am Pfingstsonntag und Pfingstmontag am Siegersteg ausgestellt. Aus der Nähe kann man auch die Gravuren der Siegermannschaften seit zum Teil über 70 Jahren lesen. In diesem Jahr wird der Pokal des Hessen-Preises am Pfingstmontag (Startzeit 16.10 Uhr) von der Sportbeauftragten des Landes Hessen, Ann Kathrin Linsenhoff, überreicht. Die Olympiasiegerin im Dressurreiten hat an der Justus-Liebig-Universität Tiermedizin studiert und war von 2008 bis 2018 stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland. Heute sieht sie sich als Bindeglied zwischen Sport und Politik, das dem Ehrenamt und den Vereinen als Orten der Begegnung Stimme und Gesicht geben will. Als lokale Vertreterinnen haben sich neben Landrätin Anita Schneider, Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, Bürgermeister Alexander Wright und Vertretern der Fraktionen des Stadtparlaments auch der Bundestagsabgeordnete Frederik Bouffier und der Vorsitzende des Sportkreises Gießen Prof. Heinz Zielinski angekündigt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwarten bei der Pfingstregatta also nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch Interviews mit der Prominenz am Siegersteg.

In diesem Jahr sind in den Herausforderungs- und Wanderpreisen insgesamt 29 Vorläufe erforderlich, um die Finalteilnehmer zu ermitteln. Während der Sieger eines Vorlaufs sicher die nächste Runde erreicht, hoffen die Zweitplatzierten darauf, sich über die schnellere Zeit zu qualifizieren. Dabei kommt es oft auf Sekundenbruchteile an – die in Gießen nun erstmals mit einer durchgehend computergesteuerten Zeitnahme gemessen werden. Hartmut Sorg, Vorsitzender des Regattavereins Gießen, hat mit seinem Team verschiedene Alternativen ausprobiert, wie das bisher über Funk gemeldete Startsignal direkt in die Regattasoftware eingespeist werden kann. „Die ursprüngliche Idee, den Start über eine Richtantenne anzubinden, hat sich als nicht praktikabel herausgestellt. Bei spiegelglattem Wasser liegt das Starterboot still und das Netz steht. Wir haben aber unterschätzt, wie sehr bereits kleine Wellen das Boot ins Schwanken bringen. Manchmal führt ein Umweg – in unserem Fall über einen Satelliten – zuverlässiger ans Ziel“ resümiert er mit einem Schmunzeln das Ergebnis der technischen Entwicklungen. Darüber hinaus sind bei der 114. Auflage der Pfingstregatta erstmals nicht nur die Rennergebnisse, sondern die gesamte Regatta einschließlich aller Um- und Abmeldungen live im Internet verfügbar.

Auch in sportlicher Hinsicht hat die Pfingstregatta wieder einige Höhepunkte aufzuweisen. Im Männereiner um den Lahnpokal (Startzeit Sonntag 16.13 Uhr) sind Gerrit Schäfer vom GTRV Neuwied und Michael Wieler von der Gießener Rudergesellschaft 1877 als Favoriten einzuschätzen. Beide haben den prestigeträchtigen Pokal in der Vergangenheit bereits mehrfach gewonnen und sind auch am Pfingstmontag im Rennen um den Poppe-Preis (Startzeit 14.57 Uhr) über die Sprint-Distanz über 350 m im Finale zu erwarten. Im Fraueneiner-Rennen um den Liebig-Preis (Startzeit Sonntag 16.52 Uhr), der im Jahr 2002 von Olympiasieger und Ehrenpräsident des Deutschen Ruderverbands Prof. Dr. Wolfgang Maennig als Pendant zum Lahnpokal gestiftet wurde, müssen aufgrund der Zahl der Meldungen ebenfalls Vorläufe ausgefahren werden. Hier gilt die amtierende Deutsche Meisterin auf dem Ruderergometer, Katja Beerscht vom Gießener Ruderclub Hassia 1906, als Favoritin.

In den Doppelvierer-Rennen um den Hassia-Preis (Männer, Sonntag 17.05 Uhr) und Martiny-Preis (Frauen, Sonntag 17.30 Uhr) haben jeweils fünf Boote gemeldet. Bei den Männern sind mit Gerrit Schäfer (GTRV Neuwied), Marc und Tim Danne (WSV Honnef) und Andreas Thiem (Hanauer RG) vier Sportler am Start, die in ihrer Karriere bereits die Deutsche Sprintmeisterschaft gewonnen haben. Im Frauenrennen will im Boot des Mannheimer Rudervereins Amicitia Verena Schuhmacher den Sieg aus dem Vorjahr wiederholen, wenn auch mit anderen Partnerinnen. Auch die beiden Gießener Boote mit der letztjährigen Siegerin im Liebig-Preis Lara Buseck (Gießener Rudergesellschaft 1877) und das Boot des Gießener Ruderclub Hassia 1906 mit der Bronzemedaillengewinnerin der Deutschen Sprintmeisterschaften im Fraueneiner Wiebke Hanack an Bord rechnen sich Chancen auf das Finale aus.

Im Rennen um des Großherzogspreis (Sonntag, 17.49 Uhr) gehen vier Boote an den Start, von denen sich drei über Vorläufe für das Finale qualifizieren. Einer der Favoriten ist der Sparkasse Gießen-Achter, ein Projekt der Gießener Rudergesellschaft 1877 und des Gießener Ruderclub Hassia 1906, der auch in der Saison 2026 Gießen in der Ruder-Bundesliga vertreten wird. Die Mannschaft ist zwar spezialisiert auf die 350 m-Sprintstrecke, aber auch auf der 1.000 m-Strecke muss die einheimische Mannschaft erst einmal geschlagen werden.

Jeweils nach der Mittagspause am Sonntag (14.00 Uhr) und Montag (13.15 Uhr) finden die spektakulären Rennen im Sprint-Cup der Sparkasse Gießen statt. Am Pfingstsonntag treten die Konkurrentinnen aus dem Doppelvierer der Gießener RG und des Ruderclub Hassia gemeinsam als Gießener Achter gegen die Heidelberger RG an. Im Männerachter liegen fünf Meldungen vor. Als Favoriten gelten hier die beiden Teams aus der Ruder-Bundesliga, neben dem Sparkasse Gießen Achter die Mannschaft der BOB-Automotive Ruhrpiraten Essen, die in der Abschlusstabelle der Bundesliga 2025 noch einen Platz vor dem Gießen-Achter lag. Beide Teams haben sich für die neue Saison viel vorgenommen und freuen sich auf das erste Kräftemessen der neuen Saison bei der 114. Gießener Pfingstregatta.

Marc Weber, der einheimische Olympiastarter und Lahnpokal-Sieger der letzten Jahre, ist aufgrund von Trainingsmaßnahmen des Deutschen Ruderverbands in 2026 bei seiner Heimatregatta nicht am Start. Da Olympiasieger Oliver Zeidler nach einem Jahr Wettkampfpause den Einer besetzt, strebt Marc Weber sowohl für die diesjährigen Weltmeisterschaften als auch für Olympia 2028 einen Platz im Doppelvierer an. In dieser Bootsklasse hat Deutschland sowohl in London als auch in Rio die Goldmedaille gewonnen. Der Verband hat diese nach dem Achter schnellste Bootsklasse für Los Angeles zum Prioritätsboot erklärt und den Trainer des Goldmedaillengewinners von Paris aus den Niederlanden abgeworben. Marc Weber sieht in diesem Projekt die besten Chancen, in Los Angeles um Medaillen mitrudern zu können. Er ist daher kürzlich umgezogen an den Stützpunkt nach Ratzeburg, um sich dort als Teil des Bundeskaders allen Selektionsmaßnahmen zu stellen und für einen Platz im Doppelvierer zu qualifizieren.

Wie in den Jahren zuvor wird die DLRG Gießen auch in diesem Jahr wieder für die Sicherheit auf dem Wasser und an Land sorgen.

Herzlich willkommen zur 114. Auflage der Gießener Pfingstregatta – unser Volksfest an der Lahn ist auch für Nicht-Ruderbegeisterte immer einen Besuch wert! Und für alle, die aus wichtigem Grund verhindert sind, alle Infos zur Regatta, inklusive Programmheft und Ergebnissen, gibt es live im Internet: https://www.pfingstregatta.de

Klare Verteilung kurz vor dem Ziel im Männer-Einer um dem traditionsreichen Lahn-Pokal
Das Rennen im Frauen-Doppelvierer A in Höhe des Christoph-Rübsamen-Stegs
(Foto: Frank Beck)
Der Männer-Doppelzweier im Rennen um den Opel-Preis im Zielbereich
(Foto: Frank Beck)
Christian Momberger
- Dipl. Geograph, Steuerfachwirt - Mitglied: DLRG, Regatta-Verein, Kassel spielt - Interessen: Politik, Gesellschaft, Schwimmen, Skifahren, Briefmarken, Rudern, Gesellschaftsspiele