Malta – Paulusinsel zwischen Europa und Afrika

Pfarrer Norbert Heide startete mit 46 Interessierten, um die Geschichte der Inseln Malta und Gozo mit ihren geheimnisvollen Tempeln, mittelalterlichen Festungen und prächtigen Renaissance- und Barockbauten zu erkunden. Maltas Geschichte reicht bis in die Jungsteinzeit zurück, als die Bewohner einer Fruchtbarkeitsgöttin megalithische Tempel weihten. Paulus erlitt auf dem Weg nach Rom Schiffbruch vor Malta und brachte das Christentum auf die Insel.

Die Anreise erfolgte mit dem Flugzeug und einem traumhaften Ausblick auf die schneebedeckten Alpen, Rom und Sizilien. Busfahrer Vishnu brachte uns nach Mellieha zum Hotel Maritim, das für eine Woche das Domizil der Wahl-Insulaner war.

Merhba – Willkommen
Ausflug in die Frühgeschichte
Beim Ausflug in die Frühgeschichte Maltas wurden die Steinzeittempel Hagar Qim, der über 5000 Jahre alt ist, und Mnajdra besucht. In den Tempeln wurden Steinfiguren und Reliefs gefunden. Diese stellen Tiere, menschliche Figuren und geometrische Muster dar. Eine in Hagar Qim gefundene Figur, die ohne Zweifel weiblich ist, ist die „Venus von Malta“. Diese etwa 13 Zentimeter große Figur zeigt einen stehenden Körper und ist einer der bekanntesten Funde der Tempelanlage.

Die prächtige Blaue Grotte mit ihren Meereshöhlen und das malerische Fischerdorf Marsaxlokk mit dem Markt, der sich über den gesamten Pier erstreckt und die bunten Fischerbote mit Augen am Bug sind beliebte Attraktionen Maltas. Die Boote heißen „Luzzu“ und sind ein Wahrzeichen Maltas, leuchtend in Gelb, Rot, Blau und Grün gestrichen. Diese Symbole sollen die Fischer vor Unheil und bösen Geistern bewahren.

Die Kalksteinhöhle Ghar Dalam, auch „Höhle der Finsternis“ genannt, führt 215 m in die „Unterwelt“. Hier wurden Knochen von Elefanten, Flusspferden usw. gefunden, die im angrenzenden Museum ausgestellt sind. Bei Ausgrabungen stieß man auch auf menschliche Behausungen in der Höhle.

Hauptstadtimpressionen
Valetta ist die kleinste Hauptstadt der Europäischen Union. Die ummauerte Stadt wurde im 16. Jahrhundert von dem römisch-katholischen Johanniterorden auf einer Halbinsel gegründet. Sie ist für ihre Museen, Paläste und prachtvollen Kirchen bekannt. Zu den barocken Wahrzeichen der Stadt zählt die St. Paulskirche und die Johanniskirche, erbaut zwischen 1573 und 1577 mit ihrem aufwendig gestalteten Innenraum, in dem sich Caravaggios Meisterwerk „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ befindet. Die hohen Decken schmücken faszinierende Malereien, die aus dem Leben von Johannes dem Täufer erzählen. Der Boden besteht aus kunstvollen und bunten Marmor-Grabplatten von Tempelrittern.

Die Upper Barrakka Gardens befinden sich am höchsten Punkt der Stadtbefestigung und bieten einen hervorragenden Ausblick auf den Grand Harbour, auf die drei ursprünglichen Stadtgründungen der Kreuzritter, Vittorosia, Senglea und Cospicua, auf die vorgelagerte Gemeinde Floriana sowie auf die große Werft, das Fort St. Angelo und zur Valletta Waterfront, wo viele Kreuzfahrtschiffe anlegen.

Das Nationalmuseum zeigt eine spektakuläre Sammlung von Funden aus der Jungsteinzeit Maltas. Beim Besuch der „Malta Experience“ wurde in einer Multivisionsschau über die 7000-jährige Geschichte Maltas informiert.

Szenenwechsel: Gozo
Bei einem Tagesausflug auf die Insel Gozo, der kleinen Schwester Maltas, wurde einer der ältesten noch halbwegs erhaltenen freistehenden Gebäude der Welt, der Megalith-Tempel Ggantija besucht. Die Wallfahrtskirche Ta’Pinu ist seit einer Marienerscheinung im 19. Jahrhundert ein beliebtes Wallfahrtsziel der Malteser. Obwohl die Hauptstadt Victoria bereits seit 1887 diesen Namen trägt, hört man immer noch gelegentlich ihren früheren, Rabat. Den neuen Namen erhielt die Stadt zu Ehren der britischen Königin Queen Victoria, als der Staat Malta noch eine Kolonie Großbritanniens war.

Nach einem typischen gozetanischen Mittagssnack mit frischem Brot, Gozo-Wein und Käse wurde die auf einer Anhöhe thronende von gigantischen, sandsteinfarbenen Bastionsmauern umrahmte Zitadelle besucht, die früher Schutz vor Angreifern bot, Von hier hat man einen tollen Panoramablick über die ganze Insel.

Rabat und Mdina
Die Dingli Klippen an der Küste von Malta ragen bis zu 253 Meter hoch aus dem Mittelmeer. Oberhalb der Klippen stehen eine kleine Kapelle und eine ehemalige Radarstation der Royal Air Force. Diese kuppelförmige Anlage wird heute von der maltesischen Flugsicherung genutzt. Außerdem befinden sich auf dem Gebiet der Dingli Cliffs die prähistorischen Schleifspuren Clapham Junction, die Wagenfurchen ähneln. Die Entstehungsgeschichte dieser Rillen und ihre Bedeutung sind umstritten.

Majestätisch überragt die malerische ehemalige Hauptstadt von Malta Mdina die Region und versetzt Gäste durch die schmalen Gässchen, die Festungsmauern und die mittelalterlichen Kirchen direkt in andere Zeiten. Mdina, stark römisch und arabisch geprägt, ist heute ein zauberhaftes und winzig kleines Dorf mit nur etwa 400 Einwohnern und ist als „Stadt der Stille“ bekannt.

Da der Apostel Paulus auf Malta nach einem Schiffbruch strandete und den christlichen Glauben auf die Insel brachte, gibt es überall dem Apostel geweihte Kirchen. Die St. Paul Kirche von Rabat stellt neben den Katakomben die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt dar und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es handelt sich um frühchristliche Grabstätten, die nicht mit dem Apostel in Verbindung stehen. Hier befinden sich zahlreiche Gräber, dazwischen verlaufen 1,5 km lange Gänge, die ein wahres Labyrinth darstellen.
Der St. Anton Palast in Attard ist die Residenz des Präsidenten der Republik Malta. Der Palast ist von schön angelegten privaten und öffentlichen Gärten umgeben.

Marienkirche in Mellieha

Kirchen und Gärten
Am Gründonnerstag stand der Besuch der Marienkirche in Mellieha auf dem Programm, ursprünglich eine einfache, in den Fels gehauene Höhlenkirche, die mit einem Wandgemälde der Muttergottes mit dem Jesuskind im byzantinischen Stil geschmückt war. Diese in den Fels gehauene Kapelle war seit den Anfängen des Christentums auf Malta ein Ort der Verehrung.
Die heutige Kirche mit Unterkünften für Pilger ist um einen großen Hof herum gebaut, in dessen Mitte ein Brunnen installiert ist, um die Pilger mit Waser zu versorgen.

Die Paulusbucht ist eine der größten und abwechslungsreichsten Ferienregionen Maltas. Ein großartiger Ausblick auf die unbewohnten Saint Paul’s Islands. Hier soll der Apostel Paulus einst Schiffbruch erlitten haben. Als er beim Sammeln von Feuerholz den Biss einer giftigen Schlange überlebte, schlossen sich die Malteser dem christlichen Glauben an. Bis heute sind zahlreiche Kirchen, Landschaften und Monumente auf Malta Paulus gewidmet. Heute erinnert eine Statue in der Bucht an dieses Ereignis.

Die zwischen 1833 und 1860 erbaute Rotunde von Mosta ist für ihre gewaltige Kuppel bekannt, eine der größten in Europa und die drittgrößte freitragende Kuppel der Welt. Die kunstvoll gestalteten Innenräume und die zahlreichen Kunstwerke beindrucken beim Betreten der Kirche. Am 9. April 1942 durchschlug während eines Morgengottesdienstes eine Luftwaffenbombe die Kuppel, doch durch einen wundersamen Zufall detonierte sie nicht. Die nicht explodierte Bombe wurde später entschärft, und der Vorfall ist noch heute als Beweis für die Widerstandsfähigkeit und den unerschütterlichen Glauben der Mosta-Gemeinschaft in Erinnerung.

Limestone Heritage, in einem ehemaligen Steinbruch gelegen, ist ein Freilichtmuseum, das die Geschichte der Bearbeitung des maltesischen Kalksteins erzählt. Manuel Baldacchino hat am Rande der Kleinstadt Siġġiewi den einstigen Steinbruch seines Vaters in dieses liebevoll gestaltete Museum verwandelt. Im Garten wachsen Orangen-, Zitronen- und Olivenbäume. Aus den Zitronen stellt er Limoncello her. Das aus den Oliven gewonnene Öl konnte mit Weißbrot, Oliven und Tomaten verkostet werden.

Ritterstädte und Hafenrundfahrt
Das Fort St. Angelo ist eine große Festung in Vittoriosa, Hier hatten sich die Ordensritter nach ihrer Ankunft auf Malta 1530 niedergelassen.

Die Hafenrundfahrt durch den alten Naturhafen von Valetta war ein schöner Abschluss der Studienreise. Vom Wasser aus hat man einen besonderen Blick auf die eindrucksvollen Befestigungsmauern und die historischen „Drei Städte“ Senglea, Cospicua und Vittoriosa, die so eng zusammengewachsen sind.

bunte Boote in Marsaxlokk
Blaue Grotte
viele Häuser mit bunten Balkonen und Haustüren
Rotunde von Mosta


Eine traumhafte Insel, der Charme der honigfarbenen Häuser mit den teilweise bunten Haustüren und Balkonen, die engen Gassen, die aufgesetzten Steinmauern, blühenden Blumen am Straßenrand, die großen Kakteen und nicht zuletzt die Stromleitungen, die einfach an den Häusern hängen. Bei uns undenkbar – für die Malteser ok, da kommen sie wenigstens dran, wenn etwas kaputt ist.

Reiseführerin Wiebke, eine Deutsche, die bereits seit 32 Jahren in Malta lebt, hat der Reisegruppe mit professionellen und sehr kompetenten Ausführungen zu den imposanten Kulturschätzen, die Geschichte und die Pflanzen der Insel sowie die Lebensweise der Malteser die faszinierende Schönheit der Insel näher gebracht.

Pfarrer Norbert Heide hatte diese beeindruckende Reise in Zusammenarbeit mit Biblische Reisen wunderbar organisiert. Mit seinen täglichen Andachten zur Markuspassion stellte er den Bezug zur Karwoche her. An verschiedenen Orten, mal in Kirchen, am tosenden Meer, an der Paulusbucht oder am Strand brachte er uns den Schiffbruch des Apostel Paulus an Ort und Stelle näher. Dafür von allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön.