Spektakuläre Baumbesetzung auf B49-Trasse – 40 Menschen bei Infospaziergang

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Die Baumbesetzung am 2.2.2026 nach der ersten Nacht. Im Hintergrund die Abfahrt der A5 zur B49, von dort sollen Damm und Brücke gebaut werden.

Bei einem Wetter, bei dem man lieber am warmen Ofen sitzen bliebe, steht eine größere Gruppe am Ortsrand von Reiskirchen am Nonn. Von hier aus blicken die Menschen auf das Gewerbegebiet Reiskirchen, die ehemalige Mülldeponie, die  A 5 und die B 49. Autolärm ist allgegenwärtig. „Beeindruckend, wie wir Menschen hier schon die Natur zerstört haben“, sagt eine ältere Dame. Und ein junger Mann ergänzt: „Sieht so aus, als wären hier schon genug Straßen und genug Autos“.  Die beiden erfahren Zustimmung. Sie sind Teil einer anfangs 40 Personen zählenden Gruppe, die sich am Sonntag, 01.02.2026, zum Info-Spaziergang entlang der geplanten Trasse B49-Südumgehung Reiskirchen eingefunden hat. Dazu aufgerufen hatten die „Naturfreunde Jossolleraue“ und das Aktionsbündnis „Sanieren statt Planieren!“. Denn im Februar drohen Baumfällungen als Vorbereitung des Straßenneubaus.

Blick vom Nonn auf die Baumbesetzung

Rolf Tobisch (Naturfreunde Jossolleraue) und Beate Allmenröder (Sanieren statt Planieren!) wiesen bei der Begrüßung auf den Irrsinn des Straßenneubaus hin – in Zeiten von zunehmenden Klimakatastrophen, Ausfällen und Verspätungen im ÖPNV und maroder Straßen. Sie zeigten Unverständnis für die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, 3 Milliarden, die eigentlich für Sanierungen vorgesehen waren, in den Straßenneubau umzuschichten.

Vom Nonn aus konnte die Gruppe auf die Bäume an der Wieseck zurückschauen, die gerade mit ihrer Hilfe in einer spektakulären Aktion besetzt worden waren. Diese sollen demnächst für den den Straßenneubau gefällt werden. Um sie zu schützen, wurde eine Plattform mit vereinten Kräften in schwindelnde Höhen gezogen.

Hochziehen der Plattform am 1.2.2026

Während der Baumfällsaison, die bis Ende Februar andauert, wird diese Plattform Tag und Nacht „bewohnt“ sein. Die Initiative lädt täglich um 16 Uhr ein zur Unterstützung und zum Austausch über Ideen zu weiteren Protestaktionen.

An der Kirschbergschule, die stark vom Verkehrslärm betroffen sein würde, bekräftigte Dr. Esther Abel, Mitglied des SPD-Unterbezirkvorstands, den Widerspruch dieses Bauvorhabens zum jüngst verabschiedeten Parteiprogramm: „Wenn man Menschen vor Autos schützen will, dann sicher nicht durch neue Straßen“. Sie versicherte, innerhalb der SPD dafür zu werben, keine Mittel mehr in Straßenneubauten zu stecken. Die Winterwanderer konnten sich beim Gang entlang des Südhangs selbst ein Bild davon machen, wie nah die Straße den Häusern kommen würde. Auf dem weiteren Weg wurde klar, dass sich die Belastungen durch den Verkehr, den die Anwohner der jetzigen B 49 nicht mehr haben wollen, nur verlagern würde – zu Grundschule, Südviertel, Martinsheim, Hattenrod und Burkhardsfelden.

Mehrere Anwesende berichteten, dass auch in den anderen Parteien die Zustimmung zur Südumgehung keinesfalls eindeutig sei. Daher wurde verabredet, das Gespräch mit den Kommunalpolitikern zu suchen.