Von Gießen aus in Richtung Osten verlaufen mehrere wichtige Verkehrsachsen: die Autobahn A5, die Bundesstraße B49, die Vogelsbergbahn nach Alsfeld und Fulda sowie eine überregionale Fahrradachse. Während die Bahnlinie seit Jahren vernachlässigt oder gar rückgebaut wird, sollen beide Straßen in den nächsten Jahren massiv ausgebaut werden. Begründet werden die neuen Flächenversiegelungen mit wachsendem Autoverkehr. Doch das ist für die A5 nur die Hälfte der Wahrheit, und für die B49 sogar ganz gelogen. Daher fordern Verkehrswende-Aktive den Stopp der Ausbaupläne und stattdessen die Aufwertung der Vogelsbergbahn. Ihre Vorschläge verbinden sie mit einem spannenden Verkehrskonzept für ganz Mittelhessen: Eine Regiotram, die in den drei Städten der Region als Straßenbahn fährt und in den umliegenden Orten auf vorhandenen, zum Teil zu reaktivierenden Bahngleisen. „Die Idee der Regiotram steht für die leistungsfähigste und komfortabelste Idee von Nahverkehr“, heißt es aus den Initiativen, die sich in und um Gießen gegründet haben. „Menschen können von den Orten in der Region direkt in die Innenstädte oder zu Zielen wie Schulen, Hochschulen oder Krankenhäusern fahren, ohne umzusteigen oder nur einmal von einer Tram in eine andere zu wechseln.“ Straßenbahnen seien komfortabler und schneller als die auf dem Land eingesetzten Busse. Sie sind zudem barrierefreier und fahren jetzt schon elektrisch. Da viele Bahnstrecken in der Region noch nicht elektrifiziert sind, könnten Akkuzüge dort das Elektrozeitalter einläuten, in dem sie sich im Stadtbereich aufladen und dann in die Region weiterfahren. Da weder Wetzlar noch Gießen oder Marburg bislang eine Straßenbahn hätten, könnte der Neubau dort in der passenden Schienenbreite und mit Oberleitungen erfolgen. „Dann hätte Mittelhessen das modernste Nahverkehrssystem, wäre ein Vorreiter!“
Vor wenigen Tagen hat die Stadt Gießen eine Vorstudie für die Machbarkeit einer solchen Regiotram in Auftrag gegeben. Das beauftragte Planungsbüro war bereits mit der Regiotram im Raum Karlsruhe beschäftigt, die als Vorbild dienen kann. Die Verkehrswende-Initiativen hoffen, dass ihre bereits erarbeiteten Streckenvorschläge, zusätzlichen Haltestellen und die Konzepte für Zubringerbusse mit in die Überprüfung einfließen. „Dafür wäre es gut, wenn sich auch die Gemeinden aus dem Umland und der Landkreis Gießen beteiligen“, hoffen die Aktiven, die ihre Vorschläge schon vor Jahren einbrachten und jetzt mit einer Einwohner*innenpetition an das Gießener Stadtparlament für den nötigen Nachdruck sorgten.
Unabhängig davon kündigten sie Widerstand gegen den Neubau der B49 östlich von Gießen an: „Die neue Straße verläuft parallel zu einer der Regiotramstrecken. Ein vom Autoverkehr betroffener Ort läge an der Strecke und würde erstmals einen Haltepunkt erhalten. Das ist die schlauere Idee statt neuer Flächenversiegelung und einem teuren Straßenneubau, der noch dazu das wertvolle Natur- und Naherholungsgebiet ‘Jossollertal’ beschädigt sowie nötige Mittel für Straßensanierungen verprasst.“
Infoseite zur Regiotram: https://regiotram.siehe.website
Infoseite zum B49-Neubau: https://b49.siehe.website




