Bereits vor Beginn der nun endenden Wahlperiode hatten Verkehrswende-Aktive die die Einwohnerpetition „RegioTram Gießen – jetzt planen statt weiter an Straßen bauen!“ gestartet. Der Petitionstext fordert den Magistrat dazu auf, vor der Sanierung von Straßen, die in der Petition als Straßenbahntrassen vorgeschlagen sind, die Sanierungskosten, einmal mit dem Bau von Straßenbahninfrastruktur und einmal ohne dem Bau von Straßenbahninfrastruktur, gegenüberzustellen. Bei der Gegenüberstellung der Kosten sollen dann insbesondere mögliche Förderungen einbezogen werden. Bei den Bau von Straßenbahninfrastruktur würden die Förderungsmöglichkeiten bei bis zu 90% liegen. Finn Becker, einer der Mitinitiatoren der Petition betont: „Die Frage, ob eine Förderung möglich ist, hängt dabei maßgeblich von dem Ausgang einer Machbarkeitsstudie ab. Im Grunde geht es in der Petition auch genau darum, dass die Stadt eine solche Machbarkeitsstudie in Auftrag gibt.“
Nachdem die 2021 gegründete Grün-Rot-Rote Koalition die Durchführung einer Machbarkeitsstudie in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatte und von Seiten des Magistrats darauf verwiesen wurde, dass das Thema RegioTram zunächst im Verkehrsentwicklungsplan behandelt würde sowie die Sanierung der Grünberger Straße, als eine der für die Straßenbahn wichtige Trasse, nicht unmittelbar bevor stünde, entschieden die Initiator*innen der Petition, die bereits begonnene Sammelphase der Unterschriften zu pausieren.
Mit der Ankündigung der Stadt, dass 2026 mit Sanierungsarbeiten an der Grünberger Straße begonnen werden soll, und gleichzeitig auch zum Ende der Wahlperiode nicht einmal eine Machbarkeitsstudie beauftragt ist, gewann die Petition plötzlich wieder an Aktualität. Zumal im mittlerweile aufgestellten Verkehrsentwicklungsplan eine RegioTram, die im Stadtgebiet auf eigener Trasse fährt und im Umland auf dem bestehenden Schienennetz weitergeführt wird, aufgrund ihrer Kapazität und Attraktivität als geeignet angesehen wird, größere Verlagerungen, zum ÖPNV, lokal wie im Stadt-Umland-Verkehr zu generieren. Auch hier wird die weitere Untersuchung eines RegioTram-Systems ganz offiziell empfohlen.
Nach einer ersten Auszählung der Unterstützungen durch die Stadt Ende November fehlten aufgrund einiger ungültiger Unterstützungen noch 228 Stimmen. Von den Innitiator*innen wurde sich daraufhin kurzfristig weitere 300 Stimmen gesammelt und nachgereicht. Mit dem neuen Ergebnis der Auszählung hat die Einwohnerpetition mit 940 gültigen Unterstützungen das notwenige Quorum von 887 Unterstützungen erreicht, heiß es daraufhin in der Benachrichtigung der Stadt. Die Initiator*innen sehen nun den Auftrag ganz klar bei der Stadt, egal ob die Petition noch in dieser Legislatur oder erst in der Nächsten behandelt wird, ein weiterer Aufschub zur Beauftragung der Machbarkeitsstudie sei weder verständlich noch weiter hinnehmbar.
Bei den vielen im letzten Sammelprozess geführten direkten Gesprächen wurde noch einmal deutlich, wie die Idee einer Straßenbahn für Gießen in der Breite bereits bekannt ist und wie groß der Wunsch nach einem höherwertigen ÖPNV für Gießen ist. Darüber hinaus sei das Interesse bei den vielen nicht Stimmberechtigten, die keine Wohnsitz in Gießen haben, aber zum Studieren, Einkaufen oder Arbeiten regelmäßig einpendeln, an dem Vorgeschlagenen Regiotram-System, bei dem die Straßenbahn auf dem bestehenden Schienennetz bis ins Umland weitergeführt wird, besonders groß gewesen, so Simon Becker, welcher sich maßgeblich an den Sammelaktionen beteiligt hatte.



