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Winterzauber

Winter
Winter
Reiskirchen | Teil 4/6
Beim Eintritt in die Halle verschlug es Johanna den Atem. Kunstvolle Schnitzereien an den Wänden und der Deckenvertäfelung. Dazu Gobelins, vereinzelte Waffen, Schilde und Jagdgeräte. Alles ins rechte Licht gesetzt mit großen Fenstern, die sie in einem solchen Gemäuer nicht erwartet hätte.

Leicht erhöht war auf der anderen Seite der Halle eine lange Tafel zu erkennen und auch der restliche Raum war gut zur Hälfte mit Tischen und Bänken gefüllt. Die frischen Binsen auf dem Boden verbreiteten einen Geruch nach Sauberkeit.

"Darf ich der Dame den Umhang abnehmen?" Ein junges Mädchen verbeugte sich vor Johanna. Als diese nickte, öffnete das Mädchen mit geübten Griffen die Schließe von Johannas Umhang und der weiche Pelz glitt von ihren Schultern, streichelte dabei noch einmal sanft ihren Hals. Mit einer Hand erhaschte Johanna noch einen Griff in das seidig weiche Fell. So weich...

"Möchten Sie noch etwas ablegen?" unterbrach das Mädchen ihre Gedanken. Sie gab noch ihre warme Jacke, den kleinen Rucksack behielt sie bei sich. Das Mädchen huschte davon und ihr Gastgeber führte sie zu der langen Tafel auf dem Podest.

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Ihr Gastgeber wies ihr den Platz zu seiner Linken zu, zu seiner Rechten nahm die groß gewachsene Frau platz und er saß am Kopfende der Tafel. Johanna platzte fast vor Neugier doch als sie anhub zu fragen, brachte ihr Gastgeber sie mit einem "Warte" zum Verstummen.

Diener trugen warmes aromatisches Bier auf. Johanna war sehr durstig. Das Bier erinnerte sie an einen Bierpunsch, den sie mal auf einer Party getrunken hatte.

"Dann will ich uns erst einmal vorstellen, Johanna. Ich habe viele Namen und auch meine Gefährtin, doch Dir sind wir vermutlich unter dem Namen Taranis und Epona bekannt"

"Cewle Nicknames... aber wer seid ihr wirklich?" entgegnete Johanna. Sie war sich nicht ganz sicher was sie davon halten sollte. "Taranis und Epona sind Götter der alten Kelten. Und die gibt es längst nicht mehr"

"Dann überlege mal, was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, wie Du auf einem solchen Ritt hier her gekommen sein könntest." Taranis grinste über das ganze Gesicht. Man konnte die Freude über die erstaunte und verwunderte Johanna förmlich aus seinen Augen sprühen sehen.

"Ihr habt mich hypnotisiert, das hier existiert alles nicht wirklich. Ihr habt irgend etwas mit mir angestellt als ihr vor dem Losreiten Handbewegungen in meine Richtung gemacht habt." Es schlich sich eine gewisse Entrüstung in Johannas Tonfall.

"Ich habe Dir nur Deine Angst genommen. Alles andere ist so wirklich passiert wie Du Dich jetzt kneifen kannst und es weh tut." Taranis blickte sie unverwandt an.

"Du äh Sie äh Ihr meint also..." Johanna geriet ins Stottern als ihr langsam klar wurde, mit wem sie zusammen auf einem Pferd gesessen hatte.

"Du kannst es beim Du belassen... ich bin diesbezüglich auch schon modern. Wir sind nicht ganz so rückständig wie Du es Dir gerade vorstellst."

"Du kannst meine Gedanken lesen? Wie..." Johannas Hände fuhren zu ihrem Kopf.

Beruhigend legte Taranis seine Hand auf ihre Schulter. "Wie? Nun nenne es göttliches Wirken, Magie, außergewöhnliche Fähigkeit. Wenn etwas hinreichend kompliziert ist und man es nicht versteht, dann sieht es wie Magie aus. Wenn Du es nicht möchtest, dann lasse ich es."

"Das wäre mir lieber!" antwortete Johanna.

"Dann lasse Dir kurz die wichtigsten Zusammenhänge erklären. Dann beantworten sich vielleicht einige Deiner Fragen schon."

Epona, die die ganze Zeit schweigend dabei gesessen hatte, sprach mit zwei jungen Männern, die mit fragender Mine in der Nähe des Tisches standen. Kurz darauf wurde Essen aufgetragen. Johanna merkte erst jetzt, wie hungrig sie war. Es mußte früher Nachmittag sein und sie hatte seit gestern nichts gegessen.

"Also..." Taranis räusperte sich wie vor einer großen Rede. "Wir sind tatsächlich das was von den alten Gottheiten auf dem Weg der Zeit geformt wurde. So lange es Personen gibt, die an uns glauben, so lange existieren wir. Außerdem bist Du hier nicht auf der Erde, die Du kennst sondern sozusagen auf einer parallelen Ebene. Du kennst sie vermutlich unter dem Namen 'Anderswelt'. Wir können nach Belieben von einer zur anderen Ebene wechseln. Du kannst das nur, wie geschehen, mit unserer Hilfe oder an Stellen und zu Zeiten wo die Schleier zwischen den Welten dünn sind. Am Besten zu Samhain oder Beltane"

Davon hatte Johanna schon gehört. Sie hatte auch mal an so einer Feier teilgenommen. Doch von der Anderswelt hatte sie dabei nichts bemerkt.

"In dieser Ebene existiert auch das was Du als Magie kennst. Nicht nur wir sind dazu in der Lage sondern auch gewöhnliche Menschen und andere Wesen, die sich damit intensiv beschäftigen. Wir können viel bewirken aber wir sind nicht allmächtig. Für komplizierte Dinge müssen wir alle zusammenarbeiten."

"Und warum habe ich Euch getroffen?" fragte Johanna.

"Früher einmal war der Winter die Zeit der Ruhe. Die Bauern hatten nur ihr Vieh zu versorgen, die Feldarbeit ruhte. Auch die Natur ruhte und so hatten wir und auch andere wie wir Zeit uns etwas zu vergnügen. Wir besuchten die Welt der Menschen und vertrieben uns etwas die Zeit. Heute ist in der Welt der Menschen der Winter fast so eine geschäftige Zeit wie der Sommer. Die Menschen hasten umher, haben weder Augen noch Ohren für das Außergewöhnliche so wie uns."

"Aber warum gerade ich?" Johanna wurde forscher in ihrem Fragen.

"Nun, hast Du uns nicht gesucht?" beteiligte sich Epona am Gespräch. "Außer uns waren in der langen Nacht auch noch andere unterwegs. Du hättest auch Odin und seinem Zug begegnen können. Deine Heimat teilen wir uns so wie früher der eine und der andere Glauben nebeneinander existierten. Bei manchen Menschen sind wir als 'Die wilde Jagd' bekannt."

Andere Personen betraten den Saal, von denen Johanna annahm, dass sie bei der Reitgesellschaft dabei waren. Erkennen konnte sie nur die Frau, die sich immer wieder mit den Raben beschäftigt hatte. Die anderen waren zu sehr vermummt gewesen.

"Morrigan?" leise fragend schaute Johanna zu Taranis.

"In der Tat, unter dem Namen kennst Du sie wahrscheinlich am Besten. Doch jetzt lasst uns erst mal etwas essen!" Taranis deutete auf die mittlerweile angerichtete Tafel auf der sich die besten Speisen türmten.

--- Fortsetzung folgt ---


Hier inspirierten mich meine eigene spirituelle Weltsicht, die alten keltischen Mythen und Heldensagen, Marion Zimmer Bradleys Darkover samt Evandas Erbsensuppe und eine Geschichte von W.G.

BTW: Es ist ganz schön schwer, so aus dem Stegreif in Fortsetzungen zu schreiben und nicht erst die ganze Geschichte zu ende zu bringen. Aber es freut mich, dass es anscheinend schon Fans gibt!
=;-D

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.621
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 14.12.2012 um 18:44 Uhr
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Herzlichst, Ihr(e) Ulrike J. Schepp

von:  Ulrike J. Schepp

offline
Interessensgebiet: Reiskirchen
Ulrike J. Schepp
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