GIESSEN – Der Fall des völlig abgemagerten Katers „Maverick“ sorgt im Tierheim Gießen für Entsetzen. Das Schicksal des Tieres steht beispielhaft für ein wachsendes Problem: Viele Halter unterschätzen die langfristigen Kosten und die Verantwortung der Tierhaltung. Angesichts der bevorstehenden Osterzeit appelliert der Tierschutzverein eindringlich an die Vernunft künftiger Besitzer.
Als der junge Kater Maverick im Gießener Tierheim abgegeben wurde, wog er lediglich ein Kilogramm – normal wären zwei bis drei. Das Tier war nicht nur völlig dehydriert, sondern wies auch deutlich gelbe Schleimhäute auf, ein ernstes Alarmzeichen für seinen extrem kritischen Zustand. Nur durch sofortige Infusionen, hochdosierte Medikamente und eine engmaschige Rund-um-die-Uhr-Betreuung konnte er mühsam ins Leben zurückgeholt werden. Doch der Weg ist weit: Maverick ist noch immer nicht über den Berg.
Die Besitzer gaben an, eine tierärztliche Behandlung nicht bezahlen zu können.Für Astrid Paparone, Vorsitzende des Tierschutzvereins, ist dies kein Einzelfall mehr: Erst kürzlich musste ein Dackel aufgrund fortgeschrittener Vernachlässigung eingeschläfert werden. Eine Schäferhündin in desolatem Zustand konnte nur durch Intensivbetreuung gerettet werden, und ein Hund musste als taub eingestuft werden, weil eine Ohrentzündung über lange Zeit unbehandelt blieb.
Das Tierheim betont, dass der Anschaffungspreis eines Tieres oft der geringste Teil der finanziellen Belastung ist. „Wer sich ein Tier nicht leisten kann, sollte keins haben“, stellt Paparone klar. Die laufenden Kosten sowie unvorhersehbare Tierarztrechnungen summieren sich über die Jahre auf beträchtliche Summen:
- Katzen: Verursachen monatlich – eine qualitativ gute Versorgung mit artgerechtem Futter vorausgesetzt – mindestens zwischen 60 und 100 Euro
- Hunde: Schlagen je nach Größe und Gesundheit mitmindestens 70 bis 200 Euro monatlich zu Buche.
- Kaninchen: Da diese Tiere niemals allein gehalten werden dürfen, belaufen sich die Kosten für zwei Tiere auf ca. 125 bis 185 Euro monatlich. Hier schlagen besonders die Kosten für Gehegebau, frisches Futter, Streu und unverzichtbare regelmäßige Tierarztbesuche zu Buche. Gerade Kaninchen benötigen eine ständige Kontrolle der Zähne: Da diese lebenslang wachsen, können Fehlstellungen dazu führen, dass die Tiere am vollen Napf qualvoll verhungern – oft unbemerkt von den Besitzern.
Diese Beträge können jedoch deutlich steigen, wenn chronische Erkrankungen, altersbedingte Probleme (wie z. B. Inkontinenz) oder andere gesundheitliche Leiden auftreten. Besonders die Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) hat die Kosten für Behandlungen massiv steigen lassen. Eine einfache Impfung kostet jährlich zwischen 50 und 150 Euro, während Operationen schnell drei- bis vierstellige Beträge erreichen.
Warnung vor Spontankäufen zu Ostern
Gerade vor Ostern warnt das Tierheim vor dem Kauf von Kaninchen als „Geschenk“. Ein vermeintlich günstiges Tier aus der Zoohandlung für 50 Euro zieht immense Folgekosten nach sich. Zudem führen Unwissenheit und falsche Ernährung oft zu qualvollen Krankheiten, wie etwa verhakt-wachsenden Zähnen bei Kaninchen, die für den Halter von außen nicht sichtbar sind, aber zum Verhungern des Tieres führen können.
Vorsorge statt Notabgabe
Die Tierschützer raten dringend dazu, bereits vor der Anschaffung monatliche Rücklagen zu bilden oder eine Tierkrankenversicherung abzuschließen. Das Tierheim Gießen selbst kämpft mit jährlich rund 650.000 Euro laufenden Kosten, wovon nur ein Teil durch öffentliche Mittel gedeckt ist. Der Rest muss mühsam durch Spenden finanziert werden, um die Tiere aufzufangen, deren Besitzer mit der Verantwortung überfordert sind.
Kater Maverick wird derzeit intensiv medizinisch betreut und alle zwei Stunden gefüttert. Ob er überlebt, ist noch ungewiss. Seine Geschichte soll als Mahnung dienen: Ein Haustier ist kein kurzfristiges Geschenk, sondern eine lebenslange finanzielle und moralische Verpflichtung.






