Demenz-Betreuung in Tagesstätte trotz der Corona-Krise

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Corona ist für Menschen mit Demenz nur ein Wort. In Wisselsheim muss die Tagesstätte „Demenz-Ja“ umso mehr darauf achten, dass die Regeln genau eingehalten werden.

Heidy L., die Leiterin von der Tagesstätte „Demenz-Ja“ in Wisselsheim (Stadtteil von Bad Nauheim), Peter K. sowie Martina H. sind ausgebildet als Senioren- und Demenzbegleiter. Sie betreuen im Moment täglich vier bis fünf Gäste, die an Demenz erkrankt sind. Manche von den Gästen werden lediglich am Nachmittag, andere an einzelnen Wochentagen betreut. Die drei Betreuer sind allesamt Seiteneinsteiger. Zudem haben alle drei für die alten Menschen ein Händchen.

Die Einrichtung musste im ersten Lockdown zehn Wochen lang schließen. Das bedeutete für die dementen Menschen, neues Vertrauen zu fassen, doch das gelang gut. Drei Gäste kommen trotzdem nicht, da die Angehörigen sich sorgen, dass eine Ansteckung möglich sei. Heidy L. sagt, dass bislang niemand erkrankt sei. Sie seien jedoch sehr vorsichtig. Sie sehen hierbei auch darin für ihre Kunden die Verantwortung, sich im Privatleben selbst zurückzunehmen.

Ein Desinfektionsmittel-Spender und ein Temperaturmessgerät befinden sich am Eingang zu dem ungefähr 100 Quadratmeter großen Raum, der in Wohn- und Essbereich aufgeteilt ist. Wenn die Anzeige von dem Lüfter von der Farbe Blau zu Rot wechselt, werden zum Durchzug zwei Türen geöffnet. Der Wohnzimmerbereich ist museal eingerichtet und geräumig.

Die Betreuungskräfte müssen in der Pandemie – mehr als sonst – überall die Augen haben. Peter K. erzählt, dass sie den dementen Menschen schließlich nicht klar machen könnten, dass sie einander nicht die Hand reichen sollen. Deshalb würden sie immer mit Desinfektionsmittel bereit stehen. Peter K. stellt als Abwurf-Spiel einen Servierwagen mit einer Blechdosen-Pyramide bereit. Währenddessen nehmen die Kunden ihre Masken erneut ab. Martina H. fragt, ob jemand einem demenzkranken Menschen widersprechen könne, wenn dieser überzeugt sage, er habe kein Corona? Die Masken seien den dementen Gästen egal. Heidy L. und das Team wollen auf die Berührung ganz sicher nicht verzichten, falls jemand eine tröstende Umarmung braucht oder unruhig ist. Bei aller Vorsicht müsse Nähe möglich sein.

Das Personal wird jeden Montag getestet. Heidy L. bezahlt die Tests selbst. Die Chefin wartet jetzt auf ihren eigenen Impftermin. Martina H. teilt mit, dass sie sich bemühen, die Notwendigkeit für eine Impfung den Angehörigen klar zu machen und dass sie ihnen Hilfe anbieten würden. Allerdings seien das oftmals betagte Ehepaare, die gänzlich unbeholfen seien. Manche von ihnen wollten sich zudem nicht impfen lassen.

Heidy L. ist mittwochs und freitags, wenn sich Erkrankte und Angehörige im Demenzcafé im Freiwilligenzentrum treffen, lediglich für die Angehörigen da. Sie sagt, dass die Angehörigen sie jetzt fast mehr bräuchten als die Erkrankten. Ihr liegt individuelle Betreuung am Herzen. Auch die Angehörigen schätzen das. Daher ist sie froh darüber, dass zumindest ihre Stammkunden regelmäßig in die Tagesstätte gebracht werden. Es gäbe zu viele Kunden, um zu schließen sowie zu wenig, damit sie wirtschaftlich gut durchkomme, berichtet Heidy L. über ihre Lage. Sie hätten trotz Einschränkungen noch Kapazitäten.

Die Gruppenzahl musste in der Tageseinrichtung „Demenz-Ja“, welche hauptsächlich, jedoch nicht ausschließlich für demente Menschen ist, während der Pandemie reduziert werden. Zeitlich ist Heidy L. sehr flexibel, deshalb kann sie Kunden auch jetzt noch aufnehmen. Hierbei kommen die Angehörigen zum Bringen der Gäste und zum Abholen lediglich an die Tür. Die Kunden seien Zuhause nahezu isoliert, teilt Heidy L. mit. Eine intensive individuelle Betreuung sei aufgrund der sehr kleinen Gruppen möglich. Sie ist mit dem Freiwilligenzentrum Bad Nauheim eng vernetzt und dort hat sie ihre Ausbildung auch gemacht. In der Aktion „Silberstern“ bringt sie ihr ehrenamtliches Engagement ein. Wenn in der Stadt eine demente Person hilflos aufgefunden wird, nimmt sie diese in der Tagesstätte auf und betreut sie, bis die Angehörigen erreicht werden. Heidy L. sagt, das sei besser für die dementen Menschen, als sich bei der Polizei aufzuhalten. Diese Möglichkeit ist während der Pandemie begrenzt.